Handelskammer Hamburg 2008

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Serie: Elblabor

Feuer – wer?

Das Hamburger Jungunternehmen N2telligence erteilt Bränden im Voraus eine Absage. Mithilfe von Brennstoffzellensystemen soll der Sauerstoffgehalt in Räumen so weit sinken, dass Feuer erst gar nicht brennen kann. Quasi nebenbei entstehen Strom, Wärme und Kälte.

Die Idee funktioniert einwandfrei. Um potenziellen Kunden zu zeigen, was ihr Unternehmen, die N2telligence GmbH, macht, verteilen die beiden Geschäftsführer Lars Frahm und Andreas Exler lila Streichholzbriefchen. Nur: die Zündhölzer sind kopflos und brennen nicht.

Verwirrt? Hier die Lösung: Der Firmenname N2telligence setzt sich aus N2 – dem chemischen Symbol für Stickstoff – und dem Begriff Intelligenz zusammen. Worum es geht, ist ähnlich einfach erklärt. Mithilfe eines Brennstoffzellensystems sollen große Räume, wie etwa Rechenzentren, vor potenziellen Bränden geschützt werden. Dazu machen sich die beiden 29-Jährigen die Eigenschaften von Brennstoffzellen zunutze. In diesen Zellen reagieren Sauerstoff aus der Luft und Wasserstoff und erzeugen dabei elektrische Energie. Als „Abgase“ fallen Wasser und Stickstoff an. Den Stickstoff wollen Exler und Frahm nutzen, um die Sauerstoffkonzentration in Räumen zu senken und somit Feuer den Atem zu rauben. Deshalb auch die nutzlosen Streichhölzer, die sie an ihre Kunden verteilen.

Der durchschnittliche Anteil an Sauerstoff bei „normaler“ Luft liegt bei etwa 21 Prozent – da brennt so ziemlich alles. Reduziert man die Konzentration auf 16,8 Prozent, gehen Kerzen aus, bei 13 Prozent entflammt nicht einmal mehr Papier. „Menschen dagegen können dann noch immer recht gut atmen. 15 Prozent entsprechen dem Sauerstoffanteil der Luft in einer Höhe von etwa 2500 Metern“, erklärt Lars Frahm.

Entstanden ist die brandhemmende Idee vor einigen Jahren bei Airbus. Dort arbeitete Frahm mit Wasserstoff und Brennstoffzellen: „Da entflammte in mir die Leidenschaft für das Thema.“ Exler war damals als Teamleiter bei einem Luftfahrt-Zulieferer beschäftigt. Kennen gelernt hatten sich die beiden Wirtschaftsingenieure während ihres Studiums in Wedel. Inzwischen teilen sie sich ein ganzes Unternehmen, Quartier haben die beiden in der Königstraße in Altona bezogen.

Die Patente auf die Technik hält zwar nach wie vor der Flugzeughersteller Airbus, aber: „Wir haben die Exklusivlizenzen für alle Anwendungen außerhalb der Luftfahrt“, sagt Lars Frahm. Gemeinsam wollen sie die Brennstoffzellentechnologie nach vorn bringen. Und zwar nicht im Bereich Automobil, sondern ganz profan in der Gebäudetechnik. Neben großen Rechenzentren sehen die beiden in Lebensmittel-Tiefkühllagern Potenzial. Hier können Brände mit konventionellen Mitteln oft nicht bekämpft werden – Wasser würde in den Leitungen gefrieren, Gaslöschanlagen sind immens teuer. Zurzeit arbeiten die meisten Tiefkühlhäuser zwar auch mit der Sauerstoffreduzierung, doch dafür betreiben sie große Kompressoren, die Luftmassen durch spezielle Membranen pressen und in Sauerstoff und Stickstoff teilen. Dafür verbrauchen sie viel Energie, die Methode von N2telligence würde dagegen sogar Strom erzeugen. Zudem liefern die Brennstoffzellen Wärme und Kälte.

Bislang hat N2telligence allerdings noch keine Sauerstoffreduktions-Anlage verkauft. Auf der diesjährigen Hannover-Messe wollen sie aber eine präsentieren, gegen Ende des Jahres soll dann eine erste Demonstrationsanlage aufgebaut werden. Wo und bei welchem Kunden die stehen soll, wird aber noch nicht verraten.

„Es wird nie ein System von der Stange geben“, so Frahm. Parameter wie die Größe und die Nutzung des Raumes und vor allem dessen Dichtigkeit würde die Anlagengröße sehr beeinflussen. Zudem komme noch die geforderte Energieleistung, also die Menge an elektrischem Strom, die die Brennstoffzelle liefern soll, dazu.

Nachdem Rechenzentren, Gefahrstofflager und Kühlhäuser mit den Anlagen der beiden jungen Hamburger vor Großbränden gefeit sind, wollen sie ihre Idee ins Museum bringen. Nicht etwa als antiquierte, gescheiterte Idee zweier norddeutscher Tüftler, sondern als aktiven Brandschutz für wertvolle Kunstgegenstände. Danach sind Lebensmittel dran. Die schützt der verminderte Sauerstoffgehalt nämlich vor Oxidation.

Bis die ersten Systeme verkauft werden und die Kasse klingeln lassen, finanzieren sich Lars Frahm und Andreas Exler mit „Beratungsleistungen für den Luft- und Seeverkehr“, wie sie es zurückhaltend formulieren – natürlich in den Bereichen Wasserstoff und Brennstoffzellen.

Daniel Hautmann
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2008