Handelskammer Hamburg 2007

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Technologietransfer

Miteinander stark sein

Das Center of Maritime Technologies ist ein gelungenes Beispiel für die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Das Forschungs-Netzwerk ermöglicht es auch kleinen und mittelständischen Unternehmen der maritimen Industrie, Innovationen zu entwickeln und so am Markt mithalten zu können.

Die maritime Industrie ist einer der beständigsten Wirtschaftszweige der Hafenstadt Hamburg. Zu der Branche gehören Unternehmen mit unterschiedlichsten Spezialisierungen, die Bandbreite der Produkte reicht von hoch entwickelten Filteranlagen über Navigationssysteme bis hin zu Rettungswesten.

Um auf dem Weltmarkt weiter mithalten zu können, müssen die Unternehmen kontinuierlich Innovationen entwickeln. Dafür ist es meist notwendig, Partner zu finden. Eine Anlaufstelle für die maritime Industrie ist das Center of Maritime Technologies (CMT) mit Sitz in Hamburg. Dieser Forschungsverbund wurde 2003 gegründet und ist die Nachfolgeorganisation des 1965 in Hamburg gegründeten Forschungszentrums des Deutschen Schiffbaus. Hier fanden und finden sich Akteure aus den Bereichen Werften, Zulieferindustrie, Schifffahrt, maritime Dienstleistung, Wissenschaft, Hochschulen und Behörden. Mittlerweile sind 80 Unternehmen und Organisationen im CMT aktiv. Das CMT initiiert Innovationen sowie Forschung und Entwicklung durch allgemeine Informationen, individuelle Beratung und Unterstützung sowie durch Auftragsforschung mit eigenen Kapazitäten in ausgewählten Fachgebieten.

Das CMT stellt nicht nur eine Vielzahl von Informationen aus der Forschung bereit, sondern wartet zudem mit einer besonderen Dienstleistung auf: Die Koordination der industriellen Gemeinschaftsforschung für seine Vereinsmitglieder. Diese Gemeinschaftsforschung ist vorwettbewerblich und anwendungsbezogen. Das heißt, sie ist zwischen Grundlagenforschung und der firmenspezifischen Entwicklung von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen angesiedelt. Hier werden Themen bearbeitet, die sich von der eigentlichen Grundlagenforschung dadurch abheben, dass sie erkennbar anwendungsbezogen sind. Gleichzeitig sind sie von der Entwicklung konkreter Produkte, Verfahren und Dienstleistungen so weit entfernt, dass einzelne Unternehmen genügend Spielraum haben, die Ergebnisse entsprechend ihrer Anforderungen umzusetzen. So werden Innovationen auch für kleine und mittelständische Unternehmen möglich, die keine eigene Forschungsabteilung unterhalten können.

Die Mitarbeit der Wirtschaft ist hierbei das zentrale Element: Die Themenvorschläge für Projekte der Gemeinschaftsforschung kommen aus den Unternehmen. Forschungsstellen sind in der Regel Hochschulinstitute oder Forschungseinrichtungen. Das CMT unterstützt die Forschungsstellen bei der Antragstellung, setzt einen projektbegleitenden Ausschuss ein, begleitet die Arbeit während des Projekts und veröffentlicht den Abschlussbericht, der die Ergebnisse allen Mitgliedern zugänglich macht. Der große Vorteil für die Industrieunternehmen: Erfahrungen werden gebündelt, knappe Ressourcen in den Unternehmen entlastet.

Die grundsätzliche strategische Ausrichtung des CMT legt ein Beirat fest. Dessen Mitglieder kommen aus Wirtschaft und Wissenschaft, so dass auch hier ein Zusammenspiel der Akteure für den Technologietransfer gewährleistet ist. Ein weiteres Gremium, der technisch-wissenschaftliche Ausschuss, hat die Aufgabe, Forschungs- und Entwicklungsprojekte der industriellen Gemeinschaftsforschung auszuwählen und fachlich zu betreuen. Dabei berücksichtigt er – im Rahmen des verfügbaren Budgets – die Anforderungen der Mitgliedsunternehmen.

Auf diese Weise sind in jüngster Zeit Forschungsprojekte zu den unterschiedlichsten Themen entstanden. Beispiele sind die Entwicklung eines Programms zur Berechnung von Zurr- und Laschkräften auf RoRo-Schiffen, die Güter im „Roll on Roll off“-Verfahren transportieren, die Versteifung von Plattenstrukturen aus dem Stahlschiffbau und vergleichende Untersuchungen von Verfahren zur Stickstoffoxyd-Reduzierung. Regelmäßige Informationen aus Forschung und Entwicklung runden das Angebot ab.

Das CMT stellt mit seinen Mitgliedern nicht nur ein Forschungsnetzwerk dar, sondern sucht auch aktiv Kontakt zu anderen Netzwerken. So besteht eine Zusammenarbeit mit dem Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) und der Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Gemeinsame Facharbeitskreise helfen dem CMT bei seinen Aufgaben, Informationstransparenz zu schaffen, Kontakte zwischen Forschungspartnern aufzubauen und Beratungsleistungen zu erbringen. Das CMT ist für Projektideen, gerade von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die über keine eigene Forschungskapazitäten verfügen, jederzeit offen. Damit trägt das CMT wesentlich dazu bei, dass die maritime Industrie auch in Zukunft einer der beständigsten Wirtschaftszweige Hamburgs bleibt.

Paul Raab
paul.raab@hk24.de
Telefon 36 13 8 263

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2007