Handelskammer Hamburg 2006

< zurück

Technikexport

Im Osten viel neues

Durch den Beitritt zur EU müssen Polen und Tschechien mehr für den Umweltschutz tun. Für Hamburger Unternehmen aus der Umwelttechnikbranche eine große Chance, bei der ihnen die Initiative ECCE@KEO beratend zur Seite steht.

Der Zustand der Umwelt in den neuen EU-Ländern ist oft erheblich schlechter, als es das EU-Umweltrecht erlaubt. Das bedeutet, dass hohe Investitionen notwendig sind, um die Forderungen der europäischen Gesetze in Ländern wie Tschechien oder Polen umzusetzen – für Unternehmen aus der Umwelttechnik-Branche bieten sich viele Möglichkeiten auf gute Geschäfte.

Um erfolgreich zu sein, müssen Firmen, die in den neuen EU-Ländern Tschechien und Polen investieren wollen, die dortigen Verhältnisse jedoch gut kennen. Deshalb unterstützt die Kammerunion Elbe-Oder insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit ihrer Kampagne ECCE@KEO. Die Kammerunion Elbe-Oder ist ein Zusammenschluss von 30 deutschen, polnischen und tschechischen Industrie- und Handelskammern. ECCE@KEO ist ein von der Europäischen Union im Rahmen des PRINCE-Programms gefördertes Projekt. Nicht zuletzt mit seiner Hilfe wird in hoffentlich naher Zukunft der nachbarschaftliche Austausch an Elbe und Oder so selbstverständlich sein wie an Maas und Rhein.

Während Deutschland in den vergangenen 20 Jahren schrittweise die Infrastruktur geschaffen hat, um Abfälle getrennt zu sammeln und zu verwerten, müssen diese Systeme in Polen und Tschechien in wesentlich kürzerer Zeit aufgebaut werden. Die Finanzierung wird nur zu einem geringen Teil von der EU getragen werden, den überwiegenden Anteil müssen die Staaten selbst aufbringen.

In beiden Ländern steigt das Restmüllaufkommen bei kommunalen Abfällen, bei Industrieabfällen stagniert es. Maßgeblich für die Abfallentsorgungsinfrastruktur sind die Deponierichtlinie (99/31/EG), die eine schrittweise Verringerung der organischen Substanzen im Deponiegut vorschreibt, sowie die Verpackungsrichtlinie (94/62/EG), die Mindestanteile für die stoffliche und thermische Verwertung von Verpackungsabfällen festlegt.

Die Anforderungen der EU-Deponierichtlinie versuchen Polen und Tschechien zu erfüllen, indem sie verstärkt Abfall in Verbrennungsanlagen entsorgen und dabei die Abwärme energetisch nutzen. Viele der Anlagen entsprechen jedoch nicht den EU-Umweltnormen und müssen kostenintensiv umgerüstet werden. Deshalb wird mittelfristig die Deponierung die dominierende Entsorgungsform bleiben. Allerdings müssen auch zahlreiche Deponien erst entsprechend der EU-Standards modernisiert werden.

Maßgeblich für die Abwasserentsorgung ist die EU-Richtlinie (91/271/EGW). In den Großstädten ist der Ausbau der Abwasserentsorgung relativ weit vorangeschritten, hingegen besteht großer Nachholbedarf in mittleren und kleinen Städten. In Tschechien sollen bis zum Jahr 2010 durch die Errichtung von 100 Abwasserreinigungsanlagen alle Siedlungen mit mehr als 10 000 Einwohnern erfasst sein. Polen beabsichtigt, bis zum Jahr 2010 die eingeleiteten Schadstofffrachten der Industrie im Vergleich zum Jahr 1990 um 50 Prozent und die der Kommunen um 30 Prozent zu verringern.

Es ist zu erwarten, dass das Marktpotenzial für Umwelttechnologien daher in den nächsten Jahren in Polen und Tschechien weiter steigen wird. Gerade in Deutschland sind zahlreiche Unternehmen dieser Branche ansässig – unser Land ist Exportvizeweltmeister von Umwelttechnologien. Die ECCE@KEO will durch Basisinformationen sowie durch Vermittlung von Expertenwissen Unternehmen bei ihren Überlegungen darüber helfen, ob sie sich in diesen Ländern engagieren sollen. Das branchenübergreifende Projekt, das auf ein Jahr angelegt ist, gliedert sich in fünf Themenschwerpunkte: Beschäftigung, Finanzierung, öffentliches Auftragswesen, Verkehr und Umwelt.

Matthias Weiß
matthias.weiss@hk24.de
Telefon 36 13 8 796

Infos und Kontakte

Unsere Handelskammer bearbeitet im Rahmen von ECCO@KEO das Thema Umwelt und veranstaltet dazu am 28. März einen Workshop für Unternehmer.

Informationen über die Kampagne: www.ecce-keo.org

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2006