
Mit Stolz präsentierten 22 junge Praktikanten ihre Zertifikate, und mit noch mehr Stolz begannen sie fast alle am 1. August ihre Ausbildung. Das Praktikantenprojekt der Aurubis AG „9 Plus“ ist damit erneut erfolgreich zu Ende gegangen. Ein Beleg dafür, dass ein organisiertes Praktikum die beste Chance für Ausbildungsplatzsuchende mit Vermittlungshemmnissen ist, sich und ihre Fähigkeiten jenseits der Schulnoten zu beweisen. Ein vergleichbares Instrument steht seit dem Jahr 2005 mit den Einstiegsqualifizierungen (EQ) auch kleinen und mittleren Ausbildungsbetrieben zur Verfügung.
Bei diesen sechs- bis zwölfmonatigen Betriebspraktika „laufen“ die Jugendlichen nicht einfach nur im Betrieb mit, sondern sie bekommen genau festgelegte Teile anerkannter Ausbildungsberufe vermittelt. In der Praxis können sie so ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich für eine Ausbildung empfehlen. Außerdem erhalten sie eine Praktikumsvergütung von 212 Euro, die zusammen mit dem gesamten Sozialversicherungsbeitrag von der Agentur für Arbeit erstattet wird. Auch Ugor Ergün ist jetzt Auszubildender und hatte zuvor die Chance einer EQ genutzt: „Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben und wurde auch öfter zum Gespräch eingeladen, habe aber keinen Ausbildungsplatz erhalten. Über die Einstiegsqualifizierung hatte ich die Möglichkeit, mich über einen längeren Zeitraum zu beweisen, und ich konnte tagtäglich zeigen, was in mir steckt. Das hat nun endlich zum Erfolg geführt.“
Sein Ausbildungsbetrieb, die Rewatec GmbH, ein Hersteller von Regenwasser- und Kleinkläranlagen, ist schon seit vier Jahren bei den Einstiegsqualifizierungen dabei. Geschäftsführer Marco Rumberg: „Für uns gibt es keine bessere Möglichkeit, Jugendliche unabhängig von ihren Zeugnissen auf ihre Tauglichkeit hin zu testen.“ Auch der Erfolg gibt dem Konzept recht: Aus dem Durchlauf 2008 / 2009 sind bislang 218 Jugendliche in ein reguläres Lehrverhältnis übernommen worden. Bei 260 erfolgreich durchlaufenen EQ-Verträgen entspricht das einem Anteil von 83,8 Prozent. Diese hervorragende Übernahmequote zeigt, dass EQs als Türöffner in die Duale Berufsausbildung unschlagbar ist.
Sollte es dennoch mit dem Übergang nicht klappen, vergibt die Handelskammer nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat, das zusammen mit dem betrieblichen Zeugnis weitere Bewerbungen erheblich erleichtert. Erfreulich: Die Zahl der abgeschlossenen EQ-Verträge ist weiter gestiegen. Hatte die Handelskammer 2004 / 2005 nur 58 Verträge registriert, so lag die Zahl 2006 / 2007 bereits bei 361. Im Durchgang 2008 / 2009 ist die Zahl auf 433 gestiegen, wobei 173 Verträge aktuell noch laufen.
Im August hat die Einwerbungsphase für neue Plätze begonnen, und es sieht danach aus, als ob die Hamburger Wirtschaft in diesem Jahr so viele EQ-Plätze zur Verfügung stellt wie nie zuvor. Dennoch ergreifen noch viel zu wenig Jugendliche diese Chance: In den vergangenen zwei Jahren blieben jeweils mehrere 100 Plätze für Einstiegsqualifizierungen unbesetzt.
Um das große Potenzial besser ausschöpfen zu können, wurde im Herbst 2005 der Verein „Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft“ gegründet. Dahinter stehen die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, die Handelskammer sowie die Handwerkskammer. Der Verein kümmert sich um die Jugendlichen und ihre Ausbildungsbetriebe. „Unser Service kommt bei den Unternehmen gut an“, sagt Joachim Reischuck, Bildungsbegleiter des Vereins. Auch Rewatec-Geschäftsführer Marco Rumberg ist voll des Lobes: „Obwohl das halbe Jahr Einstiegsqualifizierung bei uns total reibungslos verlief, hat sich der Verein um uns gekümmert und unssogar besucht.“
Unternehmen, die Plätze für Einstiegsqualifizierungen bereitstellen oder den Betreuungsservice der Handelskammer in Anspruch nehmen möchten, wenden sich an: Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft e. V., Schauenburgerstraße 49, 20095 Hamburg, Telefon 36138-798.