Handelskammer Hamburg 2007

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Entwicklungstrends

Personalmanagement für Fortgeschrittene

Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften und Akademikern nimmt zu. Damit steigt der Druck auf das Personalmanagement vieler Unternehmen. Neue Arbeits- und Organisationsformen werden die Zukunft bestimmen, doch auch die Ansprüche der Mitarbeiter verändern sich.

Globalisierung, Flexibilisierung, Wissensgesellschaft – die Welt der Wirtschaft verändert sich schnell und nachhaltig. Das ist heute eine Binsenweisheit. Neben bekannten Debatten über internationale Markenpiraterie oder die Verlagerung von Produktionsstandorten entsteht für alle Unternehmen eine weitere Herausforderung: Die Arbeit der Zukunft wird bestimmt werden durch neue Arbeitsformen, die sich deutlich von der heute bekannten Realität des Arbeitsmarktes unterscheiden. Es wird kaum noch unbefristete Beschäftigungen bis zur Rente geben.

Das weiß auch Thorsten Becker, geschäftsführender Gesellschafter der Management Angels GmbH, die Manager auf Zeit vermittelt: „Die Zahl der Freiberufler und externen Dienstleister steigt dramatisch. Kunden wollen flüchtige Marktchancen immer schneller ergreifen. Dafür suchen sie kurzfristig kompetente Unterstützung. Es wird immer wichtiger, dass die richtige Person zur richtigen Zeit an den richtigen Ort kommt!“

Über Jahrzehnte haben sich Gesellschaft und Wirtschaft daran gewöhnt, dass der Arbeitsmarkt mit Arbeitnehmern überfüllt ist und auch qualifizierte Kräfte relativ einfach und günstig zu haben sind. Allein der jüngste konjunkturelle Aufschwung zeigt jedoch, dass gute Facharbeiter nicht mehr in allen Branchen ohne Weiteres zu bekommen sind und vor allem nicht befristet. Das betont auch Claus Fehling von der GMC Glasow Management Consulting GmbH: „Nun zeigt sich, dass die Unternehmen auf veränderte Anspruchshaltungen der Arbeitskräfte stärker eingehen müssen. Und dabei geht es nicht unbedingt um die Höhe des Jahresgehalts.“

Der Druck auf die Unternehmen, ihren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften und Akademikern über ein anspruchsvolles Personalmanagement zu decken, steigt zudem noch an. Der demografische Wandel wird bereits bis 2020 dafür sorgen, dass die Zahl der Erwerbsfähigen in Deutschland um rund zwei Millionen Menschen zurückgeht. Dass zeigt die elfte koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Zudem steigen die Ansprüche der Beschäftigten. Ein qualifizierter Arbeitsplatz werde sich zukünftig auch daran messen lassen müssen, wie er der persönlichen Entwicklung des Einzelnen und dessen Karrierezielen dient, ist sich Claus Fehling sicher: „Da die Arbeitsplatzsicherheit deutlich reduziert ist, werden sich Arbeitnehmer verstärkt als Unternehmer in eigener Sache verstehen müssen und dementsprechend auf dem Arbeitsmarkt agieren.“

Die Ressourcen der Unternehmen sind nach dem Sparkurs der vergangenen Jahre auch im Personalmanagement eher gering. Doch gibt es viele Dienstleister, die ihr Angebot in diesem Bereich ausbauen und die Handlungsalternativen der Unternehmen um neue Konzepte bereichern. So bieten beispielsweise internetbasierte Auftragsplattformen Unternehmen die Möglichkeit, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Dazu Christiane Strasse, die mit der projektwerk GmbH ein solches Angebot betreibt: „Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen sind Auftragsplattformen von Vorteil. Hier können die Unternehmen mit sehr überschaubarem Aufwand genau die passenden Fachkräfte für die anstehenden Aufgaben suchen.“

