
Eine erfolgreiche Hamburger Integrationsgeschichte spielt im 16. Jahrhundert die Ansiedlung der Niederländer in der Hansestadt. Es waren vor allem niederländische Glaubensflüchtige, die aus einer der wichtigsten und fortschrittlichsten Regionen Europas kamen und Hamburg als Zufluchtsort wählten. Hamburg war ihnen vertraut, weil sie jahrelang enge Handelsbeziehungen mit den Hanseaten pflegten. Sie brachten Handelskontakte und Kapital mit in die Stadt, führten zahlreiche Gewerbe, wie die Samtweberei und Zuckerraffinerie, ein. Sie schufen Arbeitsplätze, mischten mit in der Politik und bereicherten das Hamburger Stadtleben. Trotz Widerstände machten sie Hamburg zu ihrer Heimat.
Der Hamburger Geschichtswissenschaftler Alexander Nikolajczyk hat sich in dem Essay Integriert oder ausgegrenzt? Die Stellung der niederländischen Einwanderer im frühzeitlichen Hamburg mit den niederländischen Immigranten befasst. Er fokussiert die Zeit von 1560 bis 1653, schließt also mit dem Jahr der Einführung der Fremdenartikel wie man das damalige Ausländergesetz nannte ab.
Der Artikel über die niederländischen Immigranten erscheint in der aktuellen Hamburger Wirtschafts-Chronik, die von der Wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsstelle in Hamburg herausgegeben wird. Bereits zum sechsten Mal haben die Historiker Sven Tode und Frank Hatje Forschungsergebnisse, wissenschaftliche Trends und Rezensionen von Neuerscheinungen zusammengetragen. Sie arbeiten ehrenamtlich.
In der aktuellen HWC beschäftigt sich zum Beispiel Lars Amenda mit Alexander Zinn, dem Leiter der Staatlichen Pressestelle von 1920 eine für Hamburg wichtige Unternehmerpersönlichkeit, die den Tourismus der Stadt vorangetrieben hat. Ein Artikel von Jan Strassenburg Wider der Armut handelt von Suppliken und Supplikanten im Rostock des 18. Jahrhunderts. Die Amerikanerin Katherine Aaslestad wirft einen Blick auf Hamburg im Jahr 1806. Wirtschaftskrieg und moderner hanseatischer Regionalismus sind ihre Themen. Doch zurück zu Alexander Nikolajczyk und seiner Forschung über die Niederländer. Sein Essay behandelt mehrere Fragen: Welche Stellung hatten die Niederländer im frühzeitlichen Hamburg? Wurden sie schnell ein integrierter Bestandteil der Gesellschaft? Oder waren sie vielleicht sozial ausgegrenzt und konnten gerade aus dieser Position heraus ihre Wirtschaftlichkeit voll entfalten?
Für die Historiker Sven Tode und Frank Hatje liefert die geschichtliche Auseinandersetzung mit dem Thema Integration einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über Migration. Seit 2000 leitet Sven Tode ehrenamtlich die Wirtschaftsgeschichtliche Forschungsstelle, die bereits 1947 von den Historikern Percy Ernst Schramm und Ernst Hieke gegründet wurde. Finanziert wird die Wirtschaftsgeschichtliche Forschungsstelle von ihren Mitgliedern, hauptsächlich Hamburger Unternehmen, und auch von der Handelskammer. Der Verein initiiert und fördert Forschungsprojekte, bearbeitet historisch bedeutsame Firmenarchive und Quellenbestände, organisiert Tagungen und Kongresse, publiziert Bücher und Beihefte.
Mit Erfolg. Denn dass die Hamburger Wirtschaft auch international fasziniert, zeigt die Verbreitung der Hamburger Wirtschafts-Chronik. Die Universitäten Sorbonne und Harvard, die British Library und die Library of Congress haben sie abonniert. In Hamburg ist die aktuelle HWC für 19 Euro im Verlag Hanseatischer Merkur erhältlich.