
Dieses Schild erfreut in Wellingsbüttel Geschäftsinhaber und Kunden gleichermaßen: Neueröffnung des SB-Marktes Anfang Oktober. Mehr als zehn Jahre lang setzte sich die Interessengemeinschaft Wellingsbüttel dafür ein, wieder ein Lebensmittelgeschäft in den Ortskern zu holen. Nachdem ein kleiner Supermarkt und ein Fischgeschäft aufgegeben hatten, waren immer mehr Kunden dem Zentrum ferngeblieben, worunter die verbliebenen Geschäfte litten.
Jetzt wird ein neues Büro- und Einkaufszentrum gebaut. Wir sind glücklich, dass wir unseren Kunden nun wieder ein abgerundetes Angebot bieten können, sagt Klaus-Dieter Drews vom Vorstand der Interessengemeinschaft, davon werden auch die kleineren Geschäfte wie Optiker, Blumengeschäft, Boutiquen, Drogerien und Apotheken profitieren. Das Zentrum bringt nicht nur 900 Quadratmeter neue Einkaufsfläche auch mehrere Ärzte werden hier neue Praxen eröffnen. Der Wochenmarkt, der dienstag- und freitagvormittags auf dem Marktplatz stattfindet, hält ein zusätzliches Angebot an frischen Waren bereit.
Wellingsbüttel löst damit ein Problem, das viele der unzähligen Nahversorgungszentren gemeinsam haben. Anders als in den Bezirkszentren und Bezirksentlastungszentren wie Wandsbek oder Farmsen und den Stadtteilzentren wie Volksdorf ist in ihnen die wohnungsnahe Versorgung oft nicht sichergestellt. In diesen Stadtteilen geben nach dem Weggang von Lebensmittelgeschäften, die ein hohe Frequenz an Kunden brachten, weitere Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe auf. Diese Veränderung in der Einzelhandelslandschaft vollzieht sich bereits seit Jahrzehnten. Großflächige Betriebsformen wie Verbrauchermärkte (ab 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche) und Discounter lösen die klassischen Nachbarschaftsgeschäfte (bis 250 Quadratmeter Verkaufsfläche) und Supermärkte (400 Quadratmeter Verkaufsfläche) ab, da sich kleine Betriebsformen kaum noch rechnen.
Intakte Nahversorgungszentren sind aber notwendig, um auch wenig mobile Kunden zu versorgen und Begegnungsräume im Quartier aufrechtzuerhalten. In vielen Stadtteilen übernehmen die Discounter die Nahversorgung, wie beispielsweise am Adolf-Menge-Platz in Wilhelmsburg. Andernorts sind es Unternehmer aus Einwandererfamilien, die die Nischen besetzen oder spezielle Waren anbieten. Diese Betriebe rechnen sich teilweise nur, weil sich die gesamte Familie dort einsetzt.
Ein Beispiel dafür ist der 550 Quadratmeter große Frische-Markt Sari am U-Bahnhof Steinfurther Allee in Billstedt. Wir bieten unseren Kunden ein Sortiment von rund 2000 Produkten an, darunter auch viele türkische, afghanische und russische Spezialitäten, sagt Geschäftsführerin Sevim Sari, viele unserer rund 600 Stammkunden sind schon älter; diesen liefern wir die Ware auch kostenlos nach Hause.
In Wellingsbüttel hat die Politik einer zusätzlichen Einzelhandelsfläche für einen Supermarkt zugestimmt. Wenn die Politik dies auch an anderen Orten tut und die Ausweisung von Einzelhandel an nicht-integrierten Standorten restriktiver handhabt, werden die Nahversorgungszentren nicht weiter geschwächt. Die Herausforderung für die Zukunft liegt darin, die verschiedenen Interessen der Akteure aus Politik, Verwaltung, Planern, Wirtschaft und lokalen Initiativen abzuwägen und auszugleichen.
Hamburger Forum Nahversorgung
Wie können öffentliche und private Akteure die Nahversorgung sichern? Welche
Rolle spielen die Zentren? Dies und mehr sind Themen beim Hamburger Forum Nahversorgung.
23. Oktober, 9 Uhr, in der Handelskammer. Anmeldung und Programm unter:
www.nahversorgungstag.de