
Chemikalien und Glimmstängel
„Wir müssen Allianzen bilden, um REACH zu verhindern“, appellierte Mary
Papaschinopoulou, unsere Repräsentantin in Brüssel, in der Juli-Sitzung des
Plenums. Hinter den fünf Buchstaben verbirgt sich die umstrittene neue
EU-Verordnung zur Registrierung von Chemikalien. Ihre möglichen Auswirkungen auf
die Industrie hatte zuvor Christoph Herting erläutert. Sie bedeute mehr Bürokratie,
hohe Gebühren und Rechtsunsicherheit und führe langfristig zu einer erhöhten
Marktkonzentration, erklärte der Referent aus dem Handelskammer-Geschäftsbereich
„Innovation und Umwelt“. Papaschinopoulou bat die Plenarier um Mithilfe:
REACH müsse durch gezielte Lobbyarbeit vor den EU-Vermittlungsausschuss gebracht
werden, um die Entscheidung in die Zeit der deutschen Ratspräsidentschaft zu vertagen,
die im ersten Halbjahr 2007 beginnt. Die Plenarier unterstützten diesen Ansatz,
äußerten aber die Sorge, dass „der Zug schon abgefahren“ sein
könnte. In die Auseinandersetzung um den Erhalt der Niedernfelder Durchfahrt ist
Bewegung gekommen. Präses Dr. Karl-Joachim Dreyer informierte das Plenum, dass bis
Ende August ein von der Norddeutschen Affinerie finanziertes Gutachten über die Kosten
für die Sanierung der Brücken erstellt wird. Auch erste Vorschläge für
eine finanzielle Beteiligung der Wirtschaft seien bereits in der Presse diskutiert worden.
Dies bezeichnete der Präses als „problematisch“, da die Unternehmen in
Gefahr gerieten, von der Politik auch für zukünftige Projekte als Geldgeber
vereinnahmt zu werden. Er plädierte für Zurückhaltung, bis die neuen Zahlen
vorliegen. In einer kurzen Debatte über die Neugestaltung des Domplatzes kritisierten
die Plenarier sowohl das Nutzungskonzept als auch die Architektur und forderten eine
Neuausschreibung. Einig waren sich die Unternehmer auch beim Thema Rauchverbot. Ein Gesetz
über das Rauchen am Arbeitsplatz hielten sie für unnötig, hier seien
freiwillige Regelungen in Absprache mit dem Betriebsrat vorzuziehen. Weiterhin stimmte das
Plenum der neuen Kooperationsvereinbarung zwischen der IHK Lübeck und der
Handelskammer zu, die der Präses vorstellte.
Industrie und Energie
Mindestens doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft wächst der globale Transportbedarf.
Welche Anforderungen sich daraus an die Hafeninfrastruktur und die allgemeine
Verkehrsinfrastruktur in Hamburg ergeben, erläuterte Reinhard Wolf, Leiter des
Handelskammer-Geschäftsbereichs Infrastruktur. Zu den dringend notwendigen
Maßnahmen gehöre neben der erneuten Anpassung der Elb-Fahrrinne unter anderem
die Hafenquerspange und eine feste Fehmarnbeltquerung, die gleichzeitig einen Einstieg
in ein europäisches Magnetschwebebahnnetz darstellen könne.
Verkehr
Auch der Verkehrsausschuss befasste sich mit den Zukunftsprojekten feste Fehmarnbeltquerung
und Hafenquerspange. Peter Lundhus und Tom Allersted von der dänischen
Realisierungsgesellschaft „Fermern Belt“ berichteten von den Erfahrungen, die
unsere nördlichen Nachbarn beim Bau und dem Betrieb der Querung des Großen Belt
und der Öresundquerung gesammelt haben. Die Ausschussmitglieder befürworteten
die Realisierung der festen Fehmarnbeltquerung – jedoch nur in Verbindung mit einer
Hochgeschwindigkeitsbahn-Trasse zwischen Hamburg und Kopenhagen. Zudem müsse
unverzüglich ein Maßnahmenpaket für die Entwicklung der Ostseehäfen
entwickelt und umgesetzt werden. Um die Kapazitätsprobleme im Hamburger Hafen bis zum
Bau der Hafenquerspange zu lindern, befürwortete der Ausschuss die Nutzung neuer
Techniken der Verkehrsflussoptimierung. Wie diese aussehen können, zeigt eine Studie
des Industrieverbandes Hamburg, die Peter Dibowski von der Siemens AG Region Hanse
vorstellte.
