
Sie merken es der Tageszeitung, die Sie lesen, nicht an, aber sie hat eine bewegte Vergangenheit. Vor kurzem war sie noch Teil einer Papierrolle, die mit einer Geschwindigkeit von 1800 Metern pro Minute abgewickelt und durch eine Druckmaschine gezogen wurde. Der heikelste Moment dabei ist immer der, in dem eine Papierrolle zu Ende geht. Druckmaschine anhalten, neue Rolle einlegen? Dauert viel zu lange. Also fliegender Wechsel: Bei voller Fahrt müssen das Ende der alten und der Anfang einer neuen Rolle verbunden werden. Wie verklebt man zwei Papierbahnen, wenn dafür nur wenige Millisekunden Zeit bleiben? In vielen Druckereien nimmt man dafür ein spezielles doppelseitiges Klebeband der Tesa AG. Der Streifen mit Namen Easy-Splice wird auf den Anfang der bereitstehenden Rolle angebracht und hat eine so hohe Klebkraft, dass er sofort eine feste Bindung herstellt, wenn das Ende der alten Papierbahn auf ihn herabfällt. So können Zeitungsdrucker ihre Anlagen stets beruhigt auf Vollgas fahren.
Klebestreifen für Druckpapier nur eines von vielen Industrieprodukten, die in den Hamburger Tesa-Labors entstehen. Bei der Handy-Produktion haben Klebeverbindungen die Schraube fast vollständig verdrängt. So halten spezielle Tesa-Bänder die kleinen LCD-Bildschirme in Position. Gleichzeitig verbessern sie das Lichtmanagement in den Geräten: Schwarze Bänder absorbieren Licht, helle Bänder reflektieren es. Zudem dienen sie als Polster und elektrischer Isolator. Denn Handys fallen ja bekanntlich gerne mal aus der Hand. Je nach Modell können bis zu 25 verschiedene Klebebänder in einem Mobiltelefon stecken, sagt Marc Husemann, Laborleiter Electronics. Der Stellenwert der Handybranche ist bei einem Besuch im Tesa-Labor nicht zu übersehen: Kistenweise stapeln sich Telefon-Teile und warten darauf, Klebeversuchen unterzogen zu werden.
Immer interessanter wird zudem die Automobilindustrie. Durch den vermehrten Einsatz von Elektronik steigt auch der Bedarf an Kabeln, rund 2,5 Kilometer stecken in einem modernen Fahrzeug. Dabei setzen die Autobauer zunehmend auf Flachkabel. Sie nehmen weniger Platz in Anspruch und sind zudem leichter. Für den sicheren Halt hat Tesa ein spezielles Klebeband entwickelt, das auf fast allen Untergründen haftet und Temperaturen von Minus 40 bis Plus 90 Grad standhält ein ganzes 15-Jähriges Autoleben lang.
Für ein langes Kabelleben sorgt auch ein weiteres Tesa-Produkt, mit dem Kabelbäume umwickelt werden Bündel von vielen empfindlichen Einzelkabeln, die etwa die Instrumententafel und andere Bauteile mit Strom versorgen.
Zu fast jedem Produkt bieten die Hamburger Klebespezialisten auch den geeigneten Dispenser, also einen Abroller an. Mit dem Tesafilm-Spender vom Schreibtisch haben die anspruchsvollen Geräte für den Industrieeinsatz nicht viel zu tun, die zum Beispiel auf Montagerobotern ihren Dienst tun.
Alles in allem machen die Industrieanwendungen 78 Prozent des Umsatzes der Tesa AG aus, sagt Stephan Zoellner. Er ist am Hamburger Stammsitz zuständig für die Entwicklung neuer Klebmassen, Herr über ein Labor, in dem drei Chemiker in weißen Kitteln Zähflüssiges anrühren, analysieren und ausprobieren. Wir können die Eigenschaften unserer Produkte stark beeinflussen, sagt Zoellner und schwenkt dabei eine Probe eines neuen Klebstoffs. Die Anforderungen an die Klebeverbindungen ändern sich ständig. Da muss immer neu entwickelt werden. Insgesamt arbeiten in der Forschungsabteilung von Tesa 215 Mitarbeiter an den Produkten von morgen. Alleine im Werk in Hamburg Hausbruch werden jährlich 10000 Tonnen Klebstoff produziert. Dazu kommen acht Werke in sieben verschiedenen Ländern. Bei einem Umsatz von insgesamt 735 Millionen Euro im vergangenen Jahr müssen sich die weltweit 3595 Mitarbeiter wohl keine Zukunftssorgen machen. Und auch der Rollenwechsel in der Druckindustrie wird dank Tesa weiterhin rechtzeitig vonstatten gehen.