
In der U-Bahn-Werkstatt der Hamburger Hochbahn in Barmbek stehen zwei Menschen an Werkplätzen und löten. Doch es sind nicht Auszubildende, sondern ganz besondere Praktikanten: Kristin Kaplan, Lehrerin für Biologie und Erdkunde am Gymnasium Rissen, und Marc Lepper vom Gymnasium Oldenfelde, der Englisch und Sport unterrichtet, haben für fünf Tage ihre Klassenzimmer gegen die Werkstatt der Hamburger Hochbahn getauscht. Sie nehmen am Projekt Innenansichten teil, das die Handelskammer mit Unterstützung der Behörde für Schule und Berufsbildung jährlich durchführt. In diesem Jahr findet es bereits zum zwölften Mal statt. Hamburger Lehrer bekommen dabei die Möglichkeit, Wirtschaft hautnah zu erleben. Der Dialog zwischen Schule und Wirtschaft wird damit intensiv vorangebracht, was für die einzelnen Lehrer bedeutet, ihre Schüler besser auf das Arbeitsleben vorbereiten zu können. Für Schüler sind Lehrer neben den Eltern wichtige Bezugspersonen, wenn es um die Berufswahl geht. Schüler haben oft eine falsche Vorstellung von der Ausbildung, sagt Kristin Kaplan. Ich möchte sie gern mit authentischen Erfahrungen konfrontieren. Für sie und Marc Lepper ist es wichtig, ihre Schüler bei der Berufsorientierung zu unterstützen, die ihrer Ansicht nach in jedem Schulfach stattfindet.
Wissen aus eigener Erfahrung und Anschauung ist besser als theoretische Kenntnis aus zweiter Hand. Lehrer steigern durch ein Praktikum ihre Beratungskompetenz und erleichtern den Schülern somit, sich beruflich zu orientieren. Die Berichte ehemaliger Praktikumsteilnehmer zeigen, dass persönliche Einblicke gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Für diese Erfahrungen investieren Kaplan und Lepper sogar einen Teil ihrer Herbstferien.
Seit das Projekt Innenansichten 1997 begonnen hat, haben rund 900 Hamburger Lehrer die Chance genutzt, ein Wirtschaftsunternehmen genauer kennenzulernen und hinter die Kulissen zu schauen. In diesem Jahr standen rund 60 Praktikumsplätze in 35 Unternehmen zur Verfügung. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß ein Betrieb ist oder welcher Branche das Unternehmen angehört. Gerade ein vielfältiges Angebot motiviert auch Lehrer aus den sogenannten Nebenfächern zu einem Praktikum. Der Nutzen liegt auf der Hand: Lehrer durchleben in einer Art Mikrokosmos das zukünftige Berufsleben ihrer Schüler, von der Bewerbung bis hin zum schriftlichen Bericht, und können anschließend aus eigener Anschauung darüber informieren. Die Wirtschaft hingegen profitiert von der besseren Berufsorientierung der Schüler und davon, dass Lehrer zu wirtschaftsnahen Themen einen fundierteren Unterricht erteilen können. Mittlerweile haben sich zwischen Schulen und Unternehmen Verbindungen und Kooperationen unterschiedlicher Art ergeben. Aus Lehrerpraktika sind oft Schülerpraktika entstanden, bestätigt Kirsten Meins, Leiterin der Berufsausbildung bei der Hochbahn. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es für uns wichtig, möglichst früh mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen, die vielleicht einmal unsere Auszubildenden sein werden. Kristin Kaplan und Marc Lepper sind sich einig die größten Gewinner des Projektes Innenansichten sind in jedem Fall die Schüler.
Die Innenansichten finden jährlich statt. Unternehmen können bereits für 2009 einen Praktikumsplatz anbieten. Anmeldung und weitere Informationen unter www.hk24.de.