
Morgens über eine kurze Treppe auf die 120 Quadratmeter große Dachterrasse steigen und die Aussicht über die Speicherstadt und den Hafen genießen: So kann der Tag für die ersten Bewohner der HafenCity beginnen, die im Februar in das neue Wohnquartier „Am Sandtorkai“ gezogen sind. Hier wird die Wohnqualität erfahrbar, die Hamburgs neuer Stadtteil bieten wird: Ein spektakulärer Ausblick auf den Hafen und die Stadt bei unmittelbarer Nähe zum geschäftigen Treiben der City.
„Mit der HafenCity wird Hamburgs Innenstadt um gut ein Drittel erweitert. Das Quartier Am Sandtorkai zeigt erstmalig auf, was in den letzten Jahren sorgsam geplant worden ist“, sagt Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH. „Ich glaube, es ist hier gut gelungen, die Anforderung des Städtebaus nach einer homogenen Struktur und den Anforderungen der Bauherren nach Einzigartigkeit und Widererkennbarkeit zu verbinden.“
Das Quartier demonstriere auch, wie die Mischung von Wohnen und Arbeiten – Voraussetzung für ein lebendiges, urbanes Viertel – attraktiv organisiert werden kann. Von den acht Gebäuden am Sandtorkai sind lediglich drei für eine rein gewerbliche Nutzung vorgesehen. Die übrigen fünf sind gemischt genutzte Gebäude, in denen zumeist in den Untergeschossen Büros und in den oberen Geschossen Wohnungen vorgesehen sind. So gibt es von vornherein zwei Nutzergruppen, die das Quartier über alle Tageszeiten verteilt mit Leben füllen.
Nicht selten sind sie aber auch in Personalunion vertreten. Denn was liegt näher, als im gleichen maritimen Ambiente zu arbeiten, in dem man auch wohnt? Den herausragenden Wert des Unternehmensstandortes HafenCity haben jedenfalls eine Reihe Hamburger und Neuhamburger Unternehmen erkannt. So haben die Drees & Sommer Gruppe und das Bankhaus Wölbern ihre Büros am Sandtorkai vor wenigen Wochen bezogen. Die chinesische Großreederei China Shipping residiert hier mit ihrer Europazentrale.
Auch die ersten öffentlichen Plätze der HafenCity füllen sich schon mit Leben, vor allem die jüngst eingeweihten Magellan-Terassen am Sandtorhafen. Hier gelang es dem Büro EMBT aus Barcelona, die besondere Wasserlage wirkungsvoll in Szene zu setzen – wegen des starken Tidenhubs im Hamburger Hafen keine leichte Aufgabe. Dass dies trotzdem gelungen ist, zeigt die bereits intensive Nutzung des terrassenartigen Platzes. Und mit dem Chilli-Club hat hier bereits das erste Restaurant geöffnet. Richtig spannend wird es dann, wenn die Exponate des neuen, von der Hamburg Maritim getragenen Traditionsschiffhafens in der HafenCity festmachen, darunter der Lotsenschoner Elbe 5 und die Senatsbarkasse Schaarhörn.
Parallel wird weiter intensiv an der HafenCity gebaut. Dass die neuen Bewohner und Unternehmen dabei nur wenig gestört werden, liegt an dem innovativen Entwicklungskonzept der HafenCity. Der Masterplan ist so ausgelegt, dass jeweils in sich geschlossene Quartiere in einer Bauphase zeitgleich entwickelt werden. Dies ist bei der Größe des Projekts und der daraus zwangsläufig resultierenden Langfristigkeit auch notwendig, wenn nicht die ersten Bewohner von Hamburgs Innovationsquartier 20 Jahre auf einer Baustelle leben sollen. Ganz ohne den Anblick von Baukränen geht es aber dabei freilich nicht – was kein Nachteil sein muss. Einer Stadt vom Balkon aus beim Wachsen zuzusehen, hat einen ganz eigenen Reiz.
