Handelskammer Hamburg 2009

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Garage 11

Der Sound der Mumsenstraße

Für die Bewohner der Mumsenstraße sind Oldtimer mit sattem Motorengeräusch mittlerweile Alltag. Mit einer Kleinanzeige in einer Hamburger Tageszeitung „Garage zu vermieten“ und der dazugehörigen Telefonnummer beginnt die Geschichte der Garage 11.

Die Mumsenstraße in Altona gehört zu den eher trostlosen Straßen – auf der einen Seite Hochhäuser, auf der anderen Seite rote 1970er-Jahre-Backsteinbauten. Dass sich zwischen zwei Hochhäusern in einer 1 500 Quadratmeter großen Tiefgarage aber automobile Kostbarkeiten verbergen, lässt sich schwerlich erahnen. Der Eingang zur Tiefgarage ist lang. Unten an­gekommen, sitzt Jens Seltrecht mit einem Kunden an einem knallroten Küchentisch mit dazugehöriger Sitzecke im American Style.

Seltrecht handelt mit Oldtimern und ist Inhaber der Garage 11. Direkt neben der Sitzecke steht ein Fiat Topolino Belvedere von 1947. Rundherum liegt Stroh, so als würde das Schmuckstück immer noch in einer italienischen Scheune stehen, wo der Wagen vor einigen Jahren entdeckt wurde. „Ich war schon immer ein Autofreak, und vor etwa 15 Jahren habe ich mit dem Kauf eines Fiat Coupé meine Leidenschaft für alte Autos entdeckt“, sagt der 42-Jährige. „Ich habe immer nur Autos gefahren, die ich toll fand.“

Vor vier Jahren zog es den Betriebswirt und Inhaber einer Eventagentur der Liebe wegen von Köln nach Hamburg. Da kam ihm die Anzeige „Garage zu vermieten“ in einer Hamburger Tageszeitung gerade recht, um das Geschäft mit alten Autos zu eröffnen. Anfangs noch mit einem Partner, betreibt er den Verkauf der Oldtimer in der Mumsenstraße 11 mittlerweile allein. „In diesem Jahr werde ich wohl das erste Mal schwarze Zahlen schreiben“, erzählt er.

Die Krise ist bei Seltrecht nicht angekommen, ganz im Gegenteil, Oldtimer verlieren nicht an Wert, sondern werden immer kostbarer: „Ein Porsche 911 Carrera RS, Baujahr 1973, kostete vor zehn Jahren etwa 90 000 bis 100 000 D-Mark, heute muss man dafür zwischen 180 000 bis 250 000 Euro hinlegen.“ Die Autos verkauft er nur in Kommission, also im Auftrag der jeweiligen Besitzer. Zurzeit hat er etwa 45 Fahrzeuge in der Garage stehen, die auf neue Eigentümer warten. Ein Fiat 1 500 Vignale, Baujahr 1962, ist im Moment das älteste Auto in seinem Bestand. „Das Besondere an dem Wagen ist, dass die Karosserie handgearbeitet ist und es in Deutschland davon nur noch maximal drei bis vier Exem­plare gibt“, erzählt Seltrecht. „Für mich muss ein Auto ehrlich, gut und original sein, sonst nehme ich es nicht in Kommission“, erklärt der Oldtimer-Liebhaber seine Philosophie. „Ein ehrlicher, wahrheitsgemäßer Zustand ist die Grundlage meines Erfolgs. Der Kunde soll sich wohlfühlen. Die Preise sind dem Zustand angemessen.“

Und Seltrecht weiß „seine“ Autos in Szene zu setzen: Er hat eine Wand in der Garage schneeweiß streichen lassen, um die „Oldies“ davor von einem Profi fotografieren zu lassen. Dann stellt er sie ins Internet. Sein Portal www.garage-11.de wurde seit der Eröffnung Anfang 2007 mehr als 275 000 Mal angeklickt. Die meisten seiner Autos gehen allerdings ins Ausland, vor allem in die Beneluxstaaten, nach Skandinavien, Österreich, Polen und ins Baltikum. Im Alltag fährt Seltrecht einen Volvo 240 Kombi, für den Spaß einen Lotus Eclat, Baujahr 1981.

Eva Michel
eva.michel@hk24.de
Telefon 36138-306

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2009