
Bislang kann ich den beiden Partnern nur gratulieren. Wie verschwiegen sie die Vorbereitungen
getroffen haben, das war ein professioneller Anfang. Die Entscheidungen
zur Elbvertiefung und zum Moorburger Kraftwerk zeigen, dass die
Grünen die Bedeutung einer starken Wirtschaft kennen. Beeindruckt hat mich
die Loyalität der GAL zu den Koalitionsvereinbarungen. Die Unterstützung
der Hapag-Lloyd-Standortinitiative halte ich ebenso für richtig wie den Einstieg
in die Verhandlungen zum Doppeletat 2009/2010. Auch bundespolitisch
besteht für die Koalition ein gewisser Handlungsdruck, deshalb bin ich guter
Hoffnung, dass diese Regierung zum Wohle der Stadt beitragen wird.
Robert von Bennigsen, 53, Geschäftsführer der BDJ Versicherungsmakler GmbH & Co. KG
Es fällt mir nicht leicht, diese Zeit zu beurteilen, da sie doch recht ruhig war.
Aber genau das sehe ich als gutes Zeichen dafür, dass Regierungspolitik auch
ohne laute Töne vonstattengehen kann. Die Kompromisslösungen der Koalitionsverhandlungen
waren schon ein Indiz für den Pragmatismus und die Intelligenz des neuen Senats. Für
unseren Bereich der jungen Tech-Unternehmen sehe ich ein natürliches Interesse der
Koalition, die im Hamburger Raum starken Bereiche der neuen Energien sowie Medtech- und
Biotech-Firmen weiter zu unterstützen und zu fördern. Ich bin zuversichtlich, dass
sich das schwarz-grüne Experiment positiv für Hamburg und seine
Wirtschaft entwickeln wird.
Götz W. Gleichmann, 43, Vorstand der Pricap Venture Partners AG
Ich ziehe bislang eine positive Bilanz der schwarz-grünen Regierungsarbeit. Das liegt
zum einen an der Handhabung des Themas ,Volksentscheid’ und zum anderen
auch daran, dass, gemessen an den doch sonst heiklen Themen, wenig Querelen
aus dem Rathaus dringen. Daraus mag ich persönlich erkennen, dass CDU
und GAL dabei sind, Kompromisse in den gerade für die Stadt Hamburg wichtigen
Themen Energieversorgung und wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen,
die dann auch noch mit einer gewissen Nachhaltigkeit unterlegt sind. Kritisch
sehe ich weiterhin die Entwicklungen bei der Schulpolitik, insbesondere
die Einführung der sechsjährigen Grundschule. Insgesamt muss man festhalten:
Nach außen getragene Profilierungssucht sucht man bisher vergebens.
Georg W. Möhlenbrock, 50, Persönlich haftender Gesellschafter der Robert Schüler KG
Das Zwischenzeugnis für den neuen Senat fällt leider schlecht aus. Denn eine Entscheidung
im Genehmigungsverfahren für das Kraftwerk Moorburg wurde vom Senat
nach den Koalitionsverhandlungen weiter unnötig verzögert und vertagt,
nun auf den September. Der Senat vergisst dabei offenbar eines: Zuverlässige,
bezahlbare Energie für Unternehmen und Haushalte ist eine Grundvoraussetzung
für den zukünftigen Wohlstand der Stadt. Kurzfristiges Denken blockiert
hier notwendige Investitionen und damit auch die Zukunftsperspektiven
der Stadt. Deshalb steht im Zeugnis: ,Versetzung gefährdet’.
Rainer Schubach, 61, Vorstand Vattenfall Europe Hamburg
Die kollegiale Regierungsbildung mit breiter Zustimmung von CDU und GAL hat
bewiesen, dass es in Hamburg keine linke Mehrheit gibt. Die Suche nach Alternativen
zum Kohlekraftwerk in Moorburg wird zu keinem finanzierbaren Ergebnis führen
und den Bau im Interesse unserer Industrie nicht aufhalten können. Die
gegensätzlichen Volksinitiativen ,Schule für alle’ und ,Für das Gymnasium
ab Klasse 5’ zeigen, dass das parallele Streben nach gleicher Schulform
und nach Bildungsexzellenz unvereinbar ein duales Schulsystem erfordert.
Hellmut Kruse, 82, Geschäftsführender Gesellschafter der Wiechers & Helm GmbH
& Co. KG
Die Arbeit des neuen Senats ist geprägt von einer Vielzahl von Versprechen und
Einzelaktionen. Entscheidend wird es sein, diese Einzelaktionen in ihrer Wirkung
zu beurteilen. Durch den Koalitionspartner GAL sind viele neue Akzente
gesetzt worden, die bei einer Alleinregierung der CDU sicher so nicht formuliert worden
wären. Der frühere rote Faden der Haushaltskonsolidierung und der
Leitlinie ,Wachsende Stadt’ ist dem grundlegenden Thema Umwelt gewichen.
Ich bin bisher nicht davon überzeugt, dass hieraus ähnlich wirtschaftlich
positive Effekte abgeleitet werden können, wie es die Themen der letzten
Legislatur ermöglicht haben.
Christian Lischke, 48, Geschäftsführer der Lischke Consulting GmbH