
Seit 100 Tagen im Amt – nach einer Anfangsschonfrist wird es Zeit für die erste Zwischenbilanz: Der neue DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann schilderte am 15. Juni in Hamburg die ersten Eindrücke seiner knapp dreimonatigen Amtszeit. „Beherrschendes politisches Thema meiner ersten Amtswochen waren die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie Ideen und Strategien, wie sich die Krise selbst und ihre Folgen bewältigen lassen“, so Driftmann.
Die Handelskammer Hamburg und die IHK Schleswig-Holstein hatten zur Veranstaltung „100 Tage DIHK-Präsident – Wirtschaftspolitische Verantwortung in schwierigen Zeiten“ eingeladen. Als norddeutscher Unternehmer klassischer Prägung – in der Region verwurzelt, ehrenamtlich engagiert und weltoffen – steht Hans-Heinrich Driftmann in der Tradition hanseatischer Kaufleute. Über 200 Gäste, vornehmlich aus dem Ehrenamt der einladenden Kammern und den Schwesterkammern der IHK Nord, begrüßten den DIHK-Präsidenten mit viel Beifall. Driftmann hat das Amt des obersten Interessenvertreters der deutschen Wirtschaft Ende März in einer turbulenten Zeit übernommen, seit dem Frühjahr ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland, Europa und der Welt mehr als schwierig. Das Zusammentreffen von konjunktureller Schwäche, Finanzmarktkrise und strukturellen Problemen einiger Branchen hat zu einem ungeahnten Abwärtstrend geführt. Der Staat greift massiv in die Finanzmärkte ein, versucht mit gewaltigen Konjunkturprogrammen die Wirtschaft zu stützen, sogar mit Staatshilfen für einzelne Unternehmen.
Dazu Driftmann wörtlich: „Die Erwartungen vieler Bürger richten sich zurzeit stark auf den Staat. Das gilt leider auch für Teile der Wirtschaft. Manch Unternehmer glaubt, durch einen Ruf nach Staatshilfe seine Probleme auf einfache Weise loszuwerden. Nicht nur die Politik muss sich immer wieder Grenzen staatlichen Handelns vor Augen führen, sondern auch die Wirtschaft darf jetzt nicht erwarten, dass jede Forderung richtig und erfüllbar ist. Das wäre der falsche Weg. Zum Glück gibt es auch viele andere Beispiele von Unternehmern, die trotz Krise nicht jammern.“
Staat und Wirtschaft müssen sich nach Ansicht Driftmanns gemeinsam an den ordnungspolitischen Leitlinien der Sozialen Marktwirtschaft orientieren: „Die Übernahme von Verantwortung für das eigene wirtschaftliche Handeln im Sinne des ehrbaren Kaufmanns ist für die Krise unerlässlich. Wir brauchen eine Marktwirtschaft der Verantwortung.“ Hierzu gehöre auch, protektionistischen Tendenzen auf den Weltmärkten eine deutliche Absage zu erteilen. Entscheidend sei zudem, dass die Bundesregierung bei ihren Aktionen auch die Interessen künftiger Generationen im Auge behalte. Eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse sei daher nötig, um die Glaubwürdigkeit des Staates in der Frage der Haushaltsdisziplin zu steigern. Sie diene gleichzeitig der Bekämpfung des in der Konjunkturkrise schlummernden langfristigen Inflationspotenzials. „Hierdurch kann endlich der Teufelskreis von immer neuen Schulden und damit hohen Zinslasten durchbrochen werden.“