Handelskammer Hamburg 2006

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Le CroBag GmbH & Co. KG

Hamburgs heisse Hörnchen

Echte französische Croissants vor Ort gegart und frisch gebacken: Mit dieser Geschäftsidee ging Le CroBag vor 25 Jahren am Hamburger Hauptbahnhof an den Start. Heute gibt es kaum noch einen Bahnhof, in dem die Verkaufsstände im rot-gelben Design nicht zu finden sind.

Hunger ist der beste Koch – und manchmal auch Quelle guter Geschäftsideen. Im Jahr 1981 gibt es am Hamburger Hauptbahnhof kaum etwas zu essen. Das bringt Christian Knoop-Troullier auf die Idee, Reisende mit frischen Croissants zu versorgen. Unter dem Markennamen „Le CroBag“ bietet er in einer gerade mal zehn Quadratmeter großen Holzbude fünf Sorten Croissants an. Die Teiglinge bezieht er tiefgekühlt aus Frankreich, gegart und gebacken werden sie direkt im Laden – damals eine Innovation. Der Duft aus dem Ofen zieht Reisende magisch an, Le CroBag wächst wie Blätterteig bei 200 Grad. 1989 verkaufte der Gründer sein Unternehmen an die französische Neuhauser-Group, die Backshops in 45 Ländern betreibt.

Ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung zählt Le CroBag 109 Filialen in 33 deutschen Städten. Das Geschäft mit Croissants, Baguettes, Kaffee & Co. wächst jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent, elf neue Filialen wird Le CroBag allein 2006 eröffnen und nun gab es auch noch einen Preis: Die Zeitschrift „Foodwatch“ würdigte den Relaunch der Marke „Le CroBag“ mit dem „Hamburger Foodservice Preis“. Der Neustart sei ein „Lehrstück professioneller und intelligenter Verjüngung einer in die Jahre gekommenen Marke“, begründete die Jury. So präsentiert sich Le CroBag seit 2002 mit einem neuen Shopdesign: Statt der altbackenen Ausstattung in Gelb, Braun und Blau ist nun Rot die vorherrschende Farbe in den mit Glas und Holz umgestalteten Filialen. Hinzu kommt eine Vergrößerung der Fläche in einigen Shops. Kaffeespezialitäten, verbesserte Produkte sowie eine ausgefeilte Servicekultur runden die radikale Verjüngungskur ab.

Bäckerin der ersten Stunde ist Friederike Stöver, die heute gemeinsam mit Jens Bartolatus die Geschicke von Le CroBag lenkt. Sie arbeitete schon 1981 als Studentin im zweiten Verkaufsstand am Hamburger Hauptbahnhof. Später wurde sie Lizenznehmerin in Wandsbek und wechselte 1993 in die Zentrale. Heute ist die 44-Jährige Geschäftsführerin und hat große Pläne. Le CroBag expandierte bislang rund um die Bahnhöfe, allein am Hamburger Hauptbahnhof ist man mit vier Läden präsent. Nun geht es aus den Bahnhofsvierteln hinaus: Die Croissant-Spezialisten aus Bahrenfeld suchen neue Standorte, beispielsweise in Einkaufszentren.

Dazu kommt ein neues Shop-Konzept. Le CroBag verkauft längst nicht mehr nur in kleinen Verkaufsständen, sondern ist auf dem Weg zu einem waschechten Gastronomiebetrieb. Am Bremer Hauptbahnhof etwa haben die Hamburger ein 180 Quadratmeter großes Café eröffnet – bisher lag die durchschnittliche Flächengröße bei 30 Quadratmetern. Jede Filiale bietet im Durchschnitt 45 Artikel an – das gesamte Sortiment von Le CroBag umfasst jedoch mittlerweile rund 70 Produkte. In den größeren Shops gibt es neben Kaffee(-spezialitäten) und Backwaren zudem auch frische Salate. „Das neue Konzept kommt sehr gut an“, sagt Friederike Stöver. Auch in Hamburg wurde jetzt ein 90 Quadratmeter großes Café auf dem umgebauten Südsteg eröffnet.

Den Erfolg der französischen Backwaren aus Hamburg führt Friederike Stöver auf mehrere Faktoren zurück: Freundliches Personal an den Verkaufstheken, überraschend viele Stammkunden, die das nette Wort schätzen und einen Markttrend hin zum „Außer-Haus-Essen“. Vor allem aber sei es die Produktqualität. Denn im Gegensatz zu vielen Discount-Bäckern und Supermarkt-Backtheken werde bei Le CroBag die tiefgekühlte Ware vor dem Backen zwei Stunden lang vor Ort gegart. Das verbessere den Geschmack deutlich. Dazu komme eine Frische-Garantie: Was nach einer bestimmten Zeit nicht verkauft ist, wird entsorgt. Den Schwund nimmt man bei Le CroBag für die höhere Qualität in Kauf.

Auf den Kundenmagnet der ersten Jahre – den verführerischen Geruch des Frischgebackenen – muss Le CroBag heute übrigens verzichten. Die Auflagen sind strenger geworden: Die Ofen-Klappen bleiben zu, Abluftanlagen sind Pflicht. Der Anziehungskraft ist es bislang nicht abträglich: Le CroBag erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 52,6 Millionen Euro Umsatz und wuchs um 13,4 Prozent.

Harry Weiland
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302
hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2006