Handelskammer Hamburg 2005

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R. Paulsen Werkstätten für Zunft- und Berufskleidung GmbH

Original Veddel

Das Produkt
"Jeans können Sie vergessen. Wenn damit etwas ist, geht's gleich ans Fell", winkt Kirsten Schröder von der R. Paulsen GmbH ab. Bei der "Original Veddel" verhalte es sich anders herum: "Die lässt viel Stoff, bevor es ans Fell geht", sagt die Assistentin des Inhabers Carsten Paulsen und streicht über einen Ballen aus schwarzem Pilotenstoff.

Aus dem robusten Baumwollgewebe wird die Kult-Hose seit den 70er Jahren genäht. Den Stoff lässt das Familienunternehmen in Süddeutschland anfertigen. Ursprünglich wurde er nur für die Arbeitskleidung von Zimmerleuten verwendet. Zu den Markenzeichen der Veddel-Hose gehören neben ihrer Stabilität auch die handgeschnittenen Leder-Einfassungen am Hosenbein und den beiden schrägen Taschen vorne. Ebenfalls typisch: Der Schlag am Ende des Hosenbeins - in der Regel so groß, dass auch Männerschuhe kaum darunter zu sehen sind. So verhinderten die Zimmerer, dass ihnen Sägespäne in die Schuhe fielen.

Bis heute werden die Hosen für jeden Kunden maßgeschneidert. R. Paulsen ist damit der letzte Betrieb in Deutschland, der Zunft- und Berufskleidung komplett selbst herstellt. "Die Leute müssen herkommen. Wir messen sie aus, dann wird aufgezeichnet, ausgeschnitten und genäht", fasst Kirsten Schröder die Fertigung der Veddel-Hose zusammen.

Seit sieben Jahren arbeitet sie bei dem kleinen Unternehmen in Wilhelmsburg. Ihr geübter Blick fällt auf Wendel Stoop, der mit einem Freund aus der Schweiz zum Niedergeorgswerder Damm gereist ist, um sich seine dritte "Original Veddel" abzuholen. Kirsten Schröder greift zielsicher nach einem schwarzen Bündel und reicht es ihm. "Das ist das geilste, was es gibt, perfekter Schnitt, super Qualität", schwärmt Stoop. Auch Christoph Höfer schaut sich interessiert zwischen den dicht bepackten Regalen der kleinen Schneiderei um. Der 20-Jährige kommt aus Thüringen und ist gerade auf der "Walz", der traditionellen Wanderschaft der Zimmerer-Gesellen. Den Zwischenstopp bei der R. Paulsen GmbH nutzt er, um seine Zunftkleidung zu ergänzen. Nicht nur bei Zimmerleuten, Bauarbeitern und Maurern ist die "Original Veddel" längst ein Begriff, auch Motorrad-Fahrer schätzen den robusten Stoff als sommerliche Alternative zur schweren Lederkluft.

Im Schnitt verlassen pro Woche 50 Veddel-Hosen die kleine Schneiderei. Die Wartezeit von bis zu sechs Wochen nehmen die Käufer gern in Kauf.

Die Geschichte
1962 gründete Reinhold Paulsen seine Werkstatt für Berufsbekleidung. Die Marke "Original Veddel" hat er seinem Sohn Carsten zu verdanken: Der lebhafte Junge zerfetzte sich beim Spielen regelmäßig die Hosen. Zumindest so lange, bis Mutter Editha die Flickerei leid war: Anfang der 70er Jahre schneiderte sie ihrem Sohn kurzerhand Freizeithosen aus Pilotenstoff. Er ging damit in die Schule und der Siegeszug der "Original Veddel" nahm ihren Lauf.

Das Unternehmen
17 Mitarbeiter versorgen die Kunden von Carsten Paulsen heute mit maßgefertigten Freizeit-, Zunft- und Motorradkleidung. "Wir haben fünf neue Leute eingestellt, damit wir überhaupt hinterherkommen", sagt Kirsten Schröder. Die Fans der Hamburger Hosen stammen nicht nur aus Deutschland oder der Schweiz. Auch aus Österreich, Dänemark, Frankreich und den USA bekommt das Unternehmen Aufträge. Ginge es nach Kirsten Schröder, sollte vor allem ein Hamburger noch eine Veddel-Hose bekommen: Bürgermeister Ole von Beust.

Katrin Pliszka
katrin.pliszka@hk24.de
Telefon 36 13 329
hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2005