Handelskammer Hamburg 2005

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Im Gespräch: Risikomanagement

Geschäftschancen wahren, Risiken vermeiden

Für die Kreditvergabe müssen kleine und mittlere Unternehmen inzwischen auch ein umfassendes Risikomanagement nachweisen. Dafür müssen sie umfangreiche Daten und Fakten zusammentragen – ein hoher Aufwand, der aber auch wichtige Entscheidungsgrundlagen für die Unternehmensführung erbringen kann. Über die Anforderungen an das Risikomanagement sprach die hamburger wirtschaft mit Rainer Inzelmann, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schomerus.

hamburger wirtschaft: Wodurch zeichnet sich ein gutes Risikomanagement aus?

Rainer Inzelmann: Ein gutes Risikomanagement sollte vor allem praktikabel und der Unternehmensgröße angemessen sein. Durch das Risikomanagement werden die wesentlichen Unternehmensrisiken erfasst und geeignete Maßnahmen zu Verringerung oder Vermeidung von Risiken entwickelt. Wichtig ist, dass auch die bestehenden Geschäftschancen in das System einbezogen werden, denn erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich nicht nur durch Risikovermeidung, sondern vor allem durch eine erfolgsorientierte Wahrnehmung von Chancen aus. Häufig werden im Rahmen des Risikomanagements auch Möglichkeiten zur Kosteneinsparung erkannt.

hw: Sprechen wir also besser vom Risiko-Chancenmanagement. Warum ist es auch für kleine und mittlere Unternehmen heute so bedeutend?

Inzelmann: Der Wettbewerb ist in vielen Branchen härter geworden. Viele Unternehmen müssen sich neuen Herausforderungen zum Beispiel durch ausländische Konkurrenz oder technische Entwicklungen stellen. Die Existenz eines Unternehmens kann heute unter anderem durch Forderungsausfälle, Kundenverluste, Währungsrisiken oder ungelöste Nachfolgeprobleme gefährdet werden. Das sehen auch die Banken und deshalb berücksichtigen sie diese Unternehmensrisiken stärker bei der Kreditvergabe. Nicht nur zur eigenen Existenzsicherung, sondern auch für die Sicherung möglichst günstiger Bankkredite ist ein passendes Risikomanagement wichtig. Nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ sollten die Unternehmen ihre Banken daher offensiv von der Qualität ihres Risikomanagements überzeugen. Gut vorbereitete Ratinggespräche sind als Beschaffungsmarketing zu verstehen.

hw: Was sind die typischen Risiken im Unternehmen und wie können sie identifiziert werden?

Inzelmann: Die wichtigsten Risiken und Chancen ergeben sich aus der jeweiligen Branchen, der Wettbewerbssituation, Gesetzesänderungen, dem Liquiditätsbedarf, der Abhängigkeit von Lieferanten und Kunden und aus Währungsentwicklungen. Sie sollten mit Hilfe von Checklisten identifiziert und vor allem schriftlich dokumentiert werden.

hw: Welche Bereiche und welche Personen im Unternehmen müssen einbezogen werden?

Inzelmann: Ein effizientes Risikomanagement umfasst das gesamte Unternehmen mit allen wichtigen Bereichen. Je nach Unternehmensgröße sollten die leitenden Mitarbeiter einbezogen werden. Gerade in mittelständischen Unternehmen besteht häufig ein Kapazitätsproblem, weil das Risiko-Chancenmanagement hier Chefsache ist und keine Stabsabteilungen bestehen. Hier kann es sich anbieten, die Einführung und jährliche Überprüfung des Risikomanagements durch einen Berater begleiten zu lassen.

hw: Welche Rolle spielen die Unternehmensziele und die Erfolgsfaktoren?

Inzelmann: Bei der Einführung eines Risiko-Chancenmanagements müssen sich die Unternehmen auch mit Fragen nach ihrer Strategie, ihren Stärken und Schwächen und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten beschäftigen. Es sind dann zwar nicht alle daraus gewonnenen Erkenntnisse für das Unternehmen neu, aber häufig fehlt es an der Konsequenz, daraus die richtigen Maßnahmen zu treffen. In größeren Unternehmen kommt vielfach ein Kommunikationsproblem hinzu. Im Rahmen des Risiko-Chancenmanagements sollte die Gelegenheit genutzt werden, klare Maßnahmen zur Wahrung von Geschäftschancen und zur Vermeidung von Risiken umzusetzen. Hier sind Projektpläne mit klaren personellen Zuständigkeiten und zeitlichen Zielvorstellungen hilfreich, um die getroffenen Entscheidungen auch tatsächlich durchzuführen.

Walter Dening
walter.dening@hk24.de
Telefon 36 13 8 422
hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2005