
Wenn es im Unternehmen Schwierigkeiten bei der Durchführung von IT-Projekten gibt, liegt das meistens am Ausbildungsstand des Fachpersonals. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung unter 500 IT-Spezialisten und ihren Arbeitgebern, die 2005 im Auftrag der Onsite Computer GmbH durchgeführt wurde. Darin nannten 64 Prozent der IT-Mitarbeiter Know-how-Mängel als Problemursache.
Obwohl rund 80 Prozent der Firmen angaben, die Qualifikation ihrer IT-Mitarbeiter für wichtig oder sogar unternehmenskritisch zu halten, steht es um den Nachweis der Qualifikationen schlecht. Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aktuelle, für ihre Aufgaben erforderliche Zertifizierungen besitzen. Zum Beispiel der Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE), das derzeit wichtigste Zertifikat. Viele Systemadministratoren, in deren Firmen mit Windows 2000 gearbeitet wird, können nur einen MCSE für veraltete Versionen wie Windows NT 4.0 vorweisen.
Doch die rasante technologische Entwicklung, die eine steile Lernkurve erfordert, ist nur ein Aspekt des Problems. Da in Deutschland nicht genügend Fachkräfte ausgebildet werden, finden sich in den IT-Abteilungen überdurchschnittlich viele Quereinsteiger, die sich ihr Wissen durch learning by doing oder im Selbststudium angeeignet haben. Das zeugt zwar von hoher Motivation, macht sich aber häufig in Form von Wissenslücken bemerkbar. So beherrschen Softwareentwickler beispielsweise mehrere Programmiersprachen, doch fehlen ihnen Kenntnisse über die Architektur von Anwendungen. Die Folge: Ihre Entwicklungen sind weniger leistungsfähig und können nur schwer an gestiegene Anforderungen angepasst werden.
Hier setzt das Hamburger Projekt ITAQU an, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Ziel des Projektes ist es, IT-Mitarbeiter zu qualifizieren und zu zertifizieren, ohne sie mehr als nötig aus dem Arbeitsalltag herauszunehmen. Hinter ITAQU steht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufene Konzept Arbeitsprozessorientierte Weiterbildung für die IT-Branche (APO-IT), das eine enge Verbindung von Lernen und Arbeiten propagiert. In einem vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) durchgeführten Projekt wurde dieser Ansatz aufgegriffen und zu einem System von Qualifizierungen zusammengefügt, für das ein Katalog von neuen Abschlüssen definiert wurde.
Kernpunkt des Projekts ist die Verlagerung des Lernens in den betrieblichen Alltag. Für APO-IT wurde ein Katalog mit Referenzprojekten entwickelt, die den charakteristischen Ablauf von Tätigkeiten beschreiben. Anhand dieses Katalogs werden für die Teilnehmer vergleichbare Projekte ausgewählt, die in ihren Betrieben tatsächlich durchgeführt werden. Die Auswahl der betrieblichen Projekte übernehmen so genannte Lernagenturen. In Hamburg übernimmt diese Aufgabe die ComPers GmbH. Sie bietet auch Seminare an, in denen Inhalte vermittelt werden, die in den realen Projekten nicht vorkommen.
Auch wenn die Weiterbildung innerbetrieblich im Arbeitsprozess erfolgt, ist das nicht mit learning by doing gleichzusetzen. APO-IT verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, erklärt ComPers-Geschäftsführer Dierk Harder. In der Weiterbildung wird der gesamte Arbeitsprozess durchlaufen und nicht nur die Projektphasen, die dem Mitarbeiter geläufig sind.
Am Ende des Trainings erwerben die Teilnehmer den Titel Spezialist oder Operativer Professional. Die Weiterbildung zum Spezialisten kann in 29 verschiedenen Fachrichtungen absolviert werden, zum Beispiel Systemadministrator, Softwareentwickler oder Sicherheitstechniker. Vergeben wird dieser Titel von privatrechtlichen Zertifizierungsstellen, er ist international anerkannt und fünf Jahre lang gültig.
Dagegen wird der unbegrenzt gültige Titel des Operativen Professional durch eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer erlangt. Er ist für Mitarbeiter gedacht, die mittelfristig eine Führungsposition, zum Beispiel als Team- oder Projektleiter, übernehmen sollen. Zu den Operativen Professionals zählen der geprüfte IT-Entwickler, IT-Projektleiter, IT-Berater und der IT-Ökonom.
Nach drei erfolgreichen Projektjahren läuft die Förderung der Fortbildung zum Spezialisten Mitte des Jahres aus. Angeboten wird die Fortbildung aber weiterhin. Anwärter auf den Titel des Operativen Professional können hingegen noch länger gefördert werden.
Das Förderprogramm, das bereits mehr als 20 Teilnehmer hat, richtet sich an Hamburger Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten, die einen oder mehrere IT-Mitarbeiter mit Berufserfahrung zertifizieren lassen möchten. Die Fortbildung dauert 18 Monate, wobei auch hier gilt, dass das Meiste in der innerbetrieblichen Projektarbeit geschieht. Dem voraus gehen 18 Wochenendworkshops, in denen theoretisches Wissen vermittelt wird, erläutert Harder.
Sollen nur einzelne Lücken gefüllt oder Kenntnisse auf den aktuellen Stand gebracht werden, steht eine Vielzahl von IT-Schulungsunternehmen bereit. Bei der Suche nach dem richtigen Anbieter helfen Spezialsuchmaschinen wie www.it-fortbildung.com, ein Angebot der Hamburger evolvem IT Services GmbH. Über 600 Schulungsunternehmen sind dort mit mehr als 100000 Kursthemen gelistet, die sich anhand verschiedener Suchkriterien eingrenzen lassen. Wichtig ist evolvem-Geschäftsführer Dennis Martens dabei, dass Suchergebnisse und Werbung nicht vermischt werden: Bei uns kann sich kein Anbieter in der Ergebnisliste hochkaufen. Und: Die Beratung und Buchung erfolgt direkt beim Schulungsunternehmen. Nur so ist gewährleistet, dass der Kunde weiß, was er erwarten kann.
Das Hamburger ITAQU-Projekt: www.itaqu.de
Weitere Infos zur Arbeitsprozessorientierten IT-Weiterbildung: www.apo-it.de