
Die Freude war groß bei Karl Morgen, als ihn die frohe Kunde ereilte. Sein Ingenieurbüro, die WTM Engineers International GmbH, wird am größten Infrastrukturprojekt der kommenden Jahre mitarbeiten: der festen Fehmarnbelt-Querung. Spontan lud der Geschäftsführer seine Mitarbeiter in die Kantine zu einem Glas Sekt ein. „Wir haben alle Kollegen versammelt und auf dieses einmalige Projekt angestoßen“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Seit 16 Jahren gibt es immer wieder Überlegungen, die Inseln Fehmarn und Lolland durch eine feste Querung miteinander zu verbinden. Das Bauwerk rücke den Norden Europas zusammen, glaubt Morgen. Die Vorteile, sagt er, lägen klar auf der Hand. „Unabhängig vom wirtschaftlichen Nutzen für beide Länder, würde sich die Fahrzeit mit dem Auto von Hamburg nach Kopenhagen deutlich verkürzen.“ Noch ist unklar, ob die Querung, die 2018 fertiggestellt sein und 5,8 Milliarden Euro kosten soll, als Brücke oder als Tunnel gebaut wird. Bis heute gibt es große Einwände gegen den Bau einer Brücke. Umweltorganisationen befürchten, dass Flugvögel sich in den Stahlseilen der 19 Kilometer langen Hängebrücke verfangen könnten. Als im vergangenen März auch das dänische Parlament dem Staatsvertrag mit Deutschland zustimmte, hat der Bauherr, die Fehmarn Belt AS, deshalb gleich beide Varianten als Planungsauftrag vergeben.
Die WTM Engineers International GmbH gehört dem Konsortium an, das sich um die Planungen für die Tunnelvariante kümmert. Mit fünf internationalen Unternehmen plant sie einen 22 Kilometer langen Einschwimm- und Absenktunnel mit vier Autobahnspuren und zwei Eisenbahngleisen. Das Ingenieurbüro mit Sitz an der Außenalster ist der Experte für das Planfeststellungsverfahren auf deutscher Seite. „Die Fehmarn Belt AS hatte großen Respekt vor den Genehmigungsverfahren in Deutschland“, sagt Karl Morgen. „So war es für sie naheliegend, eine deutsche Firma mit ins Boot zu holen, und wir hatten durch unsere Mitarbeit beim XFEL-Projekt für Desy gute Referenzen.“
Viel Zeit, um sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen, bleibt Morgen und seiner 150-köpfigen Mannschaft nicht. In zweieinhalb Jahren müssen sie die Planungen so weit abgeschlossen haben, dass die Fehmarn Belt AS mit dem Bau der Querung beginnen kann. Drei Genehmigungsverfahren nach deutschem und dänischem Recht sowie eines der Ostsee-Anrainerstaaten entscheiden anschließend, ob die Fehmarnbelt-Querung ein Tunnel oder eine Brücke wird. Karl Morgen geht das Projekt optimistisch an: Es gebe viele Vorteile, die für eine Tunnelvariante sprächen. „Ein Tunnel würde weniger Eingriffe in die Landschaft bedeuten, man hätte weniger Wartungskosten und könnte einen Tunnel bei allen Wetterbedingungen nutzen, was bei einer Brücke nicht der Fall wäre.“
Sollten sich die Entscheidungsgremien dennoch gegen einen Tunnel entscheiden, würde es der Hamburger Ingenieur gelassen sehen. Es sei einfach toll, an so einem Bauwerk der Superlative mitgewirkt zu haben.