
Ausländische Firmen für Ausbildung gewinnen
Warum bilden Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland kaum aus?
Das war die zentrale Frage der Konferenz „Aktiv für Ausbildungsplätze“
in der Handelskammer. Mit dem Vizepräses unserer Handelskammer Andreas Bartmann,
dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und
Forschung Andreas Storm, dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust
und der Unternehmerin und Vorsitzenden der ATU (Arbeitsgemeinschaft türkischer
Unternehmer und Existenzgründer) Aygül Özkan war die Konferenz
hochkarätig besetzt. „Die meisten Unternehmen mit Inhabern ausländischer
Herkunft wissen gar nicht, dass Sie überhaupt ausbilden können“, beschrieb
Vizepräses Bartmann das Kernproblem. Absolutes Ziel sei es daher, gerade diese
Unternehmer gezielter zu informieren, denn die Chance, dort Ausbildungsplätze zu
schaffen, dürfe nicht ungenutzt bleiben. „Hier ist noch Potenzial, und diese
Wirtschaftskraft gilt es zu nutzen“, bestätigte auch Staatssekretär
Storm, dessen Ministerium eine deutschlandweite Informationskampagne zu diesem Thema
organisiert. Bürgermeister von Beust stellte die Integrationskraft einer dualen
Berufsausbildung für Jugendliche in den Mittelpunkt: „Ich bin überzeugt,
wer mit 13, 14, 15 das Gefühl hat, ich werde nicht gebraucht, ich habe keine Chance,
der ist für sich selbst und für die Gesellschaft verloren.“ Gerade
Unternehmer ausländischer Herkunft könnten sich an dieser gesellschaftlichen
Aufgabe beteiligen, die weit über die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit
hinausginge. Doch weit schwieriger als die Identifikation der Probleme war die Entwicklung
einer Strategie, wie diese behoben werden können. Dabei waren sich die
Konferenzteilnehmer einig, dass es keinen Königsweg gibt. Es müsse an vielen
kleinen Schrauben gedreht werden. Die Handelskammer startete bereits 1996 ein Projekt,
um Unternehmen mit Migrationshintergrund vermehrt für die duale Ausbildung zu
gewinnen. Später ging daraus die ATU hervor. „Bei Unternehmen mit
Migrationshintergrund braucht man andere Strategien“, bestätigt der
ATU-Geschäftsführer Mehmet Keskin. „Wichtig sind vor allem der
persönliche Kontakt und das Gespräch, um Ängste und Vorurteile zu nehmen.
Da hilft kein Beratungshandbuch, da wird erst mal ein warmer Tee getrunken“, so
Keskin. Wenn man sich auf diese Unterschiede einstelle und die Beratungstätigkeit
intensiviere, sieht er gute Chancen, zukünftig viele Migrationsunternehmen für
die duale Berufsausbildung zu gewinnen.
Mediation
Die Mediationswoche mit zehn Informationsveranstaltungen, Workshops und Live-Mediationen
war mit insgesamt 308 Teilnehmern sehr gut besucht, und häufig wurde noch lange nach
Ende der Veranstaltung weiter über außergerichtliche Streitbeilegung diskutiert.
Vorher hatten die Teilnehmer erfahren, wie ein Mediationsverfahren abläuft und wie
dort gemeinsame Strategien zur Lösung von Problemen erarbeitet werden. Dabei geht es
nicht nur darum, einen Schlussstrich unter einen aktuellen Konflikt zu ziehen, sondern
auch um faire Absprachen für die zukünftige Zusammenarbeit. Ein Fazit zweier
Unternehmensvertreter hat alle Partner der Hamburger Mediationsstelle für
Wirtschaftskonflikte sehr gefreut: „Das Thema ist überraschend
interessant“.
Schulstrukturreform
Mehr Wirtschaftsnähe, besseres Schulmanagement und Qualitätssteigerungen
in allen Schulformen – diese Forderungen formulierte das Ehrenamt der
Handelskammer in einer erweiterten Plenarsitzung mit Bildungssenatorin Alexandra
Dinges-Dierig am 1. März im Hinblick auf die geplante Reform des
Hamburger Schulsystems. Neben dem Gymnasium soll es nach dem Willen des Senats
künftig nur noch eine „Stadtteilschule“ geben, in der die
Schüler von Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie alle Fachgymnasien in
gemeinsamen Klassenverbänden zusammengefasst werden.
Steuerforum
Wenn Unternehmen Funktionsverlagerungen ins Ausland vornehmen, will die deutsche
Finanzverwaltung künftig nicht nur materielle Wirtschaftsgüter bei der
Überführung ins Ausland, sondern auch Geschäfts- und Gewinnchancen
besteuern. Wie dies vor sich geht und welche Reichweite die Besteuerung erlangen
kann, war Thema unseres ersten Steuerforums in diesem Jahr am 28. Februar. Moderiert
von Christian Schmidt diskutierten 70 Teilnehmer mit den Referenten unter anderem
über Bewertungsfragen bei Funktionsverlagerungen und den damit verbundenen
Dokumentationsanforderungen.
New-Kammer
„Herzlich willkommen“ hieß es für 182 Neumitglieder. Die
Existenzgründerinnen und -gründer informierten sich, welche Leistungen
und Services die Handelskammer ihnen konkret bietet. Nach dem Get-together
führte der Geschäftsführer des Bereiches Service, Jörn
Schüßler, durchs Programm. Als Podiumsgast begrüßte er
Florian Koenen von der Topos Personalberatung GmbH. Der Wirtschaftsjunior
berichtete von seinem ehrenamtlichen Engagement für die Hamburger Wirtschaft
und ermunterte die Besucher, ebenfalls aktiv zu werden. Die anschließende
Visitenkarten-Party, auf der sich auch die Geschäftsbereiche der Kammer
präsentierten, nutzten die Neu-Unternehmer für Networking bei einem
Gläschen Wein.
Bundeswehr
Seit 45 Jahren lädt die Handelskammer die Teilnehmer des internationalen
Lehrgangs der Führungsakademie der Bundeswehr jedes Jahr zu einem Informationstag
über den Wirtschaftsstandort Hamburg ein. Jetzt war der
aktuelle Lehrgang Gast in unserer Handelskammer: Insgesamt 75 Teilnehmer aus 33
Nationen erfuhren Einzelheiten über Geschichte und Arbeit der Handelskammer,
die Entwicklungsperspektiven des Wirtschaftsstandorts Hamburg und nahmen an einer
Führung durch das Börsengebäude teil. Am Abend lud die Handelskammer
die Lehrgangsteilnehmer zusammen mit Vertretern des konsularischen Korps und der
Hamburger Wirtschaft in das „Alte Rathaus“ ein.
Russland
Oleg Betin, Gouverneur der Region Tambow, stellte bei einem Besuch in der Handelskammer
die wirtschaftlichen Schwerpunkte seines Gebietes vor. Tambow liegt gut 400 Kilometer
südöstlich von Moskau. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die chemische
Industrie und der Maschinenbau. In den dortigen Unternehmen der ebenfalls sehr starken
Nahrungsmittelverarbeitung sind deutsche Maschinen gut vertreten. Betin versucht, in
seiner Region die Umwandlung von agrarischen Rohstoffen in umweltfreundliche Treibstoffe
intensiv voranzubringen. Zur Erkundung entsprechender Verfahren und der dazu gehörigen
Technik diente sein Deutschland-Besuch, der von der Hamburger Vertretung der Russischen
Kammerorganisation vorbereitet und begleitet wurde.