Außenwirtschaft
Kristin Augsburg, Leiterin des Büros der Handelskammer in Dubai, informierte den
Ausschuss über die beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten
Arabischen Emirate und die Möglichkeiten, die sich aktuell für die Hamburger
Wirtschaft am persischen Golf ergeben. Außerdem diskutierten die Ausschussmitglieder
neue Gesetzesentwicklungen im Bereich des Chemikalienhandels und des Zoll- und
Außenwirtschaftsrechts, die nicht zuletzt den Spielraum der Hamburger Unternehmen
weiter einengen.
Medienwirtschaft
Auf ein geteiltes Echo in der Hamburger Medienszene ist die bundesweit verbreitete
Zeitungsbeilage „Hamburg: Das Magazin der Hansestadt“ gestoßen,
von der bereits die zweite Ausgabe erschienen ist. Sie wird von einem Hamburger
Redaktionsbüro und der Magazin-Verlagsgesellschaft der Süddeutschen Zeitung
erstellt. Über Ziele und Hintergründe des Marketing-Instruments diskutierte
Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der Hamburg Marketing GmbH, mit den
Ausschussmitgliedern. Ein weiteres Thema war die Rolle, die Google in der Kommunikation
der Zukunft spielen will. Welche Szenarien derzeit bei der weltweit führenden
Suchmaschine diskutiert werden, erörterte Holger Meyer, Managing Director Sales von
Google Deutschland. Über die weltweiten Aktivitäten des Verlags Gruner + Jahr
berichtete G+J-Finanzvorstand Achim Twardy.
Berlin
Wir setzen die Gespräche mit Bundestagsabgeordneten über den Ausbau der
Unterelbe fort, um weitere Mitstreiter für dieses Projekt zu gewinnen. Zugleich
kommt Bewegung in die Debatte über eine Grundinstandsetzung der Mittel- und Oberelbe:
Immer mehr Bundestagsabgeordnete engagieren sich für dieses Vorhaben und nutzen dabei
die Expertise der Handelskammer Hamburg und anderer IHKs. Gemeinsam mit dem DIHK setzt
sich die Handelskammer dafür ein, dass das Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz,
das die Bundesregierung vorantreibt, künftig bei möglichst vielen für die
Metropolregion wichtigen Projekten zur Anwendung kommt.
Welthandelsorganisation
Als „außerordentlich enttäuschend“ wertete der DIHK den Abbruch
der WTO-Verhandlungsrunde. In den Bereichen Industriegüter und Dienstleistungen
seien Fortschritte erzielt worden, die nun durch Auseinandersetzungen im Agrarbereich
behindert würden. Die USA müssten ihre Agrarhilfen abbauen, die EU ihre
Einfuhrzölle für landwirtschaftliche Produkte senken. Doch auch die
Schwellen- und Entwicklungsländer sollten sich verhandlungsbereiter zeigen und
endlich ein Angebot vorlegen, das eine stärkere Öffnung ihrer Märkte
für Industrieprodukte und Dienstleistungen ermöglicht.
In der Rubrik „Handelskammer-Themen des Monats“ informieren wir Sie über die aktuellen Themen, die in den Gremien der demokratischen Selbstverwaltung der Hamburger Wirtschaft diskutiert werden. Hier engagieren sich ehrenamtlich rund 680 Unternehmer. (Weitere Informationen zum Ehrenamt Ihrer Handelskammer: www.hk24.de, Dokumenten-Nr. 12509). Außerdem finden Sie in dieser Rubrik aktuelle Informationen aus unseren auswärtigen Vertretungen und über Initiativen des DIHK, an denen unsere Handelskammer maßgeblich beteiligt ist.
Plenum
Das Plenum ist das höchste beschlussfassende Gremium unserer Handelskammer. Auf
seinen monatlichen Sitzungen bestimmt es die Leitlinien unserer Arbeit. Ihm gehören
derzeit 64 gewählte bzw. kooptierte Vertreter von Mitgliedsunter-nehmen aus allen
Branchen der gewerblichen Wirtschaft an.
Arbeitskreise und Ausschüsse
Die derzeit 30 Arbeitskreise und Ausschüsse unterstützen das Plenum, sie
befassen sich mit speziellen Fach- und Branchenthemen und erarbeiten Analysen und
Beschlussvorlagen.
Auswärtige Vertretungen
Berlin, Brüssel, St. Petersburg, Kaliningrad, Shanghai, Antananarivo, Dubai: Mit
sieben auswärtigen Vertretungen ist unsere Handelskammer präsent, wo für
die Hamburger Wirtschaft wichtige Entscheidungen getroffen werden oder neue Märkte
entstehen.
DIHK
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist die Dachorganisation der 81
deutschen Industrie- und Handelskammern. Weitere Informationen:
www.dihk.de