
Wer in Hamburg Raum für Wachstum sucht, kann an den überraschendsten Stellen fündig werden. So sind Flächen für hochwertigen Wohnungsbau in zentralen Lagen eigentlich bereits echte Mangelware. Mit der Überdeckelung der Autobahn A7 zwischen der Anschlussstelle Othmarschen und dem Altonaer Volkspark könnten aber bis zu 40 Hektar neue Wohnungsbauflächen in den gefragtesten Lagen unserer Stadt geschaffen werden. Zugleich könnten vier Hektar neue, hervorragend erschlossene Gewerbeflächen entstehen. Und: Endlich wäre die Wunde geheilt, die mit dem Bau der Autobahn zu Beginn der 1970er Jahre in das Stadtgefüge des Hamburger Westens gerissen worden ist. Seitdem sind hier weite Teile der eigentlich hochattraktiven Wohnviertel starkem Verkehrslärm ausgesetzt. Mit dem Bau des Deckels könnte also ein erheblicher Impuls für die Stadtentwicklung gesetzt werden. Bisher scheiterte die Realisierung an den Kosten. Nun könnte die Überdeckelung aber zu einem Vorzeigeobjekt der Wachsenden Stadt werden: In zwei neuen, belastbaren Gutachten wurden die Baukosten und die möglichen Erlöse des Deckels nun noch einmal sehr sorgfältig ermittelt.
Die seit langem bekannte Grundüberlegung: Die Maßnahme wird finanziert, indem Kleingärten, Sport- und Parkanlagen auf den Deckel verlegt und die dadurch freigewordenen Flächen verkauft werden. Das Ergebnis: Den Baukosten von etwa 270 Millionen Euro stünden mögliche Erlöse durch die Grundstücksverkäufe von 140 Millionen Euro ge-genüber. Weitere 90 Millionen Euro hat der Bund in Aussicht gestellt. Dieses Geld steht für Lärmschutzmaßnahmen zur Verfügung, die durch den Ausbau der A7 auf acht Spuren notwendig werden. Hamburg müsste also nur etwa 30 Millionen Euro dazugeben und das Projekt wäre finanziert. Voraussetzung dafür, dass der Deckel gebaut werden kann ist allerdings, dass heute bestehende Kleingartenanlagen von den städtischen Flächen in der Nähe der Autobahn auf den Deckel verlagert werden. Da viele Gärten wegen des Verkehrslärms kaum noch Erholungswert haben, würden auch die Kleingärtner vom A7-Deckel profitieren. Einige von ihnen haben auch bereits ihre Umzugsbereitschaft signalisiert. Gleichzeitig hat aber eine Reihe von Kleingärtnern eine Bürgerinitiative gegründet, die eine Verlagerung "ihrer" Flächen - die Eigentum aller Hamburger sind - schlichtweg ablehnt.
Daher sind nun die Abgeordneten der Bürgerschaft und der Bezirksversammlung Altona gefordert. Hamburg braucht dringend attraktive Flächen für den Eigenheimbau, wenn es gut ausgebildete und leistungsbereite Menschen anziehen will - ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen, die auf hochqualifizierte Mitarbeiter angewiesen sind. Die Chance, derart attraktive Flächen zu erschließen, gibt es in Hamburg an keiner zweiten Stelle und - wegen der Aussicht auf Bundesmittel - so günstig auch kein zweites Mal. Hinzu kommt, dass die durch das Gutachten veranschlagten Baukosten über eine Ausschreibung noch erheblich gemindert werden können. Zusätzlich zum Deckelbau würden Wohnungsbauprojekte mit einem Bauvolumen in Höhe von mindestens 250 Millionen Euro angestoßen - ein gigantisches Konjunkturprogramm für Hamburgs Baubranche. Hinzu kommt, dass gegebenenfalls weitere Flächen, die von den Planern bisher noch nicht in Betracht gezogen worden sind, für den Wohnungsbau erschlossen werden könnten und so die Erlösseite weiter stärken könnten. Dieses gilt vor allem für die heute als Schießplatz der Polizei genutzten Flächen am Volkspark.
Die neuen Flächen wären auch ein wichtiges Gegengewicht zur Abwanderung von jährlich rund 8000 Hamburgern ins Umland. Würde der Finanzsenator das zusätzliche Steueraufkommen der Bürger der neuen Wohnquartiere mit in seine Rechnung einfließen lassen, müsste er sofort zum glühenden Verfechter des Deckels werden, der sich bereits nach wenigen Jahren zu einer sprudelnden Einnahmequelle für die Stadt wandeln würde. Der A7-Deckel hätte sowohl für die von den Planungen betroffenen Bürger als auch für Zuziehende nur Vorteile - das macht ihn zum idealen Vorzeigeprojekt der Wachsenden Stadt.