
Hamburgs Dienstleistungsbranche profitiert von der wachsenden Bereitschaft der Unternehmen, Aufgabenbereiche außer Haus zu geben. Eine gemeinsame Studie der Handelskammer und der Projektwerk GmbH gibt Aufschluss über die Motive hinter und Erfahrungen mit Outsourcing-Projekten.
Die Dienstleistungswirtschaft ist Hamburgs wichtigster und wachstumsstärkster Wirtschaftszweig: Mehr als 62000 Unternehmen gehören dieser Branche an, täglich werden es mehr: Rund 6000 neue Dienstleister meldeten in den ersten drei Quartalen 2006 im Bereich unserer Handelskammer ein Gewerbe an.
Über 53 Prozent der Wertschöpfung der Hamburger Wirtschaft werden von Dienstleistern erbracht. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Branche an der gesamten Wirtschaftsleistung um drei bis vier Prozentpunkte niedriger. Diese Zahlen machen deutlich, dass Hamburg eine Dienstleistungshochburg in Deutschland ist.
Die Leistungsfähigkeit der Hamburger Dienstleistungswirtschaft schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch: Über 560000 Menschen arbeiten in Hamburg in dieser Branche. In den letzten zehn Jahren konnte nur das Gastgewerbe ähnliche Wachstumsraten verzeichnen. In allen anderen Branchen sanken die Mitarbeiterzahlen.
Die Gründe für die Leistungsfähigkeit der Branche in unserer Stadt und für die Attraktivität Hamburgs als Dienstleistungsstandort sind vielfältig: Zu nennen sind die Internationalität des Standorts, das dichte Unternehmensnetzwerk in der Metropolregion, das attraktive Flächenpotenzial und die hohe Kaufkraft der Bevölkerung. Ein weiterer Grund ist der anhaltende Trend zum Outsourcing. Das Wort ist eine Kurzfassung von outside resourcing und bezeichnet die dauerhafte Verlagerung von Leistungen, die bisher im Unternehmen erbracht wurden, an externe Dienstleister.
Um die Auswirkungen des Outsourcing auf die Hamburger Wirtschaft besser beurteilen zu können, hat die Handelskammer Hamburg in diesem Sommer zum dritten Mal in Folge gemeinsam mit der Outsourcing Agentur Projektwerk GmbH eine Befragung bei 3500 Unternehmen durchgeführt, die repräsentativ nach Branche und Unternehmensgröße ausgewählt wurden. Im wesentlichen wurden dabei die Ergebnisse aus den Vorjahren bestätigt, so dass diese nun als sehr verlässlich angesehen werden können.
86 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, in den letzten fünf Jahren dauerhaft Dienstleistungen an externe Partner vergeben zu haben. Der wichtigste Grund für die Auslagerung von Dienstleistungen war mit 82 Prozent erwartungsgemäß die angestrebte Kostenersparnis. 79 Prozent der Unternehmen gaben an, sich für das Outsourcing von Teilbereichen des Unternehmens entschieden zu haben, um sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können. Als weitere Motive wurden fehlendes Know-how im eigenen Unternehmen (51 Prozent), das Streben nach Qualitätsverbesserung (37 Prozent) und die Überwindung von Personalengpässen genannt. Mit der Vergabe von Dienstleistungen an Externe wird also beabsichtigt, die eigenen Ressourcen besser zu nutzen und zugleich die entsprechende Leistung besser und kostengünstiger einzukaufen.
Interessant ist die Auswirkung des Outsourcing auf die Zahl der Arbeitsplätze in den auslagernden Unternehmen: 58 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, durch das Outsourcing sei die Zahl der Arbeitsplätze unverändert geblieben. In 6 Prozent der Fälle entstanden zusätzliche Jobs. In 37 Prozent der Fälle kam es zu Arbeitsplatzabbau. Dies steht im Gegensatz zur Wahrnehmung von Outsourcing in der Öffentlichkeit: Allzu oft wird die Auslagerung von Aufgabenbereichen aus einem Unternehmen generell mit Arbeitsplatzabbau gleichgesetzt. In der Gesamtbetrachtung müssen natürlich auch die bei den Dienstleistern neu geschaffenen Arbeitsplätze gesehen werden. Und dies waren in Hamburg allein im Zeitraum von 1995 bis 2004 rund 83000 Jobs.
Weiterhin wollten wir von den befragten Unternehmen wissen, welche Bereiche an Externe übertragen werden: 58 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, in den vergangenen fünf Jahren Aufgaben im Bereich von Reinigung und Wartung an Externe übertragen zu haben. 26 Prozent haben in diesem Zeitraum Sicherheitsdienstleistungen ausgelagert und 38 Prozent Buchhaltungstätigkeiten. Aber auch technisch anspruchsvolle Dienstleistungen werden zunehmend von externen Partnern erstellt: 45 Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren Aufgaben in der elektronischen Datenverarbeitung nach außen vergeben, 15 Prozent Ingenieurdienstleistungen. Weitere an Externe vergebene Aufträge betrafen die Bereiche Logistik (13 Prozent), Facilitymanagement (8 Prozent), Fuhrparkmanagement (6 Prozent) und Marketing (4 Prozent).
Die Erfahrungen, die Unternehmen mit dem Outsourcing gemacht haben sind überwiegend positiv: 71 Prozent der Unternehmen gaben an, Ihre Erwartungen hinsichtlich der positiven Effekte seien erfüllt worden. In 24 Prozent der Fälle wurden die Erwartungen noch teilweise erfüllt. Kein einziges befragtes Unternehmen gab an, die Erwartungen seien nicht erfüllt worden.
Dieses Ergebnis zeigt, dass die überwiegende Zahl der Auslagerung von Dienstleistungen zur Zufriedenheit der Auftraggeber abgewickelt wird. Das spricht für die Leistungsfähigkeit der Hamburger Dienstleistungswirtschaft. Das Ergebnis zeigt aber auch, dass es durchaus noch Optimierungspotenzial bei der Zusammenarbeit von Auftraggebern und Dienstleistern gibt. Am stärksten wichen Erwartung und Ergebnis im Bereich der gelieferten Qualität voneinander ab.
59 Prozent der befragten Unternehmen sehen die potenziell größte Schwierigkeit des Outsourcing in der Vorbereitung des Projekts. Mit großem Abstand folgen Sicherheitsaspekte (32 Prozent), die Gefahr der Abhängigkeit vom Dienstleister (31 Prozent), eng damit verbunden die eingeschränkte Verfügbarkeit (29 Prozent), da auf die Ressourcen des Dienstleisters nicht so flexibel wie auf eigene Ressourcen zugegriffen werden kann. Damit ist die gründliche Vorbereitung mit Abstand der wichtigste Erfolgsfaktor für Outsourcingprojekte. Auf die Frage, nach welchen Kriterien die Anbieter ausgewählt wurden, stehen entsprechend den verfolgten Zielen Flexibilität bezüglich der individuellen Anforderungen (85 Prozent) und der Preis (56 Prozent) eine wichtige Rolle. Weitere wichtige Kriterien sind die persönliche Bekanntschaft (39 Prozent), das Image des Dienstleisters (29 Prozent) und die räumliche Nähe, die für 24 Prozent der Befragten von Bedeutung ist.
Als Fazit der Studie ist festzuhalten:
Weitere Informationen: www.diwi-messe.de