Handelskammer Hamburg 2006

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Coaching

Auf den Bauch hören

Bessere Führungsqualitäten, sicheres Auftreten vor Kollegen und Untergebenen – dies sind nur einige Punkte, in denen Business Coaches helfen sollen. Die Branche wächst und entwickelt Ausbildungs-Standards, um seriöse Coaches und ihre Klienten vor unseriösen Anbietern zu schützen.

Es passiert immer seltener, aber ab und zu muss Axel Janssen beim Formulieren seiner Honorar-Rechnung etwas vage bleiben. „Beratungstätigkeit“ stand auf einer, die er neulich einem Vorstandsvorsitzenden ausstellte. Gerade Männer aus den höchsten Führungspositionen hätten noch Schwierigkeiten zuzugeben, dass sie seine Dienstleistung in Anspruch nehmen, erzählt er: Janssen ist Business-Coach und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbands für Coaching und Training e.V. (DVCT) in Hamburg. Für einige habe ein Coaching noch zu sehr den Beigeschmack einer Psychotherapie. Dabei hat Business Coaching ein einfaches Ziel, das Jens Hartung vom Hamburger Anbieter V.i.e.l.-Coaching so zusammenfasst: „Es geht darum Menschen erfolgreicher zu machen, als sie es bisher sind.“

Harald Ziegerl* ist ein solcher Mensch. Ein Mann, der eigentlich keine Probleme damit haben sollte, sich vor einer Gruppe zu präsentieren: Bereichsleiter in einem großen Industrie-Unternehmen, unumstrittene fachliche Kompetenz, verantwortlich für 4000 Mitarbeiter. „Bei Vorstandstreffen allerdings argumentierte er häufig in einer unverständlichen Art und Weise“, berichtet sein Coach Uwe Böning, „bei kritischen Nachfragen wurde er unsicher und verlor den roten Faden.“ In Gesprächen fand Böning heraus, dass Ziegler souverän auftreten konnte, wenn er glaubte, dass ihm seine Zuhörer wohl gesonnen seien. Von einem Publikum, zu dem er keine emotionale Bindung hatte, fühlte er sich schnell verunsichert. Böning trainierte den Bereichsleiter daraufhin, sich bei seinen Vorträgen im Vorstand auf die Anwesenden zu konzentrieren, die er kannte und mochte. Das insgesamt zwölfstündige Coaching war erfolgreich, weil individuell zugeschnitten auf den Coachee – so der Fachausdruck für die Klienten der Coachs. „Bei einem Rhetorik-Training hingegen hätte er lediglich ein standardisiertes Verfahren durchlaufen“, so Böning.

Interessant sei Coaching generell für Positionen ab Teamleiterebene aufwärts, meint Jens Hartung. Er coacht aber auch Selbstständige drei- bis viermal pro Jahr in Mitarbeiterführung. Erfolg habe das Coaching aber nur, wenn der Coachee freiwillig komme. „Wir wollen etwas für den Menschen machen und nicht gegen ihn. Wenn jemand nur kommt, weil sein Chef es verordnet hat, ist es fast unmöglich, ein gutes Coaching durchzuführen.“

Zwischen 100 und 300 Euro durchschnittlich verlangen professionelle Coaches für ihre Arbeit. Nach oben seien zwar grundsätzlich keine Grenzen gesetzt, so Böning, der auch Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching e.V. (DBVC) ist, „aber ein Stundensatz von 1000 Euro ist absurd.“

Der Markt wächst stetig, genaue Zahlen gibt es jedoch nicht. In Hamburg sind um die 200 Anbieter aktiv, 80 davon sind Mitglieder beim DVCT. „Die Dunkelziffer ist bestimmt doppelt so hoch“, schätzt Axel Janssen. Ebenso im Dunkeln bleibt oft auch die Ausbildung derjenigen, die sich Coach nennen, denn die Bezeichnung ist nicht geschützt. „Die Intention, sich zum Coach ausbilden zu lassen, reicht von purem Interesse und Spaß an diesem Beruf bis hin zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit“, sagt Susanne Alwart vom Hamburger Coaching-Institut alwart+team.

Derzeit seien es vor allem Kaufleute und Psychologen, die sich in der Branche versuchen, berichtet Axel Janssen. „Eine Ausbildung als Psychologe ist zwar nicht notwendig, aber ein guter Coach muss etwas von Menschen und Psychologie verstehen“, ergänzt Jens Hartung, „das heißt auch, dass er merkt, wenn er überfordert ist und ein Coachee Probleme hat, die er besser mit einem Psychotherapeuten bespricht.“ Nach Möglichkeit begleitet ein guter Coach seinen Coachee auch im Arbeitsumfeld. Um schwarze Schafe auszusortieren, bemühen sich Verbände wie der DVCT und der DBVC um eine Standardisierung der Ausbildung. „Eine Ausbildung unterhalb der 20-Tages-Grenze kann meiner Ansicht nach nicht das notwendige Fach- und Methodenwissen vermitteln“, sagt Susanne Alwart. Für eine 40-tägige Ausbildung zahlt ein angehender Coach in ihrem Institut rund 8000 Euro. Auch der DVCT fordert von seinen Mitgliedern einen Nachweis von mindestens 150 Ausbildungsstunden sowie Arbeitsnachweise.

Zunehmend gebe es auch Spezialisierungen für bestimmte Branchen wie Versicherungen oder Industrie, berichtet Axel Janssen: „Es ist grundsätzlich von Vorteil, wenn man sich in der Sprachwelt des Coachees auskennt.“ Aus demselben Grund werden auch firmeninterne Coaches immer beliebter. Obwohl deren Blickwinkel möglicherweise weniger neutral ist als der eines externen Coachs, kennen sie das Unternehmen und seine Strukturen. Für Führungskräfte, die lernen wollen, ihre Mitarbeiter selbst zu coachen, bietet die Handelskammer Bildungsservice gGmbH (HKBiS) einen berufsbegleitenden IHK-Zertifikatslehrgang zum „Personal Coach“ an, in dem auch Mitglieder des DVCT referieren. Der 156-stündige Kurs kostet 2 050 Euro.

Grundsätzlich sollte jeder seriöser Coach folgende Eckdaten erfüllen:

  • Ausreichend Berufs- und Lebenserfahrung. Dazu gehört eine mehrjährige Tätigkeit vor dem Beginn als Coach und ein Lebensalter von mindestens 30 Jahren.
  • Ein kostenloses unverbindliches Vorgespräch, in dem die Vorgehensweise und deren zeitlicher Ablauf aufgezeigt wird.
  • Der Coach sollte sich regelmäßig einer Supervision unterziehen.

Entscheidend aber bleibt eine notwendige Sympathie zwischen Coach und Coachee. „Im Coaching soll ich durch Fragen in eine Richtung gelenkt werden, an die ich normalerweise nicht denke. Wenn ich das Gefühl habe, mir wird etwas untergejubelt und nur Bekanntes wiedergekäut, ist das kein gutes Zeichen“, sagt Jens Hartung und Axel Janssen ergänzt: „Ihr Bauch muss Ihnen sagen, ob Sie bei einem Coach gut aufgehoben sind.“

* Name geändert
Claus Hornung
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302

Infos und Kontakte

Informationen zur Coach-Ausbildung und Qualifikation von Coaches finden Sie unter:
www.dvct.de
www.dbvc.de
www.coaching-gutachten.de
www.coaching-report.de

Der nächste IHK-Zertifikatslehrgang „Personal Coach“ beginnt am 7. April. Weitere Infos bei Antje Blachnierek, antje.blachnierek@hk24.de, Tel. 36 13 8 409

hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2006