Handelskammer Hamburg 2005

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Hamburg Animation Award

Alles Trick, oder was?

Zum dritten Mal wird in diesem Jahr der Hamburg Animation Award an internationale Nachwuchstalente aus dem Trickfilmbereich verliehen. Die Absolventen der animation-school-hamburg haben gute Chancen, einen der renommierten Preise zu gewinnen.

An der animation-school-hamburg (ash) herrscht Hochstimmung: Vor wenigen Tagen haben die Trickfilmstudenten ihre Abschlussfilme fertig gestellt und damit ihre Ausbildung zum Animationsdesigner erfolgreich beendet. Hinter den 16 Nachwuchszeichnern liegt eine arbeitsintensive Zeit. In nur 14 Monaten wurden sie praxisnah auf ihren Einstieg ins Arbeitsleben vorbereitet.

Am 3. November könnte sich die Stimmung noch steigern. Dann wird der internationale Trickfilmpreis „Hamburg Animation Award“ verliehen. Seit 2003 unterstreicht die Verleihung dieser Auszeichnung Hamburgs Renommee als Trickfilmhauptstadt Deutschlands. Absolventen von Akademien und Hochschulen präsentieren hier ihre Abschlussarbeiten, die eine hochrangig besetzte Jury in den Kriterien „Style“ und „Story“ bewertet.

Zunächst als interner Wettbewerb der ash gestartet, wuchs die Preisverleihung im vergangenen Jahr weit über die Hamburger Landesgrenze hinaus. Erstmals konnten sich bundesweit Teilnehmer bewerben. Darüber hinaus wurde ein wechselnder Länderpreis eingeführt: 2004 für Beiträge aus Dänemark, in diesem Jahr konkurrieren Beiträge aus der Türkei.

In den Kreisen junger Trickfilmkünstler hat sich der Award als Karrieresprungbrett bereits fest etabliert: „Durch eine Prämierung macht man sich in der Branche einen Namen und es ergeben sich wertvolle Kontakte für den Einstieg ins Berufsleben“ sagt Susanne Seidel, Absolventin der Film-Hochschule Potsdam-Babelsberg und Gewinnerin des 1. Preises im Jahr 2004.

Ins Leben gerufen wurde der Animation Award von unserer Handelskammer, dem Bildungswerk Medien und der ash, um junge Trickfilm-Talente zu fördern. Noch bis in die 90er Jahre hinein war qualifizierter und praxiserfahrener Nachwuchs in Deutschland Mangelware. Hamburger Animationsstudios wie die Trickcompany Filmproduktion (TFC) und das Animationsstudio Ludewig mussten einen Großteil der Fachkräfte aus dem Ausland holen und heimische Nachwuchszeichner über Praktika rekrutieren. Um diese Ausbildungslücke zu schließen, wurde die ash 1998 in Kooperation mit der Stiftung berufliche Bildung und dem Bildungswerk Medien als erste Trickfilmschule Deutschlands gegründet. Die Bilanz ist nach fünf Ausbildungsjahrgängen positiv: „Bislang hat jeder Absolvent nach dem Abschluss eine Beschäftigung gefunden, davon rund 50 Prozent direkt in der Trickfilmbranche“, sagt Projektleiter Manfred Behn. Animationsfirmen wüssten die Ausbildung zu schätzen: „Wir engagieren gern Absolventen der Animation School, denn sie bringen bereits viel Praxiserfahrung mit in den Job“, so Jan Brandt, Herstellungsleiter bei TFC.

Während der ersten sieben Monate lernen die Trickfilmschüler zunächst die zeichnerischen Grundlagen, Arbeitsabläufe und computergestützte Techniken für die Produktion von zweidimensionalen Trickfilmen. Einblick in den Produktionsalltag bekommen die Studenten in einem vierwöchigen Praktikum in Hamburger Animationsstudios. Für die in den folgenden sieben Monaten in Eigenregie produzierten vierminütigen Abschlussfilme müssen die Studenten rund 1200 Bilder auf Papier zeichnen, Probeskizzen nicht eingerechnet.

Je nach Fähigkeiten und Interessen spezialisieren sich die Teammitglieder auf verschiedene Bereiche der Trickfilmproduktion, wie Character Design, Layout, Compositing oder Coloration. Bei der Arbeit an ihren Kurzfilmen lernen die Trickfilmschüler nicht nur handwerkliche und technische Hürden zu überwinden. Die größte Herausforderung ist die reibungslose Zusammenarbeit im Team. „Jeder von uns hat individuelle Vorstellungen von der zeichnerischen Gestaltung der Filmstory“, meint lllustrationsdesigner Wolfram Späth. „Sich in der Gruppe auf einen einheitlichen Stil zu einigen und den auch konsequent umzusetzen, ist ein konfliktreicher Prozess. Die Fähigkeit zur gegenseitigen Kritik ist dabei essenziell“. Der 25-jährige Späth hat mit vier Kommilitonen einen Trickfilm über einen originellen Erfinder produziert.

Ihr Handwerk lernen die angehenden Animationsprofis von renommierten Experten aus der Branche. Einer von ihnen ist der Character Designer Harald Siepermann, der schon für Disney-Filme wie „Roger Rabbit“, „Mulan“ und „Bärenbrüder“ arbeitete. „Als Trickfilmdesigner braucht man vor allem Neugier, Beobachtungsgabe und Interesse an den Mitmenschen“, sagt Siepermann. „Nur wenn der Zeichner das Publikum mit seinen Bildern anspricht, kann ein Trickfilm letztendlich Erfolg haben.“ Beim Animation Award waren die Hamburger Absolventen bislang äußerst erfolgreich. Im Jahr 2004 waren 22 Beiträge aus ganz Deutschland und Dänemark eingereicht worden. Allein drei ash-Beiträge wurden nominiert und der Hamburger Film „Snowbody“ gewann sogar den zweiten Preis. Er wurde inzwischen von einem schwedischen Fernsehsender gekauft und erhielt weitere Auszeichnungen in Korea und Portugal.

Auch bei der Verleihung des dritten Animation Awards am 3. November stehen die Chancen der Hamburger nicht schlecht. Mit im Rennen um die hochdotierten Hauptpreise, den NDR-Sonderpreis zum Thema „Gegen Gewalt im Fernsehen“ und den Zuschauerpreis sind fünf vielversprechende Beiträge der ash.

Cornelia Timm
cornelia.timm@hk24.de
Telefon 36 13 8 432

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hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2005