Handelskammer Hamburg 2007

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Serie: Elblabor

Mehr als heiße Luft

Mit einem speziellen Motor möchte das Hamburger Unternehmen Thermodyna den Photovoltaikmarkt umkrempeln. Und auch in etlichen weiteren Bereichen soll der „Schukey-Motor“, der Wasserdampf in Bewegungsenergie umwandelt und einen Generator antreibt, Geld sparen und die Umwelt schonen.

Es ist ein unscheinbares Gebäude: Reihenendhaus in Alsterdorf, roter Klinker, schlichte hölzerne Eingangstür. Doch was im Dachgeschoss vorbereitet wird, könnte sich auch in der obersten Etage eines Weltkonzerns abspielen: Der Sturm auf den Photovoltaikmarkt.

Mit einem neuartigen Motor möchte Reinhard Kupfernagel, Geschäftsführer der Thermodyna Maschinen und Anlagen GmbH, den etablierten Solarmodulen zu Leibe rücken. Sein Ziel: den aktuellen Preis von rund 50 Cent für eine Kilowattstunde Solarstrom zu halbieren. Der 59-Jährige ist sich seiner Sache überaus sicher: „Das ist die perfekte Anlage für Privathaushalte.“ Ebenso sein Berater und zukünftiger Mitgesellschafter, Wirtschaftsingenieur Volker Bergholter: „Die Maschine ist genial simpel konstruiert. Keine Elektronik, weniger als 50 Einzelteile.“

Erfunden wurde die Anlage, von Kupfernagels früherem Mitgesellschafter Jürgen Schukey.

Das Prinzip des nach ihm benannten Motors, der sowohl als Wärmekraft- als auch als Kältemaschine betrieben werden kann, ist verblüffend einfach. Wo sonst flüssige Arbeitsmedien wie Wasser oder Öle eingesetzt werden, setzen die Hamburger auf Wasserdampf beziehungsweise Luft. Um dies zu ermöglichen, hat Schukey eine einzigartige Maschine konstruiert: Doppelt konische Zahnräder bewegen zwei vierflügelige Rotorsätze. Dabei öffnen und schließen sich, mit zyklischer Geschwindigkeitsänderung, acht Kammern. Beim Öffnen saugen sie das Arbeitsmedium an, beim Schließen komprimieren sie es. Je Umdrehung bewegt die Maschine acht Liter, 64-mal öffnen und schließen sich die Kammern bei jeder Umdrehung. Das komprimierte Medium durchströmt eine von vier Auslassöffnungen und wird in einen externen Wärmetauscher geleitet. Hier wird es erhitzt und durch eine von vier Einlassöffnungen wieder in den Motor geführt. Nun strömt es in die Kammern, dehnt sich aus und treibt dabei den Rotor an – der Motor läuft.

Ein besonders umweltschonender Aspekt: Die Maschine kann mit Abwärmequellen betrieben werden. Beispielsweise mit den bis zu 600 Grad heißen Abgasströmen auf Motoryachten, aus denen ein Schukey-Motor den Bordstrom produzieren kann. In diesem Bereich bietet sich für den Motor ein riesiger Absatzmarkt: Allein in Europa gibt es 700 Hersteller, die jährlich rund 10000 Boote bauen. Viele von ihnen haben bereits großes Interesse an der Schukey-Technik bekundet, verrät Reinhard Kupfernagel.

Neben Motoryachten blicken die Hamburger vor allem auf den Photovoltaikmarkt. Besitzern von Ein- und Zweifamilienhäusern wollen sie kleine Kraftwerke anbieten, die Strom und Warmwasser erzeugen. Eine Kombination aus Solaranlage und Schukey-Motor soll bis zu zehn Kilowatt elektrische und 40 Kilowatt thermische Energie liefern. „Die Preise werden dabei unter denen für extern erworbenen Strom oder Warmwasser liegen“, prophezeit Kupfernagel. Dafür erhalte er zunehmend Unterstützung von außen, freut sich Kupfernagel: „Wegen der Klima-Horrormeldungen interessieren sich viele Seiten für unsere Idee.“ Noch existieren die Kraftwerke nur in den Köpfen der Ingenieure beziehungsweise als Modell. Aber schon 2008 sollen erste Demonstrationsanlagen in den Testbetrieb gehen. Preis je Anlage: weniger als 20000 Euro. Für den Anfang möchte Kupfernagel 10000 Anlagen für den europäischen Markt produzieren, also rund 200 Millionen Euro umsetzen.

„Wir wollen natürlich Geld verdienen“, erklärt Reinhard Kupfernagel, „aber gleichzeitig wollen wir auch einen Beitrag zur CO2-Minderung leisten.“ Dazu stellt er sich vor, wo sein Schukey-Motor noch überall eingesetzt werden könnte. „Im Prinzip ist das überall, wo Abwärme entsteht. Vom Automobil bis zur Ziegelei.“ Einzige Voraussetzung: Das Abgas sollte mindestens 120 Grad heiß sein. Je heißer und reichhaltiger es strömt, desto höher ist der Wirkungsgrad. Gebaut werden sollen die rasenmähergroßen Aggregate bei zwei Unternehmen in Berlin. Die Prototypen entstanden in Zusammenarbeit mit den Technischen Universitäten in Dresden und Hamburg-Harburg. Ganz aus eigener Kraft werden die Hamburger den Sprung auf den Markt nicht schaffen. Deshalb suchen sie nach Sponsoren. Doch schon jetzt seien seine Pläne nicht mehr nur heiße Luft, verrät Reinhard Kupfernagel: Es winken Fördermittel aus Berlin, Bremen oder Hamburg.

Daniel Hautmann
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
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hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2007