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PRESSE
Qualität geht vor Struktur
Handels-, Handwerkskammer und UVNord legen gemeinsamen Standpunkt Schulpolitik vor
Hamburg, 14. Januar 2009 – Die Handelskammer und die Handwerkskammer Hamburg sowie die Vereinigung Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein haben sich in einem Standpunkte-Papier „Zukunft von Schule in Hamburg” skeptisch hinsichtlich der Einführung einer Primarschule und stattdessen für eine Orientierung an den Empfehlungen der Enquête-Kommission aus dem Jahr 2007 ausgesprochen. Diese sehen ein zweigliedriges Schulsystem aus Stadtteilschule und Gymnasium ab Klasse 5 vor.
Die Empfehlungen beschrieben einen von den meisten Parteien und Experten breit abgesicherten Handlungsspielraum für eine über die Grenzen von Legislaturperioden hinaus gültige Schulpolitik, sagte Präses Frank Horch bei der Vorstellung des Papiers in der Handelskammer. Als zentrales Problem sieht Horch in Anbetracht zahlreicher noch offener Reformbaustellen die Absicht des Senats, die Primarschule schon zum Sommer 2010 einzuführen. „Wir regen daher dringend an, über eine zeitliche Entzerrung bei Konzeption und Umsetzung der Strukturreform nachzudenken”, so Horch. Das eigentliche Ziel müsse gemäß dem Leitmotiv „Qualität geht vor Struktur” die Verbesserung der Qualität des Unterrichts im Klassenzimmer sein. Hierzu schlug er Schulinspektionen alle 2 statt alle 4 Jahre vor sowie ein internes Qualitätsmanagement an jeder Schule. Den alleinigen Segen der Primarschule für Kinder mit Migrationshintergrund kann der Handelskammer-Präses nicht erkennen: Für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund sei vielmehr entscheidend, dass diese Kinder vor ihrer Einschulung die deutsche Sprache erlernt hätten und es zweitens während der Schulzeit eine Hausaufgabenbetreuung für alle Kinder im Rahmen eines echten Ganztagsschulangebots gäbe.
Es komme auf den Kern der Strukturreform an, wie sie von der Enquete-Kommission 2007 empfohlen worden sei. Die Stadtteilschule könne den Bildungserfolg und die Anschluss-Chancen vieler Jugendlicher verbessern, sagte Peter Becker, Präsident der Handwerkskammer Hamburg. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass bei der Einführung der Stadtteilschule auf ihre Gleichwertigkeit gegenüber dem Gymnasium geachtet wird”, so Becker. Dazu sei es insbesondere notwendig, als spezielle Kompetenz der Stadtteilschule die Arbeits- und Berufswelt in ihrem Profil zu verankern, damit der Übergang in Ausbildung verbessert werde. „Mehr Schulqualität können wir von der Stadtteilschule aber erst dann erwarten, wenn wir eine echte Individualisierung des Unterrichts bekommen. Wir brauchen eine wirkliche Binnendifferenzierung, damit alle erreichbaren Schulabschlüsse, also Haupt-, Realschulabschluss und Abitur, auch inhaltlich das wert sind, wofür sie stehen”, sagte Becker, der außerdem eine leistungsfähige Ausstattung der Gesamtschulen forderte. Darüber hinaus schlug Becker vor, alle Stakeholder, vor allem die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Wirtschaft, in die Umsetzung der Schulreform einzubeziehen.
Prof. Dr. Hans H. Driftmann, Präsident der Unternehmensverbände Nord: „Die Hamburger Wirtschaft stellt sich seit langem der gesellschaftspolitischen Gesamtverantwortung für die heranwachsende Generation. Die Wirtschaft steht zu ihrer Verantwortung, für die berufliche Bildung Sorge zu tragen und die dafür notwendigen Grundbedingungen im Schulwesen mitzugestalten. Ein Schwerpunkt der anstehenden Schulstrukturreform ist die Berufsorientierung und das Übergangsmanagement. Unsere Schüler benötigen frühzeitig anschauliche Berufsorientierung und weitere Unterstützung, um ihren Lebens- und Berufsweg eigenverantwortlich gestalten zu können. Für die Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten steht die Hamburger Wirtschaft bereit."Driftmann betonte die Notwendigkeit der Fortentwicklung des Ansatzes „Selbstverantwortete Schule”: „Schon heute profitiert Schule in Hamburg von den Möglichkeiten der eigenständigen Entscheidung und Selbstverwaltung. Dies gilt es zukünftig mit zeitgemäßer Qualifizierung der schulischen Führungskräfte und besonderen finanziellen Anreizsystemen für die Schulen konsequent weiterzuentwickeln."








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