Handelskammer Hamburg 2009

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Traditionsclubs

Gemeinsam handeln

Hanseaten sind nach wie vor ihren Clubs treu. Besonders Institutionen mit Tradition haben großen Zulauf und stehen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten für Verlässlichkeit und Beständigkeit.
Eine Mitgliedschaft im Übersee-Club oder im Hafen-Klub gehört für Hamburger Kaufleute fast schon zum guten Ton. Gleiches gilt für die „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e. V.“ (VEEK), seit 1955 ein eingetragener Verein, der heute rund 1 000 Mitglieder zählt, darunter auch Handelskammer-Präses Frank Horch. Jeweils am Jahresende eröffnet der VEEK-Vorsitzende, Egbert Diehl, die „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns“ im Börsensaal der Handelskammer. Traditionsgemäß gibt dann der Präses der Handelskammer einen Überblick über die wirtschaftliche Gesamtsituation der Stadt. Diese Tradition geht auf das Jahr 1821 zurück. Bereits 1517 wählte die Hamburger Kaufmannschaft einen Vorstand, der „alles Notwendige zu des Kaufmanns Nutzen fördern und Nachteile verhüten“ sollte. Egbert Diehl ist davon überzeugt, dass klassische Tugenden wie Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit für den Kaufmann von heute wichtiger sind denn je und dass sich in Krisenzeiten die Besinnung auf alte Werte als hilfreich erweist.

Im 17. Jahrhundert hatten Politik und Wirtschaft mit Seeräubern und anderem Fehlverhalten zu kämpfen. Grund genug, um im Jahr 1665 die Commerzdeputation, ein Gremium aus sieben Personen, darunter sechs „Ehrbare Kaufleute“, einzusetzen, um solchen Missständen entgegenzuwirken. Mit der Commerzdeputation war die Vorläuferin der Handelskammer geboren. „Heute ist das Thema Korruption aktueller denn je“, so Diehl, „im Juni 2003 wurde eine Vertrauensstelle der Hamburger Wirtschaft zur Korruptionsbekämpfung eingerichtet, die wir maßgeblich unterstützen. Anstand in der Wirtschaft sollte für VEEK-Mitglieder selbstverständlich sein.“ Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist die Tätigkeit als Unternehmer oder leitender Angestellter in einem IHK-angehörigen Betrieb sowie einwandfreies kaufmännisches Verhalten. Das Unternehmen sollte solvent sein. „Die Mitglieder erhalten von der Handelskammer die Chambercard Gold. Damit sind sie gleichzeitig Mitglied im Börsenclub und können das gleichnamige, exklusive Restaurant in der Handelskammer nutzen“, sagt Diehl. „Das ist das Clubrestaurant im Gebäude der Handelskammer, wo man sich trifft, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.“ Der Vereins­beitrag beträgt 50 Euro im Jahr. Eine enge Verbindung zur Handelskammer hat auch die Patriotische Gesellschaft von 1765. Sie wurde aus Anlass des 100. Jubiläums der Commerzdeputation von Angehörigen des gebildeten Bürgertums gegründet. Die Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Anliegen, das Gemeinwohl in der Stadt zu fördern. Sie hielt ihre Versammlungen zunächst im Börsensaal ab, 1805 erwarb sie ein eigenes Gebäude, das 1842 dem großen Hamburger Brand zum Opfer fiel. Ein neues Domizil wurde an der Trostbrücke auf dem Platz des Alten Rathauses errichtet. 1943 zerstörte eine Bombe den imposanten Bau. Glücklicherweise blieb die Fassade erhalten, und das Haus konnte nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Seit ihrer Vereinsgründung ist für Hamburgs älteste Bürgerinitiative das Motto „Tolerant denken – gemeinnützig handeln“ aktuell. 1767 zum Beispiel richtete die Patriotische Gesellschaft eine Zeichenklasse ein, in der jeweils zwölf Schüler Unterricht im Bauzeichnen erhielten. Daraus entwickelte sich später die Gewerbeschule, die seit 1864 vom Staat betrieben wird.

