Handelskammer Hamburg 2008

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Starthilfe & Unternehmensförderung

Was erwarten Sie angesichts der Finanzmarktkrise vom Weihnachtsgeschäft?

Nach der Bankenkrise, die in den USA ihren Anfang nahm, droht nun eine internationale Rezession. Auch Deutschland ist betroffen, vor allem die Automobilbranche klagt. Wir wollten von sechs Hamburger Unternehmen wissen, wie sie die derzeitige Situation einschätzen und was sie vom Weihnachtsgeschäft erwarten.

„Es ist nicht leicht, zum jetzigen Zeitpunkt eine Antwort auf die Frage zu geben. Ich bin der Meinung, dass der Kunde auch weiterhin sein Geld ausgibt und nicht nur beiseite legt. In diesem Sinne erwarten wir also ein ähnliches Ergebnis beim Weihnachtsgeschäft wie im vergangenen Jahr. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Kaufbereitschaft der Leute auch im kommenden Jahr nicht deutlich sinkt. Ironisch könnte man sagen: Wir geben das Geld aus, bevor es die Banker für uns tun! Die Folgen der Finanzkrise werden im Einzelhandel außerdem sicher erst langfristig zu spüren sein.“
Jean Braun (71), Geschäftsführer der Herrenausstatter Braum GmbH und Co. KG

„Das Weihnachtsgeschäft im Kunstmarkt findet zum größten Teil schon im Oktober und November statt. Bei Messen und Auktionen konnten wir schon eine zurückhaltende Kaufeinstellung bemerken, aber das ist derzeit ja auch nicht weiter verwunderlich. Dennoch können wir in den Galerien weiterhin zufriedenstellende Umsätze verzeichnen. Wenn die Preiserwartungen nicht übertrieben sind und die Qualität der angebotenen Kunstwerke stimmt, nutzen Sammler und Käufer die Gelegenheit, in einem entspannteren Marktumfeld zugreifen zu können. Und im Gegensatz zu manch einer Aktie bringt die ‚Wandaktie’ immer einen Gewinn: das Vergnügen, mit einem Kunstwerk zu leben.“
Holger Priess (51), Geschäftsführer Doerrie Priess Galerie

„Für Buchhandlungen mit einem hohen Anteil an Stammkunden und Kundschaft, denen Lesen ein Bedürfnis ist, wird die Finanzkrise im Weihnachtsgeschäft 2008 nicht spürbar werden. Die Durchschnittspreise für Bücher liegen im Verhältnis zu anderen Weihnachtsgeschenken meist in einem niedrigen Bereich und sinken real seit Jahren. Der Stellenwert des Buches ist unverändert hoch, und unter den Hamburger Weihnachtsbaum gehört auch in diesem Jahr ein Buch. Mit größerer Zurückhaltung sehe ich das Frühjahr, wenn die Lage auch auf die Einkommensentwicklung der ganzen Bevölkerung durchschlagen wird.“
Matthias J. Marissal (42), Inhaber der Buchhandlung „Marissal Buch am Rathaus“

„Wir haben mit einer deutlich höheren Nachfrage für unser Weihnachtsgeschäft gerechnet. Im Moment sieht das allerdings nicht danach aus. Derzeit kaufen die Kunden bei den Basic-Artikeln eher zurückhaltend ein. Die Modeartikel entwickeln sich hingegen sehr gut. Ich bin der Meinung, dass sich im kommenden Jahr die Finanzkrise noch weiter auf unser Geschäft auswirken wird. Deswegen haben wir aus kaufmännischer Vorsicht für 2009 den gleichen Umsatz wie 2008 eingeplant. Was den Abverkauf unserer Produkte betrifft, sehen wir uns für 2009 allerdings gut gerüstet – dank einer Neupositionierung und der starken Emotionalisierung unserer Produkte.“
Marc Voss (43), Geschäftsführer der Greystone GmbH

„Wir erwarten ein gutes Weihnachtsgeschäft – mindestens auf Vorjahresniveau, wenn nicht sogar besser. Unter unseren Kunden sind viele Unternehmer, die das ganze Jahr gut gewirtschaftet haben und sich jetzt auch etwas gönnen möchten. Ich glaube allerdings, dass die Kunden im nächsten Jahr nicht mehr so schnell bereit sind, ihr Geld auszugeben. Die Auswirkungen der Finanzkrise machen sich 2009 sicher deutlich bemerkbar. Deswegen ist Vorsicht geboten – wir werden uns auf möglicherweise weniger erfolgreiche Zeiten einstellen.“
Kim Eva Wempe (46), Geschäftsführerin der Gerhard D. Wempe KG

„Für uns im Möbeleinzelhandel sind die Monate vor Weihnachten die umsatzstärksten. Trotz der Finanzkrise merken wir noch nichts von einem Abschwung. Die gesunkenen Energie- und Lebensmittelpreise begünstigen zurzeit noch die Kauflust. Wir erwarten daher, dass das Weihnachtsgeschäft ähnlich erfolgreich verläuft wie im Vorjahr – allerdings mit Verschiebungen innerhalb unserer Angebotsstruktur. Bei größeren Anschaffungen sind die Kunden derzeit teilweise zögerlich, das Mitte- bis Niedrigpreissegment wächst dagegen gut.“
Joachim Marks (47), Geschäftsführender Gesellschafter der Möbelhaus Friedrich Marks und Söhne GmbH und Co KG

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2008