Handelskammer Hamburg 2007

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Engagement

Jede Hilfe zählt

Nicht nur die großen Hamburger Unternehmen engagieren sich für ihre Stadt, sondern auch kleinere. Wie das aussehen kann, zeigen vier ganz unterschiedliche Ansätze.

Das Caféhaus
Für Klaus Lange, Geschäftsführer von „Das Caféhaus“, ist bürgerschaftliches Engagement selbstverständlich und nichts, was er an die große Glocke hängt. Zwar ist er stolz, dass sein Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem Hamburger Familiensiegel ausgezeichnet wurde und 2009 das Ökoprofit-Zertifikat erhalten wird, familienfreundlich und ressourcenschonend arbeitet sein Betrieb jedoch bereits seit Jahren.

Anlagen zur Energieoptimierung und Wärmerückgewinnung wurden in der Backstube bereits Anfang der 1990er eingeführt, lange bevor sie in Bäckereien Standard wurden. Die nicht verkauften Backwaren holen ehrenamtliche Mitarbeiter verschiedener „Tafeln“ täglich ab, um sie an Bedürftige zu verteilen. Außerdem unterstützt „Das Caféhaus“ den Bürgerverein Oldenfelde, der Kinder aus sozial schwachen Familien mit Frühstück und Mittagessen versorgt. „Das kostet nichts, bringt aber viel“, so Lange. Ähnlich lapidar kommentiert er die vorbildliche Personalpolitik seines Hauses, für die ihm als einem der Ersten das Familiensiegel verliehen wurde: „Kleinbetriebe sind immer familienfreundlich – anders könnten sie gar nicht überleben.“ Für seine 30 Mitarbeiter hat Lange das Modell „Wunscharbeitszeit“ eingeführt: Jeder meldet an, wie lange und wann er arbeiten möchte, der Dienstplan wird dann gemeinsam abgestimmt. Einzige Vorgabe: Die Öffnungszeiten von Konditorei und Café, sieben Tage die Woche, von 7 bis 18.30 Uhr. Die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen es jungen Müttern, Familie und Beruf zu vereinbaren. Und wenn es mit der Kinderbetreuung einmal nicht klappt, dürfen die Kleinen sogar mit ins Café. Aber auch ältere Mitarbeiter nutzen das Angebot, stunden- oder tageweise zu arbeiten – die Hälfte von Langes Mitarbeitern ist über 50 Jahre alt.

Lehmann und Voss
Bei seinen Geschäftspartnern genießt das in vierter Generation geführte Familienunternehmen Lehmann und Voss einen ebenso guten Ruf wie bei seinen Mitarbeitern. Bei Wettbewerben wie „Top Job – Die besten Arbeitgeber im Mittelstand“ oder „Deutschlands beste Arbeitgeber“ zählt das Hamburger Chemieunternehmen dank einer Firmenkultur, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und sozialer Orientierung, seit Jahren zu den ersten 100. Aus Sicht der Jurys gab es nur einen verbesserungswürdigen Punkt: soziales Engagement außerhalb der Firma.

Die Belegschaft ergriff sofort die Initiative. Drei Mitarbeiter definierten mit Erk Thomsen, einem der Inhaber, die Rahmenbedingungen für die Auswahl unterstützenswerter Projekte, die in Hamburg angesiedelt sein, eine überschaubare Größe haben und das aktive Engagement des Unternehmens sichtbar machen sollten. Die Firma wollte sich in bereits existierende Einrichtungen einbringen und wünschte sich einen festen Ansprechpartner beim Kooperationspartner. Am Ende fiel die Wahl auf zwei Obdachloseneinrichtungen, den Mitternachtsbus der Diakonie und die Alimaus des Hilfsvereins St. Ansgar. „Diese Projekte passen zu uns, denn Zuverlässigkeit und Respekt gegenüber den Menschen zählen zu den Grundwerten von Lehmann und Voss“, betont Thomsen.

Neben finanziellen und materiellen Zuwendungen des Unternehmens bringen die Mitarbeiter Zeit und persönlichen Einsatz ein. Anfangs organisierte die Belegschaft zweimal im Jahr Kleiderspenden, heute nutzt sie auch betriebliche Kontakte, um beispielsweise Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Textilien für die Alimaus einzukaufen. Inzwischen beschaffen vier Personen Sachspenden für die Alimaus, sieben Freiwillige fahren regelmäßig im Mitternachtsbus mit. Außerdem unterstützt Lehmann und Voss den Bau eines Pflegeheims der Diakonie für Obdachlose.

