Interview: Sabine Hengesbach
Kultur als legale Droge
Sabine Hengesbach,
Geschäftsführerin der In Medias Public Relations
GmbH, vermittelt kulturelle Ereignisse und Institutionen an die Medien.
Mit der
hamburger wirtschaft spricht sie über ihre Arbeit und die
Kulturmetropole Hamburg.
hamburger wirtschaft: Sie arbeiten viel
für
Kulturinstitutionen und Festivals. War das von Anfang an der
Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Sabine Hengesbach: In Medias hat
früher für
große Unternehmen und Marken gearbeitet. Heute sind wir zu
rund 70 Prozent für Kulturinstitutionen und kulturelle Themen
tätig. Diese Entwicklung hat sich zum einen aus meinem
persönlichen Interesse ergeben, zum anderen aus der
zunehmenden Bereitschaft vieler Kulturinstitutionen, sich den Themen
Marketing und PR zu öffnen.
hw: Durch die Hamburg Marketing
Gesellschaft sind Sie für
Journalisten die Ansprechpartnerin für die Musikmetropole
Hamburg geworden. Was können Sie auf diese Weise für
die Stadt erreichen?
Hengesbach: Die Hamburg Marketing
Gesellschaft hat in der
Stadt sehr zu dem Bewusstsein beigetragen, dass wir uns in einem
Wettbewerb der sogenannten „second citys“ befinden.
Wir wissen inzwischen, wohin wir wollen, und wir wissen auch, wie wir
da hinkommen. Ein Beispiel ist der regelmäßige
Pressedienst von In Medias über alle Bereiche des Hamburger
Musiklebens: Klassik, Pop, Jazz. Das Musikgeschehen der Hansestadt
kommt dadurch in den Medien sehr vielfältig vor, sowohl in den
regionalen als auch in den überregionalen.
hw: Wie hat sich die Wahrnehmung Hamburgs
durch das Projekt
Elbphilharmonie gewandelt?
Hengesbach: Bislang wurden viele einzelne
Aktivitäten aus dem
Musikleben Hamburgs wahrgenommen. Man weiß, dass an einem
neuen „Ring des Nibelungen“ gearbeitet wird, und
kennt die bedeutenden Akteure wie zum Beispiel Jeffrey Tate, