Handelskammer Hamburg 2007

Stressbewältigung

Entspannt durch den Alltag

Stress kann krank machen. Das muss aber nicht sein. Denn Stressbewältigung lässt sich lernen. Schon mit einigen wenigen Tricks lassen sich kritische Situationen im Alltag vermeiden.

Stress kennt jeder. Selbst mit dem besten Zeitmanagement bricht immer mal wieder Hektik aus. Für viele ist der Arbeitsalltag stressig. Denn der Leistungsdruck für den Einzelnen ist durch Umstrukturierungen und den Abbau von Arbeitsplätzen erheblich gestiegen. So verwundert es kaum, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO Stress zur größten Gesundheitsgefahr für das 21. Jahrhundert erklärt hat. Wer nicht rechtzeitig die Notbremse zieht, gefährdet seine Gesundheit. Deshalb ist es wichtig, dass Mitarbeiter lernen, mit Stress umzugehen.

„Stress ist etwas völlig Normales, wir erleben ihn täglich“, sagt Julia Scharnhorst, Gesundheitsexpertin und Inhaberin von HPP Health Professional Plus. Für viele Lebenssituationen benötigen wir eine erhöhte Leistungs-, Reaktions- und Konzentrationsbereitschaft. Bei Stress werden bestimmte Hormone im Körper ausgeschüttet, die die verschiedensten körperlichen Reaktionen anstoßen. Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, die Sinne sind geschärft. An und für sich ist das nichts Schlechtes und für bestimmte Situationen überlebenswichtig. „Das Problem entsteht erst, wenn dieser Zustand mehr oder weniger permanent anhält und der Organismus nicht zur Ruhe kommt und sich nicht erholen kann“, erklärt Scharnhorst. Es gibt folglich positiven und negativen Stress. Dennoch hat Stress nicht umsonst so ein schlechtes Image. Auf Dauer kann eine nicht abgebaute Stressreaktion zu körperlichen oder psychischen Störungen führen. Dazu gehören Schlafstörungen, Gereiztheit, depressive Stimmungen, Konzentrationsprobleme, Herzrasen, Magendrücken, Rücken- oder Nackenschmerzen, Bluthochdruck. Dazu zählen aber auch vermehrter Verbrauch von Stimmungsmachern wie Kaffee, Schokolade, Alkohol oder Medikamenten.

Auslöser für Stress können Termindruck, ein unangenehmes Telefonat, Streit mit Kollegen, unzufriedene Kunden oder Angst um den Job sein. Es gibt aber auch diejenigen, die den Stress regelrecht suchen. „Wenn wir im beruflichen Alltag öfters auf Situationen treffen, in denen es uns gelingt, mit wenig Aufwand große Erfolgserlebnisse zu erzielen, können wir in einen regelrechten Rausch hineinkommen“, sagt Coach Elke Rehhorn. „Da wir immer wieder die Bestätigung in solchen Situationen erleben wollen, kann es zu einem Teufelskreis kommen. Wir verfallen dann in ineffektiven Aktionismus und fahren immer hochtourig.“

In der knappen Freizeit gelingt es diesen Menschen kaum, abzuschalten und zu entspannen. Sie sind zu schnell auf der Autobahn unterwegs, reagieren gereizt auf kleine Verzögerungen, und die Ruhe zu Hause macht sie nervös. Sie sitzen vor dem Fernseher und zappen durch die Kanäle, statt sich der Familie oder dem Hobby zu widmen. Das sind eindeutige Zeichen dafür, dass sie von den körperlichen Hochgefühlen, die die Hormonausschüttung durch Stress begleiten können, abhängig geworden sind. Neben den eigentlichen Stresshormonen können nämlich auch Endorphine produziert werden, die stimmungsaufhellend wirken. Ganz entscheidend dafür, wie Körper und Geist Stress verarbeiten, sind die persönliche Fitness sowie die viel zitierte Work-Life-Balance. Fitness, Erholung und Entspannung sind aber Faktoren, die maßgeblich durch die Gestaltung der Freizeit und die gesamte Lebenseinstellung beeinflusst werden. „Wer beruflich eingespannt ist, der sollte unbedingt darauf achten, dass er seine Freizeit weitestgehend frei von Hektik gestaltet und aktive Entspannung zum Aufladen der eigenen Akkus einplant“, rät Scharnhorst.

Ein sinnvolles Zeitmanagement und eine gute Organisation der Arbeit helfen, stressige Situationen zu umgehen. Wichtig ist jedoch, mit unvermeidbarem Stress umgehen zu können. Das kann man lernen. Es gibt viele Möglichkeiten zur Stressbewältigung. Hier setzt auch die Initiatve Fit in Hamburg an. Mithilfe von Entspannungstechniken gelingt es, den Organismus in etwas ruhigere Bahnen zu lenken. Geeignet sind Verfahren wie das Autogene Training oder Meditation, die nicht nur körperliche Entspannung vermitteln, sondern viel Wert auf die innere Ruhe legen. Zu den aktiveren Techniken zählen die progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai-Chi. Fakt ist, dass durch Bewegung Stresshormone wie Adrenalin im Blut abgebaut werden. Wie sehr wir uns unter Druck setzen lassen, hängt aber auch von der persönlichen Einstellung ab. Wer zu stummen Selbstgesprächen oder innerlichen Schimpftiraden neigt, ist sehr viel stressanfälliger. Häufig ist es besser, sich einmal richtig abzureagieren. Wer aber glaubt, er könne Wut und Ärger loswerden, indem er richtig schimpft oder auf den Tisch haut, steigert sich eher noch in diese Gefühle hinein und verstärkt sie. Langfristig erhöht dies das Krankheitsrisiko, beispielsweise für Herzinfarkte.

Oft helfen schon kleine Tricks, Stresssituationen in den Griff zu kriegen. Atmen Sie tief durch, gießen Sie die Blumen, trinken Sie einen Kaffee oder machen Sie einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft – und zwar ohne hinterher ein schlechtes Gewissen zu haben!

Andrea Rebensburg
andrea.rebensburg@hk24.de
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hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2007