Der erste Schritt kann auch die Auswahl eines Beratungsunternehmens sein, das auf sogenanntes Third-Party-Management spezialisiert ist und die Vielzahl von Dienstleistern im Personalbereich im Sinne des beauftragenden Unternehmens auszuwählen und zu koordinieren versteht. „Es wird für Unternehmen immer schwieriger, einen Überblick über die Vielzahl von Anbietern und ihr Know-how zu bekommen“, so Christoph Lamoller, geschäftsführender Gesellschafter der GOM Gesellschaft für Organisations- und Managemententwicklung mbH. „Eine inhaltliche Auseinandersetzung und die nachhaltige Kontrolle vereinbarter Leistungen sind aber die Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Auch kommen Optionen des Personalmanagements ins Spiel, die für viele Unternehmen unbekannt sind. Zum Beispiel die strategische Nutzung von Zeitarbeit. Denn ihr Potenzial geht über die Abdeckung von Auftragsspitzen hinaus und kann einem Unternehmen die Flexibilität geben, die es für seine Wettbewerbsfähigkeit braucht. Das sieht auch Christoph Lamoller so: „Zeitarbeit ist eines der Instrumente im Personalmanagement der nächsten Jahre in Deutschland. Die Potenziale liegen dabei nicht mehr nur im Niedriglohnsektor, sondern immer mehr auch im höher und hoch qualifizierten Bereich.“

Aus diesem Grund vermittelt Thorsten Becker Manager auf Zeit. Auch in den Führungsebenen ist Flexibilität zunehmend gefragt. „Ungewollte Vakanzen und Lücken in der Führung werden für Unternehmen durch den zunehmenden Wettbewerb immer teurer“, sagt er. „Zum Glück steigt das Angebot an qualifizierten Interimsmanagern, die Kunden unkompliziert unterstützen können.“ Der Bedarf der Unternehmen nach schneller Besetzung offener Stellen trifft hier auf das Bedürfnis der Manager im Vermittlungspool, flexibel an interessanten Projekten zu arbeiten. Das deckt sich mit den Beobachtungen, die Claus Fehling in seiner Arbeit als Outplacement-Berater macht. Er berät Manager und Fachkräfte, die aus ihrem bisherigen Unternehmen ausscheiden und sich professionell umorientieren wollen.

Umdenken und mehr Flexibilität sind erforderlich, um in der modernen Arbeitswelt die veränderten Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmern mit den Möglichkeiten der modernen Kommunikation zu verbinden. „Insbesondere das Internet eröffnet neue Möglichkeiten für beide Seiten“, stellt Christiane Strasse fest. „So können Arbeitgeber auf professionellen Auftragsplattformen ihre Anforderungsprofile für ein Projekt, Arbeitnehmer wiederum ihre Leistungsprofile veröffentlichen. Beide Seiten finden auf diese Weise schnell und unkompliziert zueinander und erhalten sich dabei auch noch maximale Flexibilität.“

Die Möglichkeiten des modernen Personalmanagements sind vielfältig. Ebenso vielfältig sind die Notwendigkeiten für Unternehmen, ihre Arbeit anders zu organisieren als bisher. Dabei muss jedes Unternehmen die für sich passenden Bausteine aus dem Personalmanagement heraussuchen und individuell umsetzen. Eine Entwicklung, die in Zukunft alle Betriebe betreffen wird, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Doch diese Entwicklung stellt nicht nur eine Herausforderung dar, sondern bringt gleichzeitig neue Chancen. Und schon heute ist es häufig betriebswirtschaftlich lohnend, neue Wege zu beschreiten.

Christoph Adam
christoph.adam@hk24.de
Telefon 36 13 8 273

Infos und Kontakte

Über die Zukunft der Arbeit wird am Donnerstag, 18. Oktober, beim Themenabend Personalmanagement in unserer Handelskammer diskutiert. Ab 18 Uhr geben Ihnen im Albert-Schäfer-Saal unsere Experten einen Einblick in ihre Gedanken, Ideen und Visionen zur Arbeit der Zukunft. Daran anschließend freuen sie sich auf eine angeregte Diskussion mit Ihnen. Wenn Sie nähere Informationen (Einladung und Programm) zu der kostenlosen Veranstaltung wünschen, senden Sie Ihre Kontaktdaten per E-Mail an christoph.adam@hk24.de oder per Fax an 36 13 8 299.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2007