
Das gelbe Polohemd mit IKEA-Schriftzug war für Volker Wallrabenstein wie eine Eintrittskarte: „Durch die Ikea-Uniform war ich von den normalen Mitarbeitern nicht zu unterscheiden und wurde so gleich ins kalte Wasser geworfen“, berichtet er über seinen ersten Tag als Praktikant bei Ikea Moorfleet. „Mein erster Einsatzort war die Lampenabteilung – dort hieß es gleich von Anfang an räumen, tun, Kunden bedienen.“ In seinem normalen Berufsleben geht es allerdings um ganz anderes als Lampen, Regale und Betten: Der 61-Jährige unterrichtet Mathematik, Deutsch und Arbeitslehre an der Realschule Steinadlerweg in Billstedt. Praktikant bei Ikea wurde er durch das Projekt „Innenansichten – Lehrer erleben Wirtschaft“.
Unsere Handelskammer und die Bildungsbehörde bieten Hamburger Lehrern im Rahmen dieses Projekts 2007 bereits im zehnten Jahr eine besondere Möglichkeit zur Fortbildung an: Fünf Arbeitstage lang lernen sie in den Schulferien als Praktikanten den Alltag in einem Wirtschaftsunternehmen kennen. Zu seinem Praktikum beim schwedischen Möbelmagnaten hat sich Volker Wallrabenstein entschlossen, um seine Schüler noch besser auf das vorbereiten zu können, was sie in der Arbeitswelt erwartet.
Und gute Berufsvorbereitung tut not. Ausbildungsbetriebe wissen: Vielen Schulabgängern fehlen heute Kenntnisse und Fertigkeiten, die für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben notwendig sind. Dies betrifft zum Einen die fachliche Qualifikation der Bewerber. Wer im Bewerbungsverfahren Defizite bei den notwendigen Mathematikkenntnissen oder der Beherrschung der deutschen Sprache erkennen lässt, wird es bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz im Traumberuf schwer haben.
Ausbildungsbetriebe bemängeln aber gleichermaßen Schwierigkeiten mit den „soft skills“: Wenn Pünktlichkeit, Höflichkeit und Teamverhalten nicht stimmen, verspricht das kaum Gutes für die spätere Zusammenarbeit im Unternehmen. Tatsächlich gewinnt gerade dieser Aspekt für junge Bewerber immer weiter an Bedeutung, denn Unternehmen stellen Persönlichkeitswerte, Motivationsfaktoren und grundsätzliche Werteinstellungen bei der Auswahl von Nachwuchskräften zunehmend in den Vordergrund. Deshalb ist es wichtig, dass Schüler nicht nur nach Lehrplan, sondern praxisgerecht und mit Blick auf das spätere Arbeitsleben lernen. Ohne die Wirtschaft funktioniert das natürlich nicht. Schülerpraktika, Bewerbungstrainings und Unterrichtseinheiten in Betrieben sind bewährte Beispiele für das große Engagement der Hamburger Firmen rund um das Thema Schule. Lehrerbetriebspraktika runden dieses Engagement ab. Der praktische Einblick in den Arbeitsalltag eines Unternehmens hilft Lehrern besonders effektiv, Schüler noch besser auf Bewerbungsverfahren, Ausbildung und spätere Berufstätigkeit vorzubereiten. Lehrer Wallrabenstein bestätigt dies: „Unmittelbare Erfahrungen in Unternehmen sind durch nichts zu ersetzen.“
Praktika im Rahmen der „Innenansichten“ werden mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Management, Ausbildung und Personalentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, Produktion sowie IT angeboten. Natürlich ist aber auch jeder andere Schwerpunkt möglich, den ein teilnehmendes Unternehmen für seinen Praktikanten gestalten möchte. In den vergangenen neun Jahren nutzten insgesamt rund 700 Lehrer die Gelegenheit, zu erfahren, wie Wirtschaft praktisch funktioniert. Volker Wallrabenstein kann ein Praktikum im Rahmen der „Innenansichten“ jedem Kollegen empfehlen: „Es war eine tolle Erfahrung, die ich auf jeden Fall wiederholen möchte“, fasst er seine Erfahrung mit dem Projekt zusammen.
Die „Innenansichten“ nützen also den Schülern, die eine bessere Ausbildung erhalten. Gleichzeitig sind Sie aber auch für die Unternehmen sinnvoll, deren Bewerber und Berufsanfänger besser vorbereitet werden.
Im Jahr 2006 nahmen rund 60 Unternehmen an den „Innenansichten“ teil. Dabei war ein breites Spektrum an Branchen vertreten: Vom klassischen Industriebetrieb über die Logistikbranche und das Verlagswesen bis hin zu Hotelgewerbe und Kulturwirtschaft standen den Lehrern alle Türen offen.
Auch 2007 möchte unsere Handelskammer wieder möglichst vielen Hamburger Lehrern Einblicke in das spätere Arbeitsleben der Schüler von heute gewähren. Hierzu brauchen wir die Unterstützung der Unternehmen in der Hansestadt. Nehmen Sie daher mit Ihrem Unternehmen am Projekt „Innenansichten“ teil und tragen Sie dazu bei, dass der Berufseinstieg für noch mehr Schulabgänger und Ausbildungsbetriebe zum Erfolg wird.