
Der Einheitslook hat ausgedient. Auch in der Verpackungsindustrie für Flüssigkeiten steht Individualität an erster Stelle. Regelmäßig kommen neue Flaschenformen auf den Markt. Denn dank des Rohstoffs Polyethylenterephthalat, kurz PET, sind kreativen Verpackungen heute kaum Grenzen gesetzt. Technologischer Marktführer bei der Entwicklung und Herstellung von PET-Flaschen ist die in Hamburg ansässige SIG Corpoplast GmbH & Co. KG. Im Technologie-Zentrum in Meiendorf entwickelt das Unternehmen in Absprache mit seinen Kunden neue Designs. Stefan Amariglio, zuständig für die Gestaltung neuer Flaschen, deutet auf seinen Monitor. Dort dreht sich ein extravagantes Modell in 3D-Grafik, das bald in Serie gehen soll. „Wir machen fast alle Formen möglich“, sagt der Flaschenkonstrukteur. Über 3000 verschiedene Designs haben die Ingenieure von SIG Corpoplast auf ihren Blomax-Streckblasformmaschinen bereits realisiert. Und hier kommt das nächste: Nach wenigen Stunden erscheint ein wohlgerundeter Prototyp aus Gips auf dem 3D-Drucker. Dieser Entwurf nimmt in einer hohlen Testform Gestalt an, in der mit Druckluft die erste Musterflasche geblasen wird. Dafür erhitzt die Anlage das PET, während eine Reckstange das Material in die Länge zieht – strecken, blasen, kühlen, fertig ist die Musterflasche! „Danach folgt der Härtetest“, erklärt Amariglio den unbarmherzigen Umgang mit der Kunststoffflasche, die im hauseigenen Labor unter anderem auf Berstdruck, Bruch- und Stapelfestigkeit untersucht wird. Sind alle Tests abgeschlossen, können die endgültigen Blasformen gefräst werden. Endlich ist es soweit, und die neue PET-Flasche kann auf der Blomax in Serie gehen. 24 Blasstatio-nen fasst die größte der SIG-Corpoplast-Maschinen. Jede davon formt bis zu 1800 Stück pro Stunde, das sind insgesamt 43200 Flaschen.
Bier in Plastikflaschen? Mutig schien 1969 die Konstruktion einer Hochleistungs-Blasmaschine zur Herstellung von Kunststoffflaschen für den Gerstensaft, die das Traditionsunternehmen Heidenreich & Harbeck in Hamburg entwickelte. Als Rohstoff diente damals noch das als Bodenbelag bekannte PVC. Wenige Jahre später liefen erste Versuche mit dem innovativleichten Rohstoff PET. Startprobleme in den 80er-Jahren, beispielsweise eine süßliche Geschmacksabgabe des Materials an das Getränk oder die verhältnismäßig hohe Luftdurchlässigkeit bei kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten, hat SIG in den Griff bekommen: Die Unternehmensgruppe entwickelte eine hauchdünne Glasbeschichtung für die Flaschen. Damit bleibt auch das Bier, das in PET abgefüllt wird, länger frisch. Doch es geht heute längst nicht mehr nur um Bierflaschen. Auf den Maschinen der Blomax Serie III werden verschiedenste Verpackungen und individuelle Designs gefertigt: nicht nur für Getränke, sondern auch für Speiseöle, Honig, Senf, Duschgels und Putzmittel.
Auch wenn der Eigentümer des Streckblasformmaschinen-Herstellers häufig wechselte – der Kompetenz in Sachen PET-Flaschen konnte das nichts anhaben. Seit 2000 gehört SIG Corpoplast zur Schweizerischen Industrie Gesellschaft, einem globalen Anbieter für Verpackungslösungen. Als Pionier im Bereich des PET-Know-how hat das Unternehmen bereits über 1000 Streckblasmaschinen an seine Kunden, zu denen auch Eckes-Granini und Nestlé gehören, ausgeliefert. Priorität neben dem Design ist der ressourcensparende Einsatz von Rohstoffen: 2005 präsentierte man eine Halbliterflasche, die nur zwölf Gramm wiegt – ungefähr so viel wie ein einseitiger Standardbrief. Am Hamburger Firmensitz arbeiten rund 250 Beschäftigte, die sich um Herstellung und Service der Maschinen kümmern und neue Flaschendesigns entwickeln.