Handelskammer Hamburg 2009

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Konferenz

Duale Berufsausbildung für Russland

Qualifizierte Kräfte sind in Russland knapp – ein Problem, vor allem für deutsche Firmen. Eine Delegation der Handelskammer hat deshalb in Moskau Möglichkeiten zur Installation eines dualen Ausbildungssystems ausgelotet.

Die duale Berufsausbildung ist Garant für den Fachkräftenachwuchs in Deutschland. „Ohne sie wären die wirtschaftlichen Erfolge der deutschen Industrie nicht denkbar“, machte Handels­kammer-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz im Rahmen einer internationalen Konferenz mit deutschen und russischen Experten aus der Baubranche in Moskau deutlich. Der ehemalige Ausbildungsleiter des Hamburger Ausbildungszentrums Bau, Hans Söllner, unterstrich dies am Beispiel der dualen Berufsausbildung in der deutschen Baubranche.

Schnell wurde deutlich, dass die Qualifizierung des Nachwuchses in Russland bislang nur punktuell in einzelnen Branchen geschieht. Dabei handelt es sich in erster Linie um schulische Qualifizierungen mit zum Teil nur geringen Praxisanteilen. Im Gegensatz dazu liegt der Erfolg des deutschen Ausbildungssystems in der engen Verzahnung von Theorie und Praxis an den beiden Lernorten Betrieb und Berufsschule. „Die duale Ausbildung basiert auf einer massiven Indienststellung der Unternehmen“, unterstrich Schmidt-Trenz. Er betonte darüber hinaus die Rolle der Industrie- und Handelskammern bei der Durchführung und Überwachung der Ausbildung und vor allem des Prüfungswesens. „Die Organisation der Ausbildung sollte wirtschaftsnah erfolgen, um Kosteneffizienz und eine unbürokratische Abwicklung sicherzustellen“, so Schmidt-Trenz weiter, der die russische Kammerorganisation ermunterte, sich zukünftig auf diesem Feld zu engagieren. Das Interesse der Kammer und des russischen Bildungsministeriums an diesem Thema war so groß, dass weitere Gespräche folgen werden.

Ein weiterer Höhepunkt der Delegations­reise war die Unterzeichnung eines Abkommens über die Zusammenarbeit der Handelskammer mit dem Zentrum für Schiedsverfahren und Mediation der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation, der bedeutendsten russischen Organisation in diesem Bereich. Urteile der staatlichen Gerichte Russlands und Deutschlands sind im jeweils anderen Land nicht vollstreckbar. Daher ist die Vereinbarung von Schiedsgerichtsklauseln bei deutsch-russischen Verträgen Standard. Derzeit werden aber noch oft Schiedsgerichte in Drittstaaten gewählt, die relativ teuer sind. Auch die logistische Abwicklung ist aufwendiger als bei einem Schiedsgericht in Hamburg oder Moskau. Grund für die Wahl von Schiedsgerichten in Drittstaaten sind Befürchtungen im Hinblick auf die Neutralität einer deutschen oder russischen Schiedsgerichtsorganisation. Diese Befürchtungen sind aber unbegründet, wenn bei der Auswahl der Schiedsrichter darauf geachtet wird, dass beide Nationalitäten angemessen repräsentiert sind.

Die Handelskammer und die Handelskammer der Russischen Föderation werden sich daher insbesondere bei der Auswahl geeigneter Schiedsrichter unterstützen. Auch im Bereich der Wirtschaftsmediation soll eine intensive Zusammenarbeit folgen.

Armin Grams / Christian Graf
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2009