Levantehaus
Es ist ein Anliegen des Levantehauses, Innovation mit Tradition zu verbinden. Die 41 Ladengeschäfte haben sich zu einer Werbegemeinschaft zusammengeschlossen, die aber mehr macht als einfach nur Werbung. Schon immer verstand sich das Levantehaus als Impulsgeber, der das Viertel voranbringen möchte und dafür auch gern die Vorreiterrolle übernimmt. „Eigentümer und Mieter sind sich einig: Langfristige Konzepte helfen allen im Quartier“, umreißt Dietmar Hamm, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft, die Motivation der Beteiligten. „Dazu gehört auch, durchzuhalten oder einfach etwas zu tun.“

Aktuell engagiert sich das Levantehaus für die Umwelt. Schwerpunkt liegt dabei auf regenerativen Energien. Vor einem Jahr ging auf dem Dach eine Solaranlage in Betrieb, die so viel Elektrizität erzeugt, dass damit der allgemeine Stromverbrauch des Hauses gedeckt werden kann, zum Beispiel für Rolltreppen, Aufzüge und Gangbeleuchtung.

Zusätzlich unterhielt die Werbegemeinschaft mit Unterstützung der Conergy AG bis Juli dieses Jahres die „Green Mall“, einen Schauraum für erneuerbare Energien. Schulklassen, aber auch Schaufensterbummler konnten sich in den wechselnden Ausstellungen informieren, Vorträge besuchen und an Führungen teilnehmen. Kürzlich ging ein Müllsystem an den Start, das den Reststoffen Wasser entzieht und so das Gewicht des Abfalls verringert. Dietmar Hamm blickt weiter in die Zukunft, sein nächstes Wunschprojekt ist ein Lichtkonzept für das Quartier, das regenerative Energien und kreative Beleuchtungsideen kombiniert.

Carlsen-Verlag
Mit Pixi, Conny, Harry Potter und Tim und Struppi dürfte der Carlsen-Verlag aus Hamburg-Ottensen in fast jedem Kinderzimmer vertreten sein. Kinder- und Jugendbücher stehen aber nicht nur beim Verlagsprogramm im Vordergrund, sondern auch beim gesellschaftlichen Engagement des Unternehmens. Von Anfang an unterstützte Carlsen – in diesem Jahr bereits zum vierten Mal – das Hamburger Lesefest Seiteneinsteiger mit Lesungen, Workshops, Verlagsführungen und Schulveranstaltungen.

Dass auch die Allerkleinsten von der Beschäftigung mit Büchern profitieren, beweist das Projekt Buchstart, das Carlsen ebenfalls fördert. Kinderärzte verteilen im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung U6 ein Paket mit Tipps rund ums Vorlesen an die Eltern einjähriger Kinder. Damit zu Hause gleich losgeblättert werden kann, liegt auch ein Buch aus dem Carlsen-Verlag bei. „Kinder sollen möglichst früh erfahren, wie viel Spaß in Büchern steckt“, sagt der Verleger Klaus Humann. „Wer als Kind die Faszination des Erzählens entdeckt und Freude am Lesen hat, der profitiert davon ein ganzes Leben.“

Um allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Literatur zu ermöglichen, arbeitet Carlsen eng mit den Bücherhallen zusammen, insbesondere mit der Jugendbibliothek „hoeb4u“. Über die kulturellen Aktivitäten des Verlages hinaus steht den Mitarbeitern jährlich ein bestimmter Spendenbetrag zur Verfügung, über dessen Verwendung gemeinschaftlich entschieden wird. Im vergangenen Jahr fiel die Wahl unter anderem auf das Kinderhospiz Sternenbrücke und die ambulante Kinder- und Jugendhilfe des Rauhen Hauses.

Julia Körner / Sabine Lurtz-Herting
julia.koerner@hk24.de
Telefon 36 13 8 353

Infos und Kontakte

Die Handelskammer fördert das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen durch vielfältige Angebote in den Bereichen Kultur, Soziales, Bildung, Sport und Umwelt. Wir helfen bei der Suche nach geeigneten Partnern, ermöglichen den Austausch mit anderen engagierten Unternehmern und zeichnen mit unseren „Merkur“-Preisen herausragende Förderansätze aus. Mehr zum Thema im Internet: www.hk24.de/verantwortung

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2008