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PRESSE

Hamburger Unternehmen wollen trotz Krise weiter in Ausbildung investieren

Beunruhigender Rekord: 16 Prozent der Betriebe fanden 2008 keine Azubis

Hamburg, 18. März 2009 – Die gute Nachricht zuerst: Hamburger Unternehmen werden trotz der aktuellen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise weiter kräftig ausbilden. Das ergab eine deutschlandweite Umfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), deren regionale Ergebnisse für Hamburg jetzt vorliegen. Nach dem Ausbildungsrekord im vergangenen Jahr planen 18 Prozent der Hamburger Betriebe, in diesem Jahr zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, 61 Prozent wollen das Angebot im gleichen Umfang erhalten und nur 21 Prozent erwägen einen Abbau von Plätzen. „Wir freuen uns sehr über das Engagement der Unternehmen, das deutlich zeigt, welch hohen Stellenwert die Duale Ausbildung in Hamburg hat”, sagte der Vizepräses der Handelskammer, Dr. Karl-Joachim Dreyer. Bei der Entscheidung, weiter in Ausbildung zu investieren, spielte bei 67 Prozent der Befragten die langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs eine Rolle.

68 Prozent der Betriebe würden sogar noch mehr Ausbildungsplätze anbieten, wenn die Jugendlichen eine bessere schulische Vorbildung mitbrächten. Denn auch das ist Fakt in Hamburg: Den Unternehmen fehlen zunehmend geeignete Ausbildungsbewerber. So konnten 16,6 Prozent der Hamburger Ausbildungsbetriebe im vergangenen Jahr nicht alle ihre Ausbildungsplätze besetzen. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber 2006! Damals galt dies nur für 8,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe, 2007 immerhin schon für 10,8 Prozent. „Die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger macht den Unternehmen immer mehr zu schaffen und ist das Ausbildungshemmnis Nummer 1, noch vor der wirtschaftlichen Situation”, bilanzierte Dreyer. So hätten nur rund 27 Prozent die unsichere wirtschaftliche Perspektive als Ausbildungshemmnis genannt, aber 64 Prozent die mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen.

Diese Entwicklung belegen auch die Angaben über die Gründe für die unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze: Rund 65 Prozent der befragten Firmen, die ihre Plätze 2008 nicht besetzten konnten, begründeten dies mit dem Mangel an geeigneten Bewerbern. Bei 22 Prozent der betroffenen Unternehmen hatte der Azubi seine Lehrstelle gar nicht erst angetreten und rund 5 Prozent hatten gar keine Bewerbungen bekommen. Das größte Problem bei der Besetzung der Lehrstellen sei nach wie vor die Ausbildungsreife der Jugendlichen, sagen 64 Prozent (2008: 52 Prozent) aller befragten Unternehmen. Gerade beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen sehen 61 Prozent der Unternehmen das größte Problem, dicht gefolgt von Schwächen bei elementaren Rechenfertigkeiten (49,7 Prozent), fehlender Disziplin (49,5 Prozent), geringer Leistungsbereitschaft und Motivation (44 Prozent) sowie mangelnder Belastbarkeit (41 Prozent). Über die Hälfte aller Unternehmen findet, dass die Qualität der Bewerber in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen habe.

Angesichts dieser Zahlen warnte Dreyer vor einer zunehmenden Qualitätslücke. „Wenn weiterhin so vielen Jugendlichen das Rüstzeug für eine Berufsausbildung fehlt, wird nicht nur Hamburg bald eine hohe Rechnung bezahlen müssen”, so der Vizepräses der Handelskammer. „Deshalb müssen Schulen und Unternehmen jetzt Hand in Hand arbeiten, um die Kompetenzen der Jugendlichen zu verbessern und sie beruflich zu orientieren ”, forderte Dreyer.