Als nächstes wird das Quartier „Am Dalmannkai“ entwickelt. Nachdem alle Baufelder an Investoren übergeben worden sind, sind hier seit Januar die ersten Gebäude in Arbeit. So errichtet die Baugenossenschaft Bergedorf Bille auf der Südseite des Dalmannkais direkt am Grasbrookhafen 42 Mietwohnungen nach einem Entwurf des Hamburger Architekturbüros von Professor Friedrich. Schrittweise folgen nun die weiteren Investorenkonsortien wie Drees & Sommer, Wernst Immobilien und die Viterra AG, die sich Baufelder sichern konnten. Hier wird auch das erste Wohnprojekt mit einem Interieurdesign des französischen Designers Philippe Stark realisiert; Bauherr ist das traditionsreiche Hamburger Bauunternehmen Aug. Prien mit Yoo Deutschland und der Vivacon AG.
Aber nicht nur auf das neue Dalmannquartier darf man gespannt sein. Bereits seit zwei Jahren steht am Grasbrookhafen die SAP-Geschäftsstelle, die noch wie ein einsamer Vorbote einer fernen Zukunft wirkt. Lange wird dies aber nicht so bleiben: Die Deutschlandzentrale des Logistikkonzerns Kühne und Nagel ist bereits im Werden. „Hier zeigt sich, dass die HafenCity ihre Attraktivität für Unternehmen, die einen repräsentativen Firmensitz wünschen, bereits voll entfaltet“, freut sich HafenCity-Chef Bruns-Berentelg. Mit dem Hamburger Industrieunternehmen Jungheinrich und der Neumann Gruppe, einem der weltweit führenden Kaffeehändler, stehen die ersten Nutzer des benachbarten Quartiers am Sandtorpark bereits fest.
Vor wenigen Wochen endete außerdem das seit dem Jahr 2003 laufende internationale Investoren-Auswahlverfahren für das zentrale Überseequartier am Magdeburger Hafen. Durchsetzen konnte sich hier ein niederländisch-deutsches Konsortium aus ING Real Estate, Bouwfonds Property Finance und Groß & Partner. Baubeginn für das etwa acht Hektar große Areal soll Mitte 2007 sein. In diesem Quartier wird dann auch der Einzelhandel in der HafenCity Einzug halten. Um den neuen Stadtteil weiter mit Leben zu füllen, muss er dann auch zu einem Teil der Hamburger City werden. Ein erster wichtiger Schritt ist mit der Entscheidung des Bau der neuen U4 in die HafenCity bereits getan. Sie wird voraussichtlich ab 2011 den Jungfernstieg in drei Minuten Fahrzeit mit der HafenCity verbinden. Wichtig wird zudem die direkte Verknüpfung der Stadträume von „alter“ und HafenCity sein. Denn die Entfernung zu Fuß zwischen beiden Stadtteilen beträgt ebenfalls nur wenige Minuten.
Damit beide Quartiere zu einem sich gegenseitig stärkenden Ganzen werden, muss vor allem die zentrale Achse vom Jungfernstieg über den Domplatz durch die Speicherstadt bis hin zum Überseequartier mit dem neuen Kreuzfahrtterminal entwickelt werden. Auch für das dazwischenliegende Kontorhausviertel gilt es, einen Entwicklungsschub einzuleiten, wofür unsere Handelskammer zurzeit einen Konzeptvorschlag erarbeitet.
Auch wenn noch viel Arbeit vor den Entwicklern der HafenCity liegt, so ist doch bereits heute klar, dass sie Hamburg in die Liga der „Hot Spots“ der internationalen Immobilienstandorte katapultiert. Und dass auch die Hamburger und ihre Gäste sich von der Idee der HafenCity begeistern lassen, zeigen die 500000 Besucher, die am 1. August 2005 beim „Queen Mary 2 Day“ in unseren neuen Stadtteil geströmt sind.