Rating
Die „Spielregeln“ bei der Kreditvergabe an Unternehmen wurden nach Basel II grundlegend verändert. Differenzierte Bewertungssysteme für Kreditrisiken und größere Transparenz der Kreditnehmer spielen eine wichtige Rolle bei der Kreditvergabe.
„Basel II“ sieht vor, dass die Bonitätseinstufung eines Kreditnehmers durch Ratings das zentrale Kriterium für die Eigenkapitalunterlegung bei der kreditvergebenden Bank ist. Gewerblichen Kreditnehmer müssen sich intensiv mit dem Thema Rating beschäftigen und sich auf ein hohes Maß an Transparenz einzustellen. Nur wenn es gelingt, ein gutes Rating für das Unternehmen zu erzielen, wird eine Kreditvergabe zu guten Konditionen erreicht werden können.
Zum Thema Rating haben wir daher nachstehende Informationen für Sie zusammengestellt:
1. Was bedeutet Basel II
2. Was prüft die Bank beim Rating
3. Ratingsymbole und was sie aussagen
4. Wer erstellt Ratings
5. Checkliste: Ist Ihr Unternehmen fit für ein gutes Rating?
1. Was bedeutet Basel II
Jedes Kreditinstitut muss bei der Vergabe eines Kredites einen Prozentsatz der Kreditsumme – gewichtet mit einem bestimmten Risikofaktor – mit Eigenkapital (EK) unterlegen.
Kreditsumme x Prozentsatz x Risikofaktor = EK-Unterlegung
Nach Basel I (Baseler Eigenkapitalübereinkunft von 1988) müssen Kredite an Unternehmen pauschal mit 8 Prozent Eigenkapital durch das Kreditinstitut unterlegt werden. Bei einer Kreditsumme von EUR 1 Mio. hat der Kreditgeber damit EUR 80.000 Eigenkapital zu unterlegen.
Diese Verfahren führte bisher zu keiner weiteren Differenzierung innerhalb der Schuldnergruppen. Es wurde ein mehr oder weniger einheitliches Zinsniveau gebildet, das die individuelle Bonität des Kreditnehmers nur unzureichend berücksichtigt. Kreditnehmer mit (sehr) guter Bonität in einem wachstumsstarken Marktumfeld zahlen heute also eher einen zu hohen, Kreditnehmer mit schwacher Bonität einen zu geringen Risikoaufschlag.
Nach Basel II sollen die Eigenkapitalanforderungen nun risikonäher gestaltet werden. Grundsätzlich sieht auch das Basel II-Konzept eine 8%ige Eigenkapitalunterlegung vor. Die gewichtenden Risikofaktoren sollen aber durch eine individuelle Risikoeinstufung (Rating) des Kreditnehmers deutlich stärker differenziert werden. Bei der o.g. Kreditsumme von EUR 1 Mio. könnte sich z.B. für ein Unternehmen mit sehr guter Bonität eine Gewichtung von 20% (damit EUR 16.000 EK-Unterlegung), für ein Unternehmen mit mangelhafter Bonität von 150% (damit EUR 120.000 EK-Unterlegung) ergeben. Damit stellt sich die Konditionsgestaltung der Kreditinstitute bei der Kreditvergabe wesentlich differenzierter dar.
2. Das prüft die Bank beim Rating
2.1. Management
• Qualität der Geschäftsführung/des Managements
• Qualität des Rechnungswesens/Controllings
2.2. Markt/Branche
• Branchen-/Marktentwicklung
• Abnehmer-/Lieferantenstreuung
• Export-/Importrisiken
• Konkurrenzintensität
• Produkte/Sortiment
• Leistungsstandard
2.3. Kundenbeziehung
• Kontoführung
• Kundentransparenz/Informationsverhalten
2.4. Wirtschaftliche Verhältnisse
• Beurteilung des Jahresabschlusses
• Gesamte Vermögensverhältnisse
2.5. Weitere Unternehmensentwicklung
• Unternehmensentwicklung seit dem letzten Jahresabschluss
• Unternehmensplanung
• Ertragsplanung und künftige Kapitaldienstfähigkeit
• besondere Unternehmensrisiken
3. Ratingsymbole und was sie aussagen
Rating versteht sich hauptsächlich als Beurteilung der Fähigkeiten des Kreditnehmers, zukünftig seinen Zahlungsverpflichtungen (Kapitaldienst) pünktlich nachzukommen. Mit der Forderung, die Bonität des Kreditnehmers mit dem Ausfallrisikos zu verknüpfen, lehnt sich Basel II an die Rating-Klassifizierung der international führenden Rating-Agenturen wie Fitch IBCA, Standard & Poor's oder Moody's an. Damit werden Aussagen von Ratingklassen für Anlageempfehlungen auf Aussagen zu Bonität und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens übertragen:
|
Fitch IBCA |
Moody's |
Standard & Poor's |
Schulnote | Erläuterung |
| AAA | Aaa | AAA |
sehr gut: höchste Bonität; praktisch kein Ausfallrisiko |
|
|
AA+ AA AA- |
Aa1 Aa2 Aa3 |
AA+ AA AA- |
1 |
sehr gut bis gut: hohe Zahlungs- wahrscheinlichkeit; geringes Insolvenzrisiko |
|
A+ A A- |
A1 A2 A3 |
A+ A A- |
2 | gut bis befriedigend: angemessene Deckung des Kapitaldienstes; noch geringes Insolvenzrisiko |
|
BBB+ BBB BBB- |
Baa1 Baa2 Baa3 |
BBB+ BBB BBB- |
3 | befriedigend: angemessene Deckung des Kapitaldienstes; mittleres Insolvenzrisiko (spekulative Charakteristika, mangelnder Schutz gegen wirschaftliche Veränderungen) |
|
BB+ BB BB- |
Ba1 Ba2 Ba3 |
BB+ BB BB- |
4 | befriedigend bis ausreichend: mäßige Deckung des Kapitaldienstes; höheres Insolvenzrisiko |
|
B+ B B- |
B1 B2 B3 |
B+ B B- |
5 | ausreichend bis mangelhaft: geringe Sicherung des Kapitaldienstes; hohes Insolvenzrisiko |
|
CCC CC |
Caa (1-3) Ca |
CCC CC |
6 | ungenügend: kaum ausreichende Bonität; sehr hohes Insolvenzrisiko |
| SD/D | C | SD/D | zahlungsunfähig: in Zahlungsverzug oder Insolvenz |
Die Tabelle zeigt, dass trotz unterschiedlicher Rating-Symbole, -Verfahren und Systeme der Agenturen, die Aussagekraft der mit dem Rating verbundenen Risikobeurteilung durchaus vergleichbar ist. Meist erfolgt ein Rating für das folgende Jahr und berücksichtigt Geschäfts- und Finanzrisiken:
| Rating des Geschäftsrisikos | Rating des Finanzrisikos |
|
- Branchencharakteristika - Wettbewerbsposition - Management |
- Rentabilität - Liquidität - Finanzpolitik - finanzielle Flexibilität |
4. Wer erstellt Ratings?
4.1 Externes Rating:
Rating durch eine (banken-) unabhängige Agentur. In Deutschland entstanden in den letzten Jahren einige unabhängige Agenturen, die sich auf das Rating von kleinen und mittleren Unternehmen spezialisiert haben. Die führenden internationalen Agenturen, die bisher meist Großunternehmern im Zusammenhang mit Anlageempfehlungen bewerteten, haben erklärt, ihre Bewertungssysteme auf die Besonderheiten des Mittelstandes anpassen zu wollen.
Da die deutschen Ratingagenturen damit noch relativ jung sind, muss sich noch zeigen, ob sich ein Ratingansatz als deutscher Standard am Markt durchsetzen kann.
Ratings für den Mittelstand bieten zum Beispiel:
Euler Hermes Rating GmbH, Hamburg
Bureau Veritas
GDUR Mittelstands-Rating-Agentur AG, Frankfurt a.M.
Creditreform, Neuss
RS Rating Services AG, München
Unternehmens Ratingagentur, München
4.2 Internes Rating:
Rating durch die Hausbank. Der aktuelle Status von Basel II erkennt ausdrücklich auch die internen Ratings von Kreditinstituten an. Voraussetzung ist, dass die Kreditinstitute ihre Bewertungsverfahren von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigen lassen, die Verfahren zudem offen legen und die Ergebnisse vergleichbar machen. Dabei ist es nicht so, dass das bankeninterne Rating jetzt erst "erfunden" wurde. Banken bewerten schon seit Jahren ihre Firmenkunden, um durch diese Früherkennungssysteme Ausfallrisiken zu reduzieren. Diese Systeme basierten jedoch überwiegend auf Informationen des Jahresabschlusses.
4.3 Externes und internes Rating?
Eine faktische Notwendigkeit für ein externes Rating Ihres Unternehmens besteht, wenn Sie direkt den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen wollen. Zudem können Sie mit einem externen Rating Ihre Bonität gegenüber Gesellschaftern, Lieferanten und Kunden dokumentieren (z.B. bei Durchführung eines Benchmarkings, bei der Anbahnung und Abwicklung von Geschäften oder dem direkten Wettbewerbsvergleich).
Kreditinstitute werden jedoch bei Vorlage eines externen Ratings nicht auf die hausinternen Ratings verzichten.
5. Checkliste
Ist Ihr Unternehmen fit für ein Rating? Füllen Sie unseren Fragebogen aus und testen Sie wie gut Ihr Unternehmen auf Rating vorbereitet ist.

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