
Seit Jahren schon engagiert sich Mehmet Keskin für Hamburger Bürger mit Migrationshintergrund. 1980 kam der gebürtige Türke nach Deutschland, um in Hamburg Biologie zu studieren. Schnell erkannte er, wie schwierig es sein kann, in einem fremden Land, in einer fremden Kultur zurechtzukommen. Besonders selbstständige Migranten und solche, die es werden wollen, hätten manche Hürde zu nehmen, sagt der heute 47-Jährige, der nach seinem Diplom nicht in die Türkei zurückgekehrt ist. Um ihnen beizustehen, hat die Handelskammer 1998 die Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer und Existenzgründer (ATU) gegründet, aus der 2007 die Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten (ASM) hervorging. Mehmet Keskin, Geschäftsführer beider Vereine, hatte aber noch eine weitere Vision, die er mithilfe des Programms Jobstarter des Bundesinstituts für Berufsbildung gemeinsam mit der ASM realisieren konnte: die Gründung der Hamburger Stiftung für Migranten, die sowohl Jugendliche nicht deutscher Herkunft fördern als auch von Migranten geführte Kleinbetriebe dabei unterstützen möchte, Ausbildungsplätze zu schaffen.
Schulabgänger aus Einwandererfamilien, das ist belegt, haben bei der Suche nach einer Lehrstelle oft das Nachsehen. Ihre interkulturelle Kompetenz und meist Mehrsprachigkeit werden zwar geschätzt, aber doch eher von Unternehmen, die selbst über einen nicht deutschen Kulturhintergrund verfügen, allerdings bilden diese nur selten aus. Noch. Denn daran könnte sich jetzt, nachdem die neue Stiftung am 10. November ihre Arbeit offiziell aufgenommen hat, schon bald etwas ändern. Durch die Vergabe von Stipendien und die Aufnahme der Stipendiaten in ein Förderprogramm wollen wir den Ausbildungserfolg der Schulabgänger mit Migrationshintergrund für einen qualifizierten Berufsstart verbessern, so die Vorsitzende der Stiftung, Aygül Özkan, beim Senatsempfang anlässlich der Stiftungsgründung im Rathaus, an dem auch Staatsministerin Maria Böhmer, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, teilgenommen hat.
Ein wichtiges Stiftungsziel ist es, Jugendliche aus Familien ausländischer Herkunft rechtzeitig über Bedeutung und Chancen der beruflichen Bildung zu informieren, denn viele von ihnen streben keine Ausbildung an oder brechen sie vorzeitig ab, sofern sie denn das Glück hatten, überhaupt eine beginnen zu können. Auf Unternehmerseite plant die Stiftung Informationspakete über Ausbildungsmöglichkeiten und Förderprogramme sowie Unterstützungsmaßnahmen bei Formalitäten. Verglichen mit der Zeit- oder mit der Körber-Stiftung sind wir zwar relativ klein, sagt Keskin, doch mit starken Kooperationspartnern, mit denen wir gemeinsam Projekte entwickeln und durchführen wollen, werden wir viel erreichen. Zum Beispiel wird das Amerikahaus jugendlichen Migranten einen zweijährigen Englischkurs ermöglichen, die Besten unter ihnen reisen im Anschluss in die USA. Rund 40 Stifter insgesamt haben mit ihrem Geld dazu beigetragen, den Traum von Mehmet Keskin zu verwirklichen. Wir brauchen diese Stiftung unbedingt, sagt einer von ihnen, Behcet Algan, der in Altona ein Friseurgeschäft betreibt. Sie schließt eine Lücke zwischen Schule, Beruf und den Betrieben.