Handelskammer Hamburg 2007

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Dom

Rummel mit Tradition

Die Geschichte des Doms reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Angestaubt ist das Volksfest noch lange nicht. Im Gegenteil – jedes Jahr locken die Veranstalter mit neuen Überraschungen. Die nächsten Attraktionen sind bereits geplant.

Domzeit ist, wenn das Riesenrad über den Dächern Hamburgs zu sehen ist und Lichterketten den Himmel über der schönsten Stadt Deutschlands erhellen. Seinen Ursprung hat Norddeutschlands größtes Volksfest allerdings nicht auf dem Heiligengeistfeld, sondern auf dem Speersort im Mariendom zu Hamburg. Dort suchten Fliegende Händler bei „Schmuddelwetter“ Zuflucht – es war Domzeit. Die offizielle Genehmigung, ihre Stände in der Kirche aufzubauen, erhielten die Händler im Jahre 1337. Als der Dom Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen werden musste, bekamen sie neue Marktplätze zugewiesen. Auf dem Heiligengeistfeld bauten sie erstmals 1880 ihre Buden auf, zwölf Jahre später fand der Jahrmarkt dann nur noch auf dem Areal an der Feldstraße statt.

Im 20. Jahrhundert wurde die Jahrmarktzeit auf insgesamt drei Termine erweitert: den Frühlings-, den Sommer- und den Winterdom – daran hat sich bis heute nichts geändert.

1,6 Kilometer lang ist die Vergnügungsmeile, auf der sich in der Regel rund 260 Schausteller tummeln. Der älteste derzeit auf dem Dom tätige Schaustellerbetrieb stand schon 1947 mit einem Riesenrad auf dem Heiligengeistfeld. Und wie damals sitzt der Inhaber noch heute an der Kasse, inzwischen allerdings an der eines Kinderkarussells. Der Betreiber des Fünfer-Olympia-Loopings, eines der größten Fahrgeschäfte der Welt, gehört dagegen zu denen, die ihre Fahrgäste bis an ihre Grenzen führen. Aber genau diese Gegensätze sind auch das Erfolgsrezept des Hamburger Doms. Nostalgie wird dort ebenso gepflegt wie immer wieder wechselnde und neue Fahrgeschäfte. Dabei wird es schwieriger, Neues zu bieten, zumal die Investitionen enorm sind.

Traditionell wird auf dem Dom darauf geachtet, dass die ganze Familie auf ihre Kosten kommt, vor allem am Mittwoch, dem sogenannten „Familientag“, an dem viele Attraktionen vergünstigt sind. Noch relativ unentdeckt ist der Dom als Ort für Betriebsfeste und Weihnachtsfeiern. Das möchte die Dom-Promotion und Veranstaltungs GmbH, in der beide Schaustellerverbände sowie die Kulturbehörde als Veranstalter vertreten sind, künftig ändern. Sie hat auch schon eine Besuchergruppe ins Visier genommen, die bislang deutlich unterrepräsentiert ist: die „Best Ager“, wie Senioren in der modernen Marketingsprache heißen. Eine Idee ist, Seniorennachmittage bei norddeutscher Folkloremusik im großen Festzelt zu veranstalten.

Auch die Gastronomie auf dem Dom lässt viele Herzen höher schlagen. Überall duftet es nach gebrannten Mandeln und Schmalzgebäck, das, wie der Hamburger Speck, eine echte Spezialität ist. Davon könnte es allerdings mehr geben. Vor allem könnte die Hansestadt seine maritimen Eigenschaften ausspielen. Warum zum Beispiel gibt es auf dem Dom keinen frischen Fisch, der über Holzkohle gegrillt wird? München, das rund 850 Kilometer von der Küste entfernt liegt, macht es auf dem Oktoberfest mit Erfolg vor. Die Gastronomie auf dem Dom gewänne dadurch noch mehr an lokaler Authentizität.

Um Dom-Besuchern zusätzliche Attraktivität zu bieten, wird seit einigen Jahren eine 3000 Quadratmeter große Sonderfläche auf dem Heiligengeistfeld bespielt. Im Sommer zum Beispiel brachte „Cuba City“ alles mit, was es brauchte, um in Urlaubsstimmung zu kommen: lateinamerikanische Rhythmen, landestypische Gastronomie sowie Buchpräsentationen über die Rolle Kubas in der Weltgeschichte. Warum aber in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Die Dom-Beschicker könnten auf der Sonderfläche die Trümpfe Hamburgs als maritime Stadt ausspielen: seine Spezialitäten, seine Musik und vor allem seine Kultur. Dass dieses große Volksfest außerordentlich beliebt ist, zeigen die Besucherzahlen. Zu jedem Dom strömen zwischen 2,5 und 3 Millionen Besucher auf das Heiligengeistfeld – in diesem Sommer kamen sogar 3,7 Millionen. Jährlich geben die Gäste dabei etwa 150 Millionen Euro aus.

Für die meisten der Schausteller ist dieser Umsatz Existenzgrundlage. Aber nicht nur für sie allein, sondern auch für die rund 2000 Mitarbeiter, die in Voll- oder Teilzeit beschäftigt werden. Insofern ist der Dom ein wichtiger Arbeitgeber für die Stadt. Von ihm profitieren auch noch eine Reihe anderer Wirtschaftszweige, angefangen bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben über Taxiunternehmen bis hin zum Einzelhandel, da der Dom oft Anlass ist, um zu einer Shoppingtour nach Hamburg zu kommen. Der Dom ist also mehr als nur ein Volksfest, das Kinderaugen zum Strahlen bringt, oder Amüsiermeile für Jung und Alt. Er ist ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor – und schließlich auch ein typisches Stück Hamburg.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon 36 13 8 313

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2008