Handelskammer Hamburg 2009

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IBA 2013

Neue Perspektiven für die Elbinsel

In fünf Jahren findet auf der Elbinsel die Internationale Bauausstellung statt. Sie will die Elbinsel zu einer Art Zukunftslabor der Stadtentwicklung machen.

Auch unter dem schwarz-grünen Senat soll Hamburg weiter wachsen. Dabei ist der sogenannte „Sprung nach Süden“, die Entwicklung der Elbinsel, das einzige Leitprojekt, das Stadtentwicklung zum Gegenstand hat. Zentrales Umsetzungsinstrument der Entwicklung ist die Internationale Bauausstellung (IBA) 2013. Für die Durchführung hat der Senat der Hansestadt schon 2006 die IBA Hamburg GmbH gegründet. Bis zum Jahr 2013 soll sie die Entwicklung der Elbinsel gestalten und begleiten.

Dabei hat die IBA nur wenig mit Ausstellungen im herkömmlichen Sinn zu tun. „Ganz bewusst wird es kein eingezäuntes Gelände mit einem Haupteingang geben, wo man an einem Kassenhäuschen sein Eintrittsgeld entrichtet und dann über das Gelände spaziert“, sagt der Geschäftsführer der IBA Hamburg GmbH, Uli Hellweg. Vielmehr sei die IBA heute eine Art „Work in Progress“, der sich über viele Jahre erstrecke. Erst im Jahr 2013 werde sich die IBA Hamburg abschließend präsentieren. Hellweg, der bereits als Projektmanager der Berliner IBA in den 1980er Jahren umfassende Erfahrungen mit der Durchführung von Bauausstellungen sammeln konnte, beschreibt die IBA als eine Ausstellung, die sich wie das Leben selbst wandle. „Jeder darf mitgestalten und kann die kulturellen Ereignisse ebenso mitverfolgen wie das langsame Wachsen der Bauwerke.“

Daraus folgt, dass sich die IBA auch mit Fragen der Stadtentwicklung beschäftigt, die über das reine Bauen deutlich hinausgehen. So wird als „Gelände“ der IBA die gesamte Elbinsel mit ihren rund 3 500 Hektar Fläche, den heute etwa 50 000 Bewohnern sowie den rund 2 500 Unternehmen angesehen.

Um auf die Elbinsel auch über ihre Ufer hinaus aufmerksam zu machen, werden regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt. Hierzu zählen beispielsweise das Kunst- und Musikfestival Dockville, bei dem nahezu alle Hamburger Newcomer-Bands ein Stelldichein geben, und das deutsch-türkische Literaturfestival sowie viele Diskussionsabende. Die IBA will also vor allem auch eine Ausstellung sein, die zum Mitmachen anregt und so aktiv für einen Stadtraum wirbt.

Das ist der Geschäftsführung der IBA Hamburg GmbH und ihren Mitstreitern in den ers­ten zwei Jahren gut gelungen, was sich auch an der positiven Berichterstattung Hamburger Medien ablesen lässt. Im Mittelpunkt stehen dabei eine Reihe von Bauprojekten. Dazu zählt das sogenannte Weltquartier, ein Umbauprojekt, das die IBA zusammen mit der SAGA als Wohnungsbauunternehmen betreibt. Ziel dabei ist, den unterschiedlichen Anspruch und den Austausch der verschiedenen Kulturkreise, aus denen die Bewohner kommen, zu fördern.

Mit den Klimahäusern am Hauländer Weg soll im Süden der Elbinsel ein Stadtteil mit etwa 700 Wohneinheiten entstehen nach neuesten Standards des klimaschonenden Bauens. Dieser wird sich südlich an das Gelände der Internationalen Gartenschau anschließen, die 2013, also zeitgleich mit dem letzten Präsentationsjahr der IBA, stattfinden wird. Das größte zusammenhängende Wohnungsbauvorhaben der IBA wird damit zugleich eine der größten ökologischen Siedlungen Hamburgs werden.

Mit der geplanten Verlagerung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in die sogenannte Wilhelmsburger Mitte wird bis zum abschließenden Präsentationsjahr ein Großprojekt einen wichtigen städtebaulichen Impuls setzen. Mit dem Projekt greift die IBA gemeinsam mit der Stadt einen Vorschlag der Handelskammer auf. Mit dem Vor-Ort-Papier „Leben und Arbeiten im Herzen Hamburgs“ hatte die Hamburger Wirtschaft schon zwei Jahre vor Gründung der IBA Hamburg GmbH aufgezeigt, mit welchen konkreten Projekten eine prosperierende Entwicklung der Elbinsel in Gang gebracht werden kann. Ein zentraler Vorschlag war, die Elbinsel zu einem Vorzeigequartier für junge Familien zu machen und neue Wohnsiedlungen zu schaffen. Hierfür steht mit der Elbinsel, die nur drei bis sieben Kilometer Luftlinie von Hamburgs City entfernt ist, ein innerstädtischer Entwicklungsraum mit bis zu 200 Hektar Flächen zur Verfügung ideal für weitere gartenbezogene Familienquartiere.

Aber auch für die Ansiedlung von Unternehmen und 15 000 Arbeitsplätzen böte die Elbinsel ein ideales Terrain. Doch genau hier liegt ein Schwachpunkt der bisherigen Entwicklung: „Grundsätzlich sind die Bemühungen der IBA für die Elbinsel zwar sehr zu begrüßen“, sagt Udo Stein, Vorsitzender des Gesprächskreises Harburg-Wilhelmsburg, „leider ist aber der Umfang der initiierten Bauprojekte aufgrund der geringen Flächenentwicklung nicht ausreichend. Insbesondere die außergewöhnlichen Wasseranlagen müssten erkannt und Wohnnutzungen zugeführt werden.“Stein vertritt die Ansicht, dass Hamburg das Entwicklungspotenzial der Elbinsel noch lange nicht ausgeschöpft hat: „Es kann doch nicht sein, dass wertvolle und gut erschlossene Bauflächen, die bereits seit Jahrzehnten im Flächennutzungsplan als solche vorgesehen sind, im Rahmen einer Bauausstellung zu Biotopen erklärt werden.“

Es ist zwar erklärtes Ziel der Entwicklung auf der Elbinsel, das große Stadtentwicklungspotenzial für die Wachsende Stadt zu erschließen. Der Masterplan führt aber im Vergleich zum 1997 von der Hamburgischen Bürgerschaft verabschiedeten Flächenutzungsplan nicht zu einer weiteren Ausweisung von Flächen. So soll eines der größten Stadterweiterungspotenziale, die Kirchdorfer Wiesen, künftig von Bebauung ganz freigehalten werden. Damit kann das Leitprojekt seinem Anspruch als Stadterweiterungsprojekt nicht gerecht werden. Aus heutiger Sicht kann daher nicht ganz ausgeschlossen werden, dass die IBA bis zum Jahr 2013 zwar Impulse setzt, diese aber mangels Flächen nicht in eine nachhaltig positive Stadtentwicklung der Elbinsel münden. Das gilt umso mehr, als bis zum Beginn der Ausstellung 2013 nur noch fünf Jahre zur Verfügung stehen, um alle notwendigen Planverfahren umzusetzen, private Investitionen zu akquirieren und die gewünschten Baumaßnahmen zu realisieren. Die aktuelle Lage sieht Uli Hellweg gelassen: „Die IBA kann nur den Rahmen umsetzen, der auch politisch gewollt ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass Stadtentwicklung immer ein langwieriger Prozess ist, bei dem möglichst viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen.“

Damit gerade die notwendige Entwicklung neuer Flächen für Wohnen und Gewerbe nicht zu kurz kommt, wirkt die Handelskammer intensiv in den Gremien der IBA mit. So wurde zum Beispiel ein gemeinsam von IBA Hamburg GmbH und Handelskammer organisierter Arbeitskreis von Unternehmensvertretern der Elbinsel gegründet. Themen der bisherigen Workshops waren neben der Flächenentwicklung vor allem Fragen rund um die Verkehrssituation der Elbinsel.

Für 2009 hat Uli Hellweg vor allem einen Wunsch: „Wir brauchen dringend mehr Unternehmen, die sich für ein Investment auf der Elbinsel interessieren.“ Die Hamburger Wirtschaft wird es mit Interesse vernehmen und sich bestimmt auch weiter aktiv in die Diskussion einschalten. Denn bei der zuweilen intensiv geführten Erörterung um den richtigen Kurs sind sich doch alle Akteure in einer Sache grundsätzlich einig: Die Elbinsel ist ein Juwel für Hamburg, das nur gemeinsam zur Blüte gebracht werden kann.

Jan-Oliver Siebrand
janoliver.siebrand@hk24.de
Telefon 36 13 8 431

Infos und Kontakte

Die erste Bauausstellung in Deutschland fand 1901 auf der Darmstädter Mathildenhöhe statt. Damals hatte der industrialisierte Wohnungsbau in den Städten eine bis dahin nie dagewesene Verdichtung entstehen lassen. Dem stellte die erste IBA mit der Schaffung einer Künstlerkolonie als eigenständige Siedlung den Gegenentwurf einer innovativen Stadtentwicklung entgegen. 1927 folgte die Weißenhofsiedlung in Stuttgart, mit der der Deutsche Werkbund neue Formen des Wohnens erprobte. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands konkurrierten zwei unterschiedliche Ideen von progressivem Bauen, die beide die ungeliebte Tradition der gründerzeitlichen Mietskasernen hinter sich lassen wollten: Anfang der 1950er Jahre schuf die DDR mit den Monumentalbauten der Stalinallee ihr Leitbild von „Wohnpalästen für Arbeiter“. Der Westen Berlins reagierte darauf mit der Interbau-Ausstellung von 1957, die das kriegszerstörte Hansaviertel als aufgelockerte Stadtlandschaft mit Hoch- und Flachbauten umgestaltete.

Gegen die Bausünden der 1960er und 1970er Jahre wandte sich die Berliner IBA von 1987 mit dem Modell der Reparatur und Rekonstruktion von städtischen Räumen. Dabei wandten sich die Planer dem schonenden Umgang mit Alt- wie Neubauten im Bestand des historischen Berliner Stadtkerns zu. Die IBA Emscher Park widmete sich ab 1989 zehn Jahre lang den nachindustriellen, vielfach brachgefallenen Stadtlandschaften des Ruhrgebietes, wobei erstmals eine ganze Region mit zahlreichen Städten und Kommunen in den Blick genommen wurde.

Ein ähnliches Thema bewegt seit 1999 die Planer der IBA Fürst-Pückler-Land im ehemaligen Braunkohlerevier der Niederlausitz: Hier geht es um Rückbau, künstlerische Umwandlung und zeitgemäße Umnutzung einer Region.

Anders als in Hamburg, wo mit einer konsequenten Strategie auf Bevölkerungswachstum gesetzt wird, müssen im Osten Lösungen für Städte gefunden werden, die unter Bevölkerungsrückgang leiden. Mit diesem Thema befasst sich die IBA Stadtumbau, die mit Sachsen-Anhalt erstmals ein ganzes Bundesland zum Schauplatz hat und bis 2010 andauern wird.

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hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2009