
Entscheidend ist das Gesamtbild. Wie wir in den ersten Sekunden auf einen Menschen wirken.“ Dass es große Unterschiede gibt, weiß Imageberaterin Irena Lohn, und erzählt von einer Hamburger Abteilungsleiterin, die von ihren Mitarbeiterin nicht ernstgenommen wurde. Ihr Chef schickte sie schließlich zu ihr in die Beratung. Für Irena Lohn ein klarer Fall: „Die sehr legere Kleidung harmonierte nicht mit den Führungsqualitäten, die von der Frau erwartet wurden.“
Seit fünf Jahren arbeitet Irena Lohn als Imageberaterin und Personal Shopperin – Begleiterin beim Einkaufsbummel. Sie ist Expertin für Farben und Stile, sie weiß, was geht und was eben nicht. Deshalb suchen Hamburger Geschäftsfrauen und -männer ihren Rat Sie wollen im Beruf das richtige Outfit tragen, eine gute Figur abgeben oder, wie Irena Lohn sagt, „ihr Potenzial sichtbar machen.“ Die Pädagogin, die ihre Erfahrungen in Unternehmensberatungen, Modeboutiquen und Modelagenturen sammelte, weiß: „Kompetenz ist nicht mehr das einzige Kriterium für Erfolg.“
Doch wenn es um die passende Garderobe und das Styling geht, fühlen sich viele einfach überfordert und unsicher: „Sie investieren viel Zeit in ihren Beruf, aber eben nicht in Mode- und Stilfragen.“ Irena Lohns Beratung läuft nach Plan. Erst wird die Garderobe auf ihre Tauglichkeit für die verschiedenen Anlässe im Berufsalltag hin inspiziert. Dafür wirft sie auch einmal einen Blick in den Kleiderschrank. Dann wartet ein Einkaufsbummel mit Friseurbesuch auf den Ratsuchenden. Brillenträger bekommen meist auch ein neues Gestell verpasst. Für Frauen gibt Lohn zudem Tipps fürs Business-Make-Up. „Der Erfolg liegt im Detail“, sagt sie. Denn es sind oft Kleinigkeiten, die einen guten Auftritt ausmachen. Wer die Karriereleiter erklimmt, sollte auch darauf achten, ein passendes Schreibgerät dabei zu haben. Ein schöner Füllfederhalter oder ein Qualitätskugelschreiber zeugen von Stil, ein Werbekuli wirkt unbeholfen. Die Visitenkarte des Know-how zeigt sich auch in geordneten Unterlagen, weiß Irena Lohn. Sie erzählt von Berufseinsteigern, die in Unternehmen anecken, weil sie sich nicht von ihrem Studenten-Image lösen können oder Frauen, die fachlich „1a“ sind, aber wegen ihrer provokanten Kleidung nicht ernstgenommen werden. Dann ist sie zur Stelle, wählt Schnitte und Farben für Anzüge und Kostüme aus, berät bei der Frisur und beim Make-Up, bis auch die Chefetage mit dem Mitarbeiter zufrieden ist. Denn jede Firma hat eine Kleiderordnung und ein Mitarbeiter sollte das Gefühl haben, dazu zu gehören. So setzt eine Bank eher auf eine klassische Garderobe als eine Werbeagentur: „Je kreativer das Berufsfeld, desto mehr Möglichkeiten hat der einzelne, sich zu kleiden.“
Die Menschen, die zu Heinrich Franck in das Geschäft Ladage & Oelke kommen, möchten keine grundlegende Stilberatung, sie haben meist schon sehr klare Vorstellungen von ihrer Garderobe. Und gerade Männer vertrauen Jahrzehnte lang auf dieselben Farben und Schnitte, während Frauen in diesem Bereich mehr Kreativität zeigen. „Oft werden die klassischen Farben grau oder blau verlangt. Da lohnt es sich, gerade bei Krawatten und Hemden auch einmal auf Frische zu setzen, etwas zu wagen“, sagt der Chef von Ladage & Oelke. Viele seiner Kunden kommen seit Jahrzehnten in den Neuen Wall. Aber auch Neueinsteiger suchen die Kompetenz der Schneidermeister, die im Verkauf des Traditionsunternehmens beschäftigt sind. Sie beurteilen, messen aus und stecken ab. Franck: „Sie wissen einfach, wie ein Anzug im Berufsleben zu sitzen hat. Nämlich auf den Körper geschnitten.“
So beobachtet Imageberaterin Irena Lohn bei vielen Männern eine gewisse Sparsamkeit beim Anzugkauf. „Oftmals hängen veraltete Schnitte, vorzugsweise aus den 80er Jahren im Schrank oder es wird Polyester getragen. Dabei ist es sinnvoller in einen edleren Stoff zu investieren“, meint sie.
Andreas Stehr, Filialgeschäftsführer von Wormland, stellt bei Männern fest, dass sie sich bei der Wahl des Anzugs häufig an ihren Kollegen orientieren. „Sie besitzen eine gewisse Vorbildfunktion und wenn der Kollege oder sogar der Chef einen bestimmten Anzugstil trägt, dann wagt man auch mal den Schritt vom Dreiknopf- aufs Zweiknopf-Jackett oder kauft den Samtstreifenanzug.“ Es gibt aber auch Kunden, die genau das Business-Outfit aus dem Schaufenster von Wormland, Staben, Braun oder anderen Herrenausstattern wünschen: „Die gehen natürlich auf Nummer sicher.“
Stilberaterin Regina Maass rät ihren Kunden auf guten Schuhen durchs Berufsleben zu gehen. „Ein nicht zu unterschätzendes Accessoire.“ In der Beratung unterscheidet die ehemalige Key Account-Managerin, die zuletzt vier Monate lang die Mitarbeiter einer großen Bank beraten hat, zwischen Freizeit und Business-Schuh. Abgelaufene Gummisohlen sind für Führungskräfte ebenso tabu wie Birkenstock, Turnschuhe oder sogar ungeputzte Schuhe. Auch sollten Gürtel und Schuh – das gilt auch für Frauen – immer aufeinander abgestimmt sein. Und: der flache Schuh wirkt seriöser als der High-Heel.
Für die verunsicherte Abteilungsleiterin entwickelte Irena Lohn ein neues Kleidungskonzept. Basics wie Anzüge und Kostüme, legten den Grundstein für die Garderobe, die nun „einfach stimmiger“ war und der Kundin mehr Selbstsicherheit gab. Für Irena Lohn bedeutete die Analyse und Beratung nur wenige Stunden Arbeit, für die Managerin vielleicht den Erhalt ihres Arbeitsplatzes.