Handelskammer Hamburg 2007

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Interview: Gesa Birnkraut

Verantwortung zeigen

Gesa Birnkraut, geschäftsführende Gesellschafterin von Birnkraut Partner, berät Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung ihres bürgerschaftlichen Engagements. Mit der hamburger wirtschaft spricht sie über Vorteile und Möglichkeiten von Corporate Social Responsibility (CSR).

hamburger wirtschaft: Ist das Bekenntnis von Unternehmen zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung eine neue Entwicklung in Deutschland?

Gesa Birnkraut: Die Entwicklung hat in den vergangenen zehn Jahren stattgefunden. Mittlerweile ist es auch in Deutschland absolut üblich, zumindest in großen Unternehmen, Nachhaltigkeitsberichte oder Social Reports vorzulegen. Trotzdem ist bürgerschaftliches Engagement für viele Unternehmen noch immer Neuland, und der gesellschaftliche Druck, sich zu engagieren, wächst.

hw: Ein wesentliches Kennzeichen von CSR ist bislang die Freiwilligkeit des Engagements, einzelne Gruppen fordern jedoch verpflichtende CSR-Standards für alle Unternehmen. Was halten Sie davon?

Birnkraut: Jeder Unternehmer sollte Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, aber dazu kann man niemanden verpflichten. Bei Themen wie Umweltschutz oder Arbeitssicherheit sind gesetzliche Regelungen bestimmt sinnvoll, gesellschaftliches Engagement zu erzwingen, wäre allerdings kontraproduktiv. Vernünftiger ist es aus meiner Sicht, bereits vorhandenes Engagement zu unterstützen, Anreize für weiteres Engagement zu schaffen und über die Vorteile zu informieren, die CSR für die Unternehmen selbst bringt. In Studien wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass sich bürgerschaftliches Engagement positiv auswirkt auf das Unternehmensimage, auf Kundenbindung und Mitarbeitermotivation.

hw: Ist CSR auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen praktizierbar?

Birnkraut: Auf jeden Fall! Immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen entdecken CSR als Chance, sich im Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter zu positionieren. Viele engagieren sich bereits, jedoch oft aus dem Bauch heraus und nicht sehr strategisch. Dabei lässt sich mit geringem Aufwand aus verschiedenen Instrumenten – Spenden, Sponsoring, ehrenamtliches Engagement – ein Mix zusammenstellen, der individuell auf das jeweilige Unternehmen abgestimmt ist und das Engagement nachhaltig und glaubwürdig macht.

hw: Umweltschutz, Bildung, Familienförderung, Sport, Kultur – Unternehmen können in vielen Bereichen Verantwortung übernehmen. Wie findet man das passende Engagement?

Birnkraut: Wie bei jeder unternehmerischen Entscheidung sollte man dabei strategisch und analytisch vorgehen. Damit das Engagement glaubhaft wird, empfehle ich, den Blick zunächst auf das eigene Unternehmen zu richten: Welche Ziele verfolgen wir, wer sind unsere Kunden, welche Produkte bieten wir an? In einem zweiten Schritt kann man dann entscheiden, welche Form des Engagements zum Unternehmensprofil passt, und sich auf die Suche nach einem geeigneten Partner begeben. Von CSR-Maßnahmen soll schließlich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das eigene Unternehmen profitieren. Wenn das Engagement nicht passt und nicht gelebt wird, bringt es nicht viel.

hw: Ist die alljährliche Spende zu Weihnachten schon CSR?

Birnkraut: Einmalige Spenden sind nicht zu unterschätzen, jedoch übernimmt ein Unternehmen auf diese Weise keine nachhaltige Verantwortung für die Gesellschaft. Aber natürlich kann auch die alljährliche Weihnachtsspende Teil einer langfristig angelegten CSR-Strategie werden.

hw: Ihr Beratungsschwerpunkt liegt im Bereich Kultur. Welche spezifischen Vorteile bietet ein kulturelles Engagement aus Ihrer Sicht?

Birnkraut: Ob ein kulturelles Engagement sinnvoll ist und zum Unternehmen passt, muss man sicherlich von Fall zu Fall entscheiden. Wenn das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter gefördert werden soll, ist Kultur jedoch der Bereich, der die meisten Menschen begeistert. Kultur schafft emotionale Momente, der Blick hinter die Kulissen eines Theaters oder eines Museums ist faszinierend. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass künstlerische und ökonomische Prozesse sich sehr ähneln, sodass die Partnerschaft von Kultur und Wirtschaft meist auf einem guten Fundament steht und beide Seiten vom Austausch profitieren.

Sabine Lurtz-Herting
sabine.lurtz@hk24.de
Telefon 36 13 8 547

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2008