
Hilfe, es ist ein Schmidt!“ ruft Norbert Aust auf die Frage nach dem Motto der Eröffnungs-Gala des neuen Schmidt Theaters. „Ach nein“, fällt er sich lachend ins Wort und verbessert: „Glückwunsch, es ist ein Schmidt!“
Am 8. August, auf den Tag genau 17 Jahre, nach der ersten Premiere werden hier die Vorhänge wieder hochgezogen. Modern, aber immer noch schräg, schön und schillernd soll es sein, das neue Schmidt. Ein modernes Volkstheater mit Unterhaltung für Kopf, Herz und Bauch. Nicht nur die Geschäftsführer Norbert Aust und Corny Littmann haben lange auf diesen Tag gewartet. Denn mit dem Neubau wird die Privattheaterszene in Hamburg um ein wichtiges Angebot bereichert. Die 30 Häuser mit mehr als 15000 Plätzen bedienen alle Sparten, vom anspruchsvollen Sprechtheater über Komödie und politisches Kabarett bis hin zum Musical. Mit rund 7 800 Veranstaltungen erreichen sie jedes Jahr über drei Millionen Menschen – mehr als die Privattheater in jedem anderen Bundesland. Die Kulturbehörde unterstützt pro Jahr zehn private Theater mit einer institutionellen Förderung von insgesamt 5,5 Millionen Euro und vergibt darüber hinaus rund 300000 Euro für projektbezogene Förderung. Das Schmidt Theater gehörte bislang nicht zu den geförderten Häusern. Für das neue Theater am Spielbudenplatz wurde nun eigens ein neues Fördermodell entwickelt: Der Innenausbau wird mit 350000 Euro bezuschusst.
Das neue Gebäude beherbergt außer dem Theater auch Büroräume
und Gastronomie, darunter das Restaurant „Dips ‘n Stix“,
das europäisches und fernöstliches Fingerfood serviert. Das
Theater selbst wird mit 400 Plätzen fast doppelt so groß sein
wie vorher. Doch die gewohnte intime Atmosphäre und gute Sicht von
allen Plätzen aus sollen erhalten bleiben. Und mit der „Hausbar“
samt Tresenshow kehrt ein beliebter Klassiker auf die Reeperbahn zurück.
Entworfen wurde das Gebäude vom Architektenbüro Hohaus, Hinz
und Seifert. Den Innenausbau von der Technik bis hin zu den Küchengeräten
führt das Schmidt-Team in Eigenregie durch. 1,2 Millionen Euro muss
das Theater dafür noch aus eigener Kraft aufbringen. Ein Teil der
Summe soll über die Sesselpaten-Aktion „Sitzen Sie ein Zeichen!“
erbracht werden. Bei dieser Aktion können Freunde des Hauses sich
ihren Anteil am neuen Schmidt sichern. Ein „Paten-Sessel“
kostet 888 Euro, inklusive eigenem Namensschild der Einladung zur „Erstbesitzung“
bei der Eröffnung sowie einem Kartenvorkaufsrecht für alle Premieren.
Mit dem Schmidt kehrt auch eine Institution an den Kiez zurück, deren Gründung den Startschuss für eine Wandlung des Stadtteils St. Pauli gegeben hat. Im Umfeld des Theaters hat sich vieles entwickelt; im benachbarten Schmidts Tivoli schlägt das Herz St. Paulis. Das bunte gastronomische Programm vom „Schatto Pauli“ über das samtige „Glanz & Gloria“ bis zum legendären „Angie’s Nightclub“, hat dazu beigetragen, die Reeperbahn für neue Publikumsgruppen zu erschließen. In dem Gründerzeitbau begeistern seit 1991 Revuen und Musiktheater wie „Im weißen Rössl“, „Sixty Sixty“ und das von Littmann inszenierte „Cabaret“ ihr Publikum. Die Tivoli-Original-Produktion „Heiße Ecke“ hat es bis heute auf über 200000 Zuschauer gebracht und wird noch das ganze Jahr über zu sehen sein.
Aber auch durch andere Aktivitäten fördern Aust und Littmann das neue Image des Stadtteils. Etwa durch die Muscial-Schule „Hamburg School of Entertainment“. Hier lernten die zukünftigen Entertainer nicht nur Technik und handwerkliches Können, sagt Norbert Aust: „Sie bekommen auch Auftrittsmöglichkeiten, denn erst die Bühnenerfahrung macht einen gut ausgebildeten Darsteller zum Profi.“ Damit sichern die Schmidt-Macher nicht nur den Nachwuchs für ihr eigenes Theater, sondern für die ganze bunte Hamburger Show-Szene.