
Wenn das Telefon in einer der Leitstellen des Hamburger Rettungsdienstes klingelt, muss alles schnell gehen. Bei einem Notfall haben die Helfer maximal fünf Minuten Zeit, um vor Ort zu sein. Handelt es sich um einen dringenden Krankentransport, bleiben ihnen 30 Minuten, ansonsten eine Stunde. Fast im Minutentakt, rund 418000 Mal pro Jahr, erreicht ein Anruf den Hamburger Rettungsdienst. Dieser umfasst den öffentlichen Rettungsdienst also die Feuerwehr und die Hilfsorganisationen wie Arbeiter-Samariter-Bund oder die Johanniter und private Rettungsunternehmen. Das war nicht immer so: Erst Anfang der 80er-Jahre klagte sich ein Eutiner Unternehmer in das Geschäft mit den Krankentransporten ein. Seitdem haben sich private Anbieter zu einer wichtigen Stütze des Rettungsdienstes entwickelt: Von den 418000 Anrufen entfielen auf die Hilfsorganisationen im vergangenen Jahr 78000. Im gleichen Zeitraum wickelten die privaten Rettungsdienstunternehmen knapp 150000 Aufträge ab.
26 Anbieter haben in Hamburg die erforderliche Genehmigung. Diese erteilt die Feuerwehr, die zugleich Überwachungsbehörde ist. Der Bereich der Krankentransporte war bis 2000 ein Wachstumsmarkt, angetrieben vor allem durch die Zunahme der ambulanten Behandlungen und der Spezialisierung der Krankenhäuser, die Verlegungen oder Transporte erforderlich machten. Inzwischen bleibt die jährliche Zahl der Krankentransporte stabil ein Hindernis für Unternehmen, die sich neu im Markt etablieren möchten.
Die Zulassung als Rettungsdienstunternehmen ist an die Erfüllung strenger Voraussetzungen geknüpft, die im Hamburger Rettungsdienstgesetz geregelt sind. Eine davon ist der Nachweis der fachlichen Eignung des angehenden Unternehmers. Die erforderliche Prüfung nimmt die Handelskammer ab.
Auch die Besatzung der Krankenkraftwagen ist gesetzlich vorgegeben. So müssen beim Krankentransport mindestens zwei Rettungssanitäter an Bord sein. In der Notfallrettung sind die Wagen mit mindestens einem Rettungssanitäter als Fahrer und mindestens einem Rettungsassistenten als Betreuer des Patienten zu besetzen.
Die Notfallrettung auf sie entfallen jährlich 190000 der 418000 Anrufe ist fast ausschließlich Sache der Feuerwehr. Als einziges privates Unternehmen besitzt die G.A.R.D. GmbH die Erlaubnis für die Notfallrettung. Hamburgs größter privater Anbieter verfügt über 50 Einsatzfahrzeuge. Das Unternehmen darf allerdings auf Grund von Auflagen seitens der Feuerwehr maximal fünf Fahrzeuge gleichzeitig in der Notfallrettung einsetzen. Holger Jarmuth, Geschäftsführer des als gemeinnützig anerkannten Unternehmens, ist mit dieser Einschränkung nicht glücklich: Warum können wir nicht, wie überhaupt unsere Branche, stärker in die Notfallrettung eingebunden werden? Er ist sich sicher: Wir könnten der Feuerwehr Arbeit abnehmen, und kostengünstiger für die Krankenkassen wäre es außerdem.
Dieser Ansicht ist auch Bernd Peters, geschäftsführender Gesellschafter der ASG Ambulanz OHG, der dem Verband der privaten Krankenbeförderungsunternehmen (VdpK) und dem bundsweiten Unternehmerverband privater Rettungsdienste (BKS) vorsteht: Andere Gemeinden machen die Entstaatlichung der Notfallrettung vor, indem sie diese sogar komplett privatisiert haben.
Derzeit aber bleiben der ASG nur die Krankentransporte. Sie kooperiert dabei eng mit sieben weiteren Anbietern, mit insgesamt 35 Wagen können die acht Unternehmen fast das gesamte Hamburger Stadtgebiet bedienen. Flächendeckende Präsenz hat auch die G.A.R.D. mit ihren über 50 Einsatzfahrzeugen. Insgesamt setzen die 26 Unternehmen des privaten Hamburger Rettungsdienstes 100 Fahrzeuge ein. Die Hilfsorganisationen halten zusammen rund 40 Fahrzeuge bereit. Die Feuerwehr hat für die Notfallrettung 70 Fahrzeuge im Bestand. Die Aufträge erhalten die privaten Krankentransportunternehmen vorrangig von Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Ärzten und Pflegeheimen. Dabei stehen die privaten Krankentransportunternehmen untereinander in einem starken Wettbewerb. Preisdruck kommt aber auch von den Krankenkassen. Durch Zusammenschlüsse wollen die Privaten ihre Verhandlungsposition stärken: Neben dem VdpK hat sich die Arbeitsgemeinschaft Krankenbeförderung gegründet, der neun Unternehmen angehören.
Auf verlorenem Posten stehen die Privaten indes oft bei der Auftragsvergabe für Einsätze bei Großveranstaltungen. Hier unterliegen sie im ungleichen Wettbewerb mit den Hilfsorganisationen, die nur auf ehrenamtliche Helfer zurückgreifen. Gegen den Preisvorteil führen die privaten Retter ihre Kompetenz ins Feld, die sie auf die Kontinuität des Personaleinsatzes zurückführen. In Einzelfällen mit Erfolg: So entschied sich der Betreiber der Color Line Arena ganz bewusst für ein privates Rettungsdienstunternehmen.
Informationen zur Existenzgründung im Rettungsdienst finden Sie auf www.hk24.de, Dokumenten-Nr. 5200.