
Dass eine Schule mit Schulen in anderen Ländern Maßnahmen zu einem Schüleraustausch unterhält, ist gang und gäbe. Dass aber eine Schule für Schüler einer Partnerschule auch Praktika organisiert, ist etwas Besonderes. Das Hansa- und das Luisen-Gymnasium in Bergedorf machen das Besondere möglich. Im Rahmen des Programms „European Work Exchange“ kooperieren die beiden Schulen schon seit 20 Jahren mit Schulen in England, mit dem Hills Road Sixth Form College in Cambridge durchgängig seit 1991. Jahr für Jahr machen sich rund 20 englische und 20 deutsche Schüler für zehn Tage auf, um in einer Familie des Gastlandes zu leben und in einem Betrieb ein Praktikum zu absolvieren. So erhalten die Schüler nicht nur einen Einblick in das Privatleben der Gastfamilien, sondern sie können auch Erfahrungen im Arbeitsalltag sammeln. Damit verbessern sie ihre kulturelle und sprachliche Kompetenz.
Zu den 19 Schülern aus England, die kürzlich in Bergedorf zu Gast waren, gehörte auch die 17-jährige Julia Deathridge aus Cambridge. Sie absolvierte ein Praktikum in einem Softwareunternehmen und sieht in dem Austauschprogramm viele Vorteile: „Im Praktikum habe ich einen Eindruck davon erhalten, wie es ist, in Deutschland zu arbeiten.“ Aber nicht nur das: „Der Austausch ist ein guter Weg, die Deutschkenntnisse zu verbessern. Ich habe viele für mich neue deutsche Wörter aufgeschnappt.“ Im Praktikum würden die Deutschkenntnisse richtig auf die Probe gestellt. Doch es sei gut, im Betrieb ständig von der deutschen Sprache umgeben zu sein. „Im Laufe der Zeit habe ich Deutsch gesprochen, ohne es selbst zu bemerken.“
Für viele Schüler war das Praktikum sicher auch in Bezug auf den späteren Berufsweg nützlich. Außer in Betrieben absolvierten sie Praktika in Kindergärten, an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und in freien Berufen. Julia Deathridge selbst hat für ihre Praktikumsarbeit einen ganz konkreten Bezug zu ihrem Aufenthalt in Bergedorf gefunden: Sie erstellte eine Website über das Austauschprogramm und dokumentierte ihre Erfahrungen in Hamburg.
Mit ihren deutschen Partnern besuchte die englische Gruppe auch die Handelskammer und informierte sich über deren Geschichte und Aufgaben. Kristiana Heitland, Koordinatorin für Berufsorientierung und Englischlehrerin am Hansa-Gymnasium, liegt das Austauschprogramm sehr am Herzen: „Einige Unternehmen und Einrichtungen unterstützen das Projekt schon sehr lange. Es wäre fantastisch, wenn sich weitere Unternehmen fänden, die für zehn Tage einen englischen Praktikanten aufnehmen.“ Ein großes Angebot an Praktikumsplätzen könne sicher dazu beitragen, die Attraktivität der deutschen Sprache und des Deutschunterrichtes an englischen Schulen zu steigern. Hamburger Betriebe wiederum erhielten auf diese Weise die Möglichkeit, mit potenziellen Nachwuchskräften aus England in Kontakt zu kommen. Kristiana Heitland denkt aber noch weiter, möchte gern auch andere europäische Staaten einbeziehen: „Damit würde der europäische Gedanke real erfahrbar. Der Leitgedanke des Projektes ist damit ebenso modern wie vor 20 Jahren, als wir begannen.“