Handelskammer Hamburg 2008

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Fuhrparkmanagement

Fahren und dabei sparen

Ein intelligentes Fuhrparkmanagementsystem zeigt nicht nur permanent, wo sich Fahrzeuge gerade befinden, sondern es liefert auch betriebswirtschaftliche Daten für unternehmerische Entscheidungen. Besonders Schulungen zum individuellen Fahrverhalten bieten langfristig Ersparnisse bei den Betriebskosten.

„Das Geld liegt auf der Straße!“ – Wer diese Redewendung wörtlich nimmt, kann bei den Betriebskosten erheblich sparen. Die exakte Zuordnung der Fahrkosten zum jeweiligen Kundenauftrag, die Optimierung der Transportplanung sowie die Erfassung der gefahrenen Zeiten und Wege sind wichtige Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg in der mobilen Dienstleistungsbranche. Mit einem professionellen Fuhrparkmanagement können diese Parameter optimal kontrolliert werden. Dabei lohnt sich eine genaue Analyse bereits ab einer Flotte von rund 20 Fahrzeugen. Durch einen Mix aus Vermeidung unnötiger Leerfahrten, kürzeren Wegstrecken und individuell geändertem Fahrverhalten sind jährliche Einsparungen von bis zu 35 Prozent möglich. Die Nutzung von Routenplanern, die die kürzeste Strecke auswählen, schont nicht nur die Nerven, sondern an der Tankstelle auch den Geldbeutel. Die Hamburger Hermes Logistik Gruppe mit ihren rund 2000 Fahrzeugen hat sich schon 2003 für ein Fuhrparkmanagementsystem entschieden und damit beachtliche Einsparerfolge erzielt. „Durch regelmäßige Fuhrparkerneuerung, besondere Fahrzeugüberlassungsmodelle, effizientere Tourenplanung und höhere Auslastungen ist die ökologische Effizienz, also der Kohlendioxid-Ausstoß pro Sendungsbewegung, maßgeblich verbessert worden“, sagt Jörn Broscheit, Leiter der Abteilung Fuhrpark bei der Hermes Gruppe. Mit der Einführung eines eigenen Reifenmanagements, also dem direkten Abschluss von Verträgen mit verschiedenen Reifenherstellern unter Ausschluss des Leasinggebers, konnte die Hermes Gruppe weitere Betriebskosten senken.

Insbesondere der Treibstoffverbrauch ist einer der wesentlichen Kostentreiber eines Fuhrparks. Allein mit dem richtigen Reifendruck kann man schon rund zwei Prozent Sprit sparen. Die Auswahl von Leichtlaufölen und rollwiderstandsarmen Reifen hat ebenfalls einen Einfluss darauf, wie viel Kraftstoff ein Fahrzeug schluckt. Jörn Broscheit weiß aus Erfahrung, dass das Einsparpotenzial beim Treibstoffverbrauch aber nicht allein von der Technik abhängt, sondern vielfach vom Fahrer selbst. Diese Erfahrung teilt auch Dieter Stump vom ADAC, Bereich Fahrsicherheit. Nach seiner Erfahrung schalten die Fahrer nach einem Sprit-Spar-Training in der Regel früher in die höheren Gänge und versuchen eine konstante Geschwindigkeit im Straßenverkehr zu halten – so lässt sich Kraftstoff sparen. „Das vorausschauende Fahren ist dafür besonders wichtig, denn jeder Tritt auf das Bremspedal und jedes unnötige Beschleunigen wird wieder mit teurem Sprit bezahlt“, so Stump. „Allein das rechtzeitige Ausrollen statt Vollgas und Vollbremsung vor der roten Ampel spart deutlich.“ Nach Erfahrung des ADAC kann durch entsprechendes Sprit-Spar-Training der Verbrauch eines Pkw und Lkw um 10 bis 15 Prozent gesenkt werden, wenn sich der Fahrer auf den modifizierten Fahrstil einstellt. Kurzfristig unter Trainer-Anleitung werden häufig sogar um die 30 Prozent eingespart. Dem Klischee, dass man Sprit sparend nur in Zeitlupe vorwärts kommt, kann Dieter Stump nicht zustimmen – das „Mitschwimmen im Verkehrsfluss ist der Schlüssel zum Sprit sparen. Die trainierten Fahrer haben Spaß an der neuen Fahrweise, weil dazu auch das kurze Beschleunigen, zügige Schalten und rasche Erreichen der Zielgeschwindigkeit gehört.“

Hamburger Unternehmen, die mithilfe von Fuhrparkmanagementsystemen die Treibstoffkosten ihrer Fahrzeugflotte senken wollen, können von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt finanzielle Zuschüsse erhalten. Die eingesparte Treibstoffmenge ist ein wichtiger Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Entlastung der Umwelt durch verringerte CO2- und Schadstoff-Emissionen – ein aktuelles Thema für die Stadt Hamburg. Der Kauf der erforderlichen Geräte und die Schulungen für die Optimierung des Fahrverhaltens werden mit bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Der Förderbetrag wird in jedem Fall einzeln festgelegt und ist abhängig unter anderem von der Treibstoffeinsparung und der Tilgungsphase einer Maßnahme. Voraussetzung für die Förderung ist die Durchführung von Fahrertraining sowie die kontinuierliche Beeinflussung des Fahrstils anhand der erfassten und ausgewerteten Daten.

Übrigens, die größte Einsparmöglichkeit besteht darin, gerade kurze Strecken auch mal zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. Denn, was viele nicht wissen, in der Kaltstartphase verbraucht ein Mittelklassewagen umgerechnet 30 bis 40 Liter pro 100 Kilometer. Der Normalverbrauch stellt sich erst nach knapp vier Kilometern ein.

Adrian Ulrich
adrian.ulrich@hk24.de
Telefon 36 13 8 267

Informationen

Infos zu den Fördermöglichkeiten in Hamburg erhalten Sie bei Martina Luther, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Telefon 428 40 33 72, martina.luther@bsu.hamburg.de, www.ressourcenschutz.hamburg.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2008