Die Gesellschaft gründete auch die erste Sparkasse in Europa, eine Navigationsschule, die erste Flussbadeanstalt in Deutschland, die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen und vieles mehr. Mit Unterstützung der Patriotischen Gesellschaft wurden das Museum für Kunst und Gewerbe sowie das Hamburgmuseum gegründet. Heute werden in Arbeitskreisen aktuelle Probleme diskutiert. Im Jahr 2000 zum Beispiel wurde die Aktion „Seitenwechsel“ ins Leben gerufen. „Dabei handelt es sich um ein Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte“, erläutert Sven Meyer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Patriotischen Gesellschaft. „Manager arbeiten in sozialen Einrichtungen und lernen so die Schattenseiten der Hansestadt kennen. Sie können im Mitternachtsbus mitfahren und Obdachlose betreuen oder im Hospiz Sterbende versorgen.“ Um finanziell unabhängig zu bleiben, werden Büroräume und die Festsäle im Vereinshaus an der Trostbrücke vermietet. Die Patriotische Gesellschaft hat derzeit rund 350 Mitglieder, der Jahresbeitrag beträgt für Einzelmitglieder 75 Euro, für Firmen 120 Euro. Vorsitzender ist Jürgen Mackensen. Die Patriotische Gesellschaft stellt sich den Herausforderungen städtischen Lebens des 21. Jahrhunderts. Aus einer urbanen Haltung heraus handelt sie tolerant, politisch und nützlich.

Auf eine lange Tradition kann auch der Übersee-Club zurückblicken. „Der Übersee-Club sei gegründet“, verkündete der damalige Handelskammer-Präses Franz Heinrich Witthoefft am 27. Juni 1922 im Gebäude der Patriotischen Gesellschaft. Einflussreiche Han­seaten hatten sich in der wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg versammelt, um durch eine neue Vereinigung wieder weltweit wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Heute gehört der Übersee-Club mit seinen über 2 000 Mitgliedern, darunter an die 200 Damen, zu den größten Hamburger Traditionsclubs, viele seiner ehemaligen Präsidenten waren auch Präses der Handelskammer. Amtierender Präsident ist Peter von Foerster. Das Clubleben findet in repräsentativen Räumen im Amsinck-Haus am Neuen Jungfernstieg statt. Geschäftsführer Burghard von Cramm organisiert jährlich 30 bis 40 hochkarätige Vortragsveranstaltungen zu aktuellen wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Themen. „Der Übersee-Club ist gemeinnützig und zahlt deshalb keine Honorare“, erläutert von Cramm. Nicht nur fast alle deutsche Bundespräsidenten und Bundeskanzler haben im Übersee-Club referiert, sondern auch viele andere prominente Gäste, zu denen Josef Ratzinger, seinerzeit noch Kardinal, ebenso gehört wie Valéry Giscard d’Estaing. Eine wichtige Veranstaltung des Clubs ist der Übersee-Tag, der seit 1950 immer Anfang Mai gefeiert wird und an die Verleihung der Hafenrechte durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1189 erinnert.

Für eine Mitgliedschaft im Übersee-Club werden zwei Bürgen aus dem Kreis der Mitglieder benötigt. Der jährliche Beitrag liegt für ordentliche Mitglieder bei 350 Euro, für Firmen bei 700 oder bei 1 400 Euro, je nach Größe des Unternehmens. Um die Internationalität der Einrichtung zu unterstreichen, wird ausländischen Konsuln eine außerordentliche Mitgliedschaft angeboten. Ziel des Übersee-Clubs ist es, Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und der Völkerverständigung zu fördern. Bankier Max M. Warburg hatte damals die Initiative für den neuen Club ergriffen und in der Handelskammer für dessen Gründung geworben. 1934 löste sich der Club auf und wurde 14 Jahre später, am 18. Juni 1948, auf Betreiben des Kaufmanns Erik Blumenfeld wiedergegründet. Zum Präsidenten wurde Rudolf H. Petersen, Hamburgs erster Nachkriegsbürgermeister, gewählt.

Der Übersee-Club hat viele Partnerclubs im In- und Ausland. Freundschaftlich verbunden ist er dem Anglo-German Club, 1948 gemeinsam von hochrangigen Mitgliedern der britischen Besatzungsmacht und Hamburger Persönlichkeiten als reiner Herrenclub gegründet. Zu den Mitgliedern gehörten auch die Hamburger Bürgermeister Max Brauer, Kurt Sieveking, Paul Nevermann und Herbert Weichmann sowie Axel Springer, John Jahr, Ernst Rowohlt und Handelskammer-Präses Albert Schäfer. Hauptziel des Clubs war es, die Beziehungen zwischen Deutschland und Groß­britannien nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder auf das alte freundschaftliche Fundament zu stellen. Noch heute steht die Förderung der deutsch-britischen Beziehungen im Vordergrund. Clubpräsident ist Claus-G. Budelmann, der seit der Schließung des britischen Generalkonsulats in Hamburg auch Britischer Honorarkonsul ist. Der Anglo-German Club hat rund 1 000 Mitglieder, darunter zwei Ehrenpräsidenten: Hamburgs Ersten Bürgermeister und den Britischen Botschafter in Berlin. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig in einer stilvollen Villa am Harvestehuder Weg, wo Veranstaltungen mit pro­minenten Gastrednern aus Großbritannien und Deutschland stattfinden, unter anderem das jährliche Christmas Dinner und die Garden Party zu
Ehren der britischen Königin.

Der Hafen-Klub ist zwar einige Jahre jünger, kann aber trotzdem eine beachtliche Tradition aufweisen. Amtierender Präsident ist Ove Franz. Am 26. August 1965 wurde der Club ins Vereinsregister eingetragen. Von Anfang an waren Damen als Mitglieder zugelassen. Einige Unternehmer, die geschäftlich mit dem Hafen zu tun hatten, bemängelten bereits Anfang der 1960er-Jahre, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen durch technische Entwicklungen wie Telefon und Telex stark vernachlässigt wurden. „Früher hat man sich an der Börse getroffen, dort gemeinsam das Wirtschaftsleben verfolgt und gleich­zeitig Kontakte gepflegt“, schreibt der ehemalige Clubpräsident Jürgen Lebhuhn in der Vereins­chronik. „Trotz jahrelanger Geschäftsbeziehungen waren persönliche Kontakte nun selten geworden.“ Die Intention des Clubs, sagte Ove Franz, sei im Computerzeitalter aktueller denn je und werde durch die vorhandenen Separées bei exzellenter Gastronomie optimiert. Damals wie heute können nur Unternehmen eine Mitgliedschaft erwerben, die dann ihrerseits Repräsentanten bestimmen – in der Regel aus der Chefetage. Das Clubhaus befindet sich an den Landungsbrücken zwischen den Brücken 4 und 5.
Christina Becker
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

Informationen

Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e. V.,
Telefon: 36 13 8 335, Fax: 36 13 8 533, E-Mail: angelika.glomsda@hk24.de

Patriotische Gesellschaft von 1765 e.V., Trostbrücke 4 – 6, 20467 Hamburg,
Telefon: 36 66 19

Übersee-Club e. V., Amsinck-Haus,
Neuer Jungfernstieg 19, 20354 Hamburg, Telefon: 355 29 00, Fax: 35 52 90 10

Anglo-German Club e.V.,
Harvestehuder Weg 44, 20149 Hamburg, Telefon: 450 55 12 und 450 55 13,
Fax: 44 70 20

Hafen-Klub Hamburg e. V.,
Bei den St. Pauli Landungsbrücken 3, 20359 Hamburg, Telefon: 31 30 00,
Fax: 319 19 71, E-Mail: info@hafen-klub.de

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hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2009