Handelskammer Hamburg 2007

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Treffpunkt

HIGHLIGHT

Ausländische Firmen für Ausbildung gewinnen
Warum bilden Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland kaum aus? Das war die zentrale Frage der Konferenz „Aktiv für Ausbildungsplätze“ in der Handelskammer. Mit dem Vizepräses unserer Handelskammer Andreas Bartmann, dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Andreas Storm, dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust und der Unternehmerin und Vorsitzenden der ATU (Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer und Existenzgründer) Aygül Özkan war die Konferenz hochkarätig besetzt. „Die meisten Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft wissen gar nicht, dass Sie überhaupt ausbilden können“, beschrieb Vizepräses Bartmann das Kernproblem. Absolutes Ziel sei es daher, gerade diese Unternehmer gezielter zu informieren, denn die Chance, dort Ausbildungsplätze zu schaffen, dürfe nicht ungenutzt bleiben. „Hier ist noch Potenzial, und diese Wirtschaftskraft gilt es zu nutzen“, bestätigte auch Staatssekretär Storm, dessen Ministerium eine deutschlandweite Informationskampagne zu diesem Thema organisiert. Bürgermeister von Beust stellte die Integrationskraft einer dualen Berufsausbildung für Jugendliche in den Mittelpunkt: „Ich bin überzeugt, wer mit 13, 14, 15 das Gefühl hat, ich werde nicht gebraucht, ich habe keine Chance, der ist für sich selbst und für die Gesellschaft verloren.“ Gerade Unternehmer ausländischer Herkunft könnten sich an dieser gesellschaftlichen Aufgabe beteiligen, die weit über die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit hinausginge. Doch weit schwieriger als die Identifikation der Probleme war die Entwicklung einer Strategie, wie diese behoben werden können. Dabei waren sich die Konferenzteilnehmer einig, dass es keinen Königsweg gibt. Es müsse an vielen kleinen Schrauben gedreht werden. Die Handelskammer startete bereits 1996 ein Projekt, um Unternehmen mit Migrationshintergrund vermehrt für die duale Ausbildung zu gewinnen. Später ging daraus die ATU hervor. „Bei Unternehmen mit Migrationshintergrund braucht man andere Strategien“, bestätigt der ATU-Geschäftsführer Mehmet Keskin. „Wichtig sind vor allem der persönliche Kontakt und das Gespräch, um Ängste und Vorurteile zu nehmen. Da hilft kein Beratungshandbuch, da wird erst mal ein warmer Tee getrunken“, so Keskin. Wenn man sich auf diese Unterschiede einstelle und die Beratungstätigkeit intensiviere, sieht er gute Chancen, zukünftig viele Migrationsunternehmen für die duale Berufsausbildung zu gewinnen.

Veranstaltet

Mediation
Die Mediationswoche mit zehn Informationsveranstaltungen, Workshops und Live-Mediationen war mit insgesamt 308 Teilnehmern sehr gut besucht, und häufig wurde noch lange nach Ende der Veranstaltung weiter über außergerichtliche Streitbeilegung diskutiert. Vorher hatten die Teilnehmer erfahren, wie ein Mediationsverfahren abläuft und wie dort gemeinsame Strategien zur Lösung von Problemen erarbeitet werden. Dabei geht es nicht nur darum, einen Schlussstrich unter einen aktuellen Konflikt zu ziehen, sondern auch um faire Absprachen für die zukünftige Zusammenarbeit. Ein Fazit zweier Unternehmensvertreter hat alle Partner der Hamburger Mediationsstelle für Wirtschaftskonflikte sehr gefreut: „Das Thema ist überraschend interessant“.

Schulstrukturreform
Mehr Wirtschaftsnähe, besseres Schulmanagement und Qualitätssteigerungen in allen Schulformen – diese Forderungen formulierte das Ehrenamt der Handelskammer in einer erweiterten Plenarsitzung mit Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig am 1. März im Hinblick auf die geplante Reform des Hamburger Schulsystems. Neben dem Gymnasium soll es nach dem Willen des Senats künftig nur noch eine „Stadtteilschule“ geben, in der die Schüler von Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie alle Fachgymnasien in gemeinsamen Klassenverbänden zusammengefasst werden.

Steuerforum
Wenn Unternehmen Funktionsverlagerungen ins Ausland vornehmen, will die deutsche Finanzverwaltung künftig nicht nur materielle Wirtschaftsgüter bei der Überführung ins Ausland, sondern auch Geschäfts- und Gewinnchancen besteuern. Wie dies vor sich geht und welche Reichweite die Besteuerung erlangen kann, war Thema unseres ersten Steuerforums in diesem Jahr am 28. Februar. Moderiert von Christian Schmidt diskutierten 70 Teilnehmer mit den Referenten unter anderem über Bewertungsfragen bei Funktionsverlagerungen und den damit verbundenen Dokumentationsanforderungen.

New-Kammer
„Herzlich willkommen“ hieß es für 182 Neumitglieder. Die Existenzgründerinnen und -gründer informierten sich, welche Leistungen und Services die Handelskammer ihnen konkret bietet. Nach dem Get-together führte der Geschäftsführer des Bereiches Service, Jörn Schüßler, durchs Programm. Als Podiumsgast begrüßte er Florian Koenen von der Topos Personalberatung GmbH. Der Wirtschaftsjunior berichtete von seinem ehrenamtlichen Engagement für die Hamburger Wirtschaft und ermunterte die Besucher, ebenfalls aktiv zu werden. Die anschließende Visitenkarten-Party, auf der sich auch die Geschäftsbereiche der Kammer präsentierten, nutzten die Neu-Unternehmer für Networking bei einem Gläschen Wein.

Besucht

Bundeswehr
Seit 45 Jahren lädt die Handelskammer die Teilnehmer des internationalen Lehrgangs der Führungsakademie der Bundeswehr jedes Jahr zu einem Informationstag über den Wirtschaftsstandort Hamburg ein. Jetzt war der aktuelle Lehrgang Gast in unserer Handelskammer: Insgesamt 75 Teilnehmer aus 33 Nationen erfuhren Einzelheiten über Geschichte und Arbeit der Handelskammer, die Entwicklungsperspektiven des Wirtschaftsstandorts Hamburg und nahmen an einer Führung durch das Börsengebäude teil. Am Abend lud die Handelskammer die Lehrgangsteilnehmer zusammen mit Vertretern des konsularischen Korps und der Hamburger Wirtschaft in das „Alte Rathaus“ ein.

Russland
Oleg Betin, Gouverneur der Region Tambow, stellte bei einem Besuch in der Handelskammer die wirtschaftlichen Schwerpunkte seines Gebietes vor. Tambow liegt gut 400 Kilometer südöstlich von Moskau. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die chemische Industrie und der Maschinenbau. In den dortigen Unternehmen der ebenfalls sehr starken Nahrungsmittelverarbeitung sind deutsche Maschinen gut vertreten. Betin versucht, in seiner Region die Umwandlung von agrarischen Rohstoffen in umweltfreundliche Treibstoffe intensiv voranzubringen. Zur Erkundung entsprechender Verfahren und der dazu gehörigen Technik diente sein Deutschland-Besuch, der von der Hamburger Vertretung der Russischen Kammerorganisation vorbereitet und begleitet wurde.

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2007