Handelskammer Hamburg 2009

< zurück

Stadtentwicklung

Shoppingmeile präsentiert sich neu

Kaufleute und Grundeigentümer schaffen im Rahmen des BID Wandsbek Markt großzügige Boulevards. Mit diesem Projektlösen sie Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe aus.
Von diesem Frühjahr an werden die Wandsbeker Marktstraße und die Schlossstraße zu Boulevards umgestaltet. Die Fußwege, die bislang kaum jemanden zum Verweilen einladen, werden neu gepflastert und verbreitert. Mehr Bäume, neue Leuchtstelen und eine moderne Stadtmöblierung sollen mehr Aufenthaltsqualität schaffen. Für all diese Maßnahmen bringen die Grundeigentümer des Quartiers knapp vier Millionen Euro aus privaten Mitteln auf. Die Stadt steuert weitere 750 000 Euro für die Grundsanierung der Gehwege bei, die ohnehin notwendig geworden wäre. Für dieses Projekt nutzen die Anlieger das Instrumentarium der Business Improvement Districts, kurz BID. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Grundeigentümer und Kaufleute auf ein Bündel von Maßnahmen verständigt und einen BID-Antrag zur Abstimmung gestellt, der von der Mehrheit der Grundeigentümer angenommen wurde. Daraufhin hat der Hamburger Senat im Juli 2008 das BID Wandsbek Markt gegründet, sodass nun innerhalb von fünf Jahren alle vereinbarten Maßnahmen umgesetzt werden können. Neben der Schaffung des Boulevards sind Marketingmaßnahmen geplant, um die Menschen auf das Wandsbeker Zentrum auf­merksam zu machen.

Holger Gnekow, Inhaber der Adler-Apotheke und einer der Initiatoren des BID, sieht in dem Projekt einen wichtigen Impuls für die Wandsbeker City: „Wir rechnen damit, dass das BID einen erneuten Anstoß für weitere private Investitionen gibt.“ Das Kalkül scheint aufzugehen. So wird die Union Investment Real Estate AG das Einkaufszentrum Wandsbek Quarree bis zum Frühjahr 2010 um rund 7 500 Quadratmeter auf 32 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche erweitern. In das Projekt investiert das Hamburger Unternehmen rund 30 Millionen Euro. Schon heute ist das 1988 eröffnete Einkaufszentrum gemeinsam mit dem benachbarten Karstadt-Haus der wichtigste Magnet in Wandsbek. Mit einem neuen „C und A“-Bekleidungsgeschäft, einer vergrößerten „H und M“-Filiale und einer Vielzahl kleinerer Geschäfte, die den Branchenmix ergänzen, wird es neue Kunden anziehen. Die Realisierung des Bauvorhabens wird die Pirelli RE übernehmen, die auch weiterhin das Centermanagement wahrnehmen wird.

Karin Stehr, Inhaberin von Viva Brillenmode, hebt die positive Stimmung in der Wandsbeker Kaufmannschaft hervor, die sich durch die Arbeit im BID ergeben hat, gerade auch durch die gemeinsame Überwindung vieler bürokratischer Hürden: „Das wird sich mit der weitgehenden Realisierung des Boulevards 2010 auch in interessanten Neuvermietungen widerspiegeln.“ Ein großes Interesse an Einzelhandelsgeschäften im BID-Gebiet beobachtet auch Thomas Reimer, Inhaber des Weinhauses Reimer: „Ich rechne damit, dass sich in den nächsten Jahren der Branchenmix verbessern wird, sodass mehr Menschen in die Wandsbeker City kommen werden.“ In einer Stadt wie Hamburg, die über viele attraktive Einzelhandelsstandorte verfügt, muss sich Wandsbek in einem intensiven Wettbewerb behaupten. Die Hamburger Innenstadt hat in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen und ist nach wie vor der ­wichtigste Wettbewerber Wandsbeks. Diese Tatsache hat die Wandsbeker Kaufleute, die seit 2000 als City Wandsbek e. V. zusammenarbeiten, veranlasst, ihren Standort aufzuwerten. Mit der Umsetzung des BID ­haben sie die Otto Wulff Bauunternehmung beauftragt, die schon seit 2005 erfolgreich als Aufgabenträger des BID Neuer Wall aktiv ist. Wandsbek folgt damit auch dem Vorbild ­Bergedorfs, wo in Kürze das zweite BID seine Arbeit aufnehmen wird. Nach den guten ­Erfahrungen mit dem ersten BID, das 2005 für drei Jahre gegründet wurde, haben die Grundeigentümer und Kaufleute aus dem Sachsentor ein zweites BID vorbereitet, das innerhalb von fünf Jahren (2009 bis 2014) umgesetzt werden soll. Weitere BIDs in der Alten Holstenstraße in Lohbrügge und in der Lüneburger Straße in Harburg werden ebenfalls noch in diesem Frühjahr ihre Arbeit aufnehmen.

Die meisten BID-Initiativen haben sich in der Hamburger Innenstadt gegründet. Motiviert durch den Neuen Wall, der durch das BID von einer sehr guten zu einer exzellenten Lage wurde, hat sich auch in den Hohen Bleichen eine BID-­Initiative gegründet. Das Nikolai-Quartier zwischen Handelskammer, Hopfenmarkt und Rödingsmarkt soll mit einem BID wieder zu einer ersten Adresse in der Hamburger City entwickelt werden. Zahlreiche Immobilieneigentümer, Handelsunternehmen und Dienstleister haben sich auf Initiative von Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz Ende 2007 zu einer BID-Ini­tiative zusammengeschlossen.

Gerade angesichts der aktuellen konjunkturellen Entwicklung scheidet sich bei den Einzelhandelslagen die Spreu vom Weizen. Zweitklassige Standorte dürften im Wettbewerb verlieren. Gute Standorte bieten dagegen auch langfristig eine hervorragende wirtschaftliche Perspektive. Mit den Business Improvement Districts haben die Immobilien­eigentümer und die Kaufleute ein Instrument, selbst aktiv zu werden, um ihr Quartier im Wettbewerb zu stärken. „Wir sind gut aufgestellt“, ist Holger Gnekow überzeugt. „Wir haben rechtzeitig die Weichen gestellt, um das Bezirkszentrum von Wandsbek zur attraktivsten Shoppingmeile im Hamburger Osten zu machen.“ 
Heiner Schote
heiner.schote@hk24.de
Telefon 36 13 8 275

Informationen

Business Improvement Districts (BIDs) ­sind räumlich klar umrissene Bereiche, in denen die Grundeigentümer und Gewerbe­treibenden zum eigenen Vorteil versuchen, die Standortqualität zu verbessern. Die dazu erforderlichen Maßnahmen werden aus dem Aufkommen ­einer selbst auferlegten und zeitlich befristet ­erhobenen Abgabe finanziert.
Aktuelles über BIDs lesen Sie in den BID News. Unter www.hk24.de/bid finden Sie
die neueste Ausgabe.

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2009