Stadtentwicklung
Shoppingmeile präsentiert sich neu
Kaufleute und Grundeigentümer
schaffen im
Rahmen des BID Wandsbek Markt großzügige Boulevards.
Mit
diesem Projektlösen sie Investitionen in zweistelliger
Millionenhöhe aus.
Von diesem Frühjahr an werden die Wandsbeker
Marktstraße und
die Schlossstraße zu Boulevards umgestaltet. Die
Fußwege,
die bislang kaum jemanden zum Verweilen einladen, werden neu
gepflastert und verbreitert. Mehr Bäume, neue Leuchtstelen und
eine moderne Stadtmöblierung sollen mehr
Aufenthaltsqualität
schaffen. Für all diese Maßnahmen bringen die
Grundeigentümer des Quartiers knapp vier Millionen Euro aus
privaten Mitteln auf. Die Stadt steuert weitere 750 000 Euro
für
die Grundsanierung der Gehwege bei, die ohnehin notwendig geworden
wäre. Für dieses Projekt nutzen die Anlieger das
Instrumentarium der Business Improvement Districts, kurz BID. In den
vergangenen zwei Jahren haben sich die Grundeigentümer und
Kaufleute auf ein Bündel von Maßnahmen
verständigt und
einen BID-Antrag zur Abstimmung gestellt, der von der Mehrheit der
Grundeigentümer angenommen wurde. Daraufhin hat der Hamburger
Senat im Juli 2008 das BID Wandsbek Markt gegründet, sodass
nun
innerhalb von fünf Jahren alle vereinbarten
Maßnahmen
umgesetzt werden können. Neben der Schaffung des Boulevards
sind
Marketingmaßnahmen geplant, um die Menschen auf das
Wandsbeker
Zentrum aufmerksam zu machen.
Holger Gnekow, Inhaber der Adler-Apotheke und einer der Initiatoren des
BID, sieht in dem Projekt einen wichtigen Impuls für die
Wandsbeker City: „Wir rechnen damit, dass das BID einen
erneuten
Anstoß für weitere private Investitionen
gibt.“ Das
Kalkül scheint aufzugehen. So wird die Union Investment Real
Estate AG das Einkaufszentrum Wandsbek Quarree bis zum
Frühjahr
2010 um rund 7 500 Quadratmeter auf 32 000 Quadratmeter
Einzelhandelsfläche erweitern. In das Projekt investiert das
Hamburger Unternehmen rund 30 Millionen Euro. Schon heute ist das 1988
eröffnete Einkaufszentrum gemeinsam mit dem benachbarten
Karstadt-Haus der wichtigste Magnet in Wandsbek. Mit einem neuen
„C und A“-Bekleidungsgeschäft, einer
vergrößerten „H und M“-Filiale
und einer
Vielzahl kleinerer Geschäfte, die den Branchenmix
ergänzen,
wird es neue Kunden anziehen. Die Realisierung des Bauvorhabens wird
die Pirelli RE übernehmen, die auch weiterhin das
Centermanagement
wahrnehmen wird.
Karin Stehr, Inhaberin von Viva Brillenmode, hebt die positive Stimmung
in der Wandsbeker Kaufmannschaft hervor, die sich durch die Arbeit im
BID ergeben hat, gerade auch durch die gemeinsame Überwindung
vieler bürokratischer Hürden: „Das wird
sich mit der
weitgehenden Realisierung des Boulevards 2010 auch in interessanten
Neuvermietungen widerspiegeln.“ Ein großes
Interesse an
Einzelhandelsgeschäften im BID-Gebiet beobachtet auch Thomas
Reimer, Inhaber des Weinhauses Reimer: „Ich rechne damit,
dass
sich in den nächsten Jahren der Branchenmix verbessern wird,
sodass mehr Menschen in die Wandsbeker City kommen werden.“
In
einer Stadt wie Hamburg, die über viele attraktive
Einzelhandelsstandorte verfügt, muss sich Wandsbek in einem
intensiven Wettbewerb behaupten. Die Hamburger Innenstadt hat in den
vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen und ist
nach
wie vor der wichtigste Wettbewerber Wandsbeks. Diese Tatsache
hat
die Wandsbeker Kaufleute, die seit 2000 als City Wandsbek e. V.
zusammenarbeiten, veranlasst, ihren Standort aufzuwerten. Mit der
Umsetzung des BID haben sie die Otto Wulff Bauunternehmung
beauftragt, die schon seit 2005 erfolgreich als Aufgabenträger
des
BID Neuer Wall aktiv ist. Wandsbek folgt damit auch dem Vorbild
Bergedorfs, wo in Kürze das zweite BID seine Arbeit
aufnehmen
wird. Nach den guten Erfahrungen mit dem ersten BID, das 2005
für drei Jahre gegründet wurde, haben die
Grundeigentümer und Kaufleute aus dem Sachsentor ein zweites
BID
vorbereitet, das innerhalb von fünf Jahren (2009 bis 2014)
umgesetzt werden soll. Weitere BIDs in der Alten
Holstenstraße in
Lohbrügge und in der Lüneburger Straße in
Harburg
werden ebenfalls noch in diesem Frühjahr ihre Arbeit aufnehmen.
Die meisten BID-Initiativen haben sich in der Hamburger Innenstadt
gegründet. Motiviert durch den Neuen Wall, der durch das BID
von
einer sehr guten zu einer exzellenten Lage wurde, hat sich auch in den
Hohen Bleichen eine BID-Initiative gegründet. Das
Nikolai-Quartier zwischen Handelskammer, Hopfenmarkt und
Rödingsmarkt soll mit einem BID wieder zu einer ersten Adresse
in
der Hamburger City entwickelt werden. Zahlreiche
Immobilieneigentümer, Handelsunternehmen und Dienstleister
haben
sich auf Initiative von
Handelskammer-Hauptgeschäftsführer
Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz Ende 2007 zu einer
BID-Initiative zusammengeschlossen.
Gerade angesichts der aktuellen konjunkturellen Entwicklung scheidet
sich bei den Einzelhandelslagen die Spreu vom Weizen. Zweitklassige
Standorte dürften im Wettbewerb verlieren. Gute Standorte
bieten
dagegen auch langfristig eine hervorragende wirtschaftliche
Perspektive. Mit den Business Improvement Districts haben die
Immobilieneigentümer und die Kaufleute ein
Instrument, selbst
aktiv zu werden, um ihr Quartier im Wettbewerb zu stärken.
„Wir sind gut aufgestellt“, ist Holger Gnekow
überzeugt. „Wir haben rechtzeitig die Weichen
gestellt, um
das Bezirkszentrum von Wandsbek zur attraktivsten Shoppingmeile im
Hamburger Osten zu machen.“
Informationen
Business Improvement Districts (BIDs) sind
räumlich klar
umrissene Bereiche, in denen die Grundeigentümer und
Gewerbetreibenden zum eigenen Vorteil versuchen, die
Standortqualität zu verbessern. Die dazu erforderlichen
Maßnahmen werden aus dem Aufkommen einer selbst
auferlegten
und zeitlich befristet erhobenen Abgabe finanziert.
Aktuelles über BIDs lesen Sie in den BID News. Unter www.hk24.de/bid finden Sie
die neueste Ausgabe.
hamburger wirtschaft, Ausgabe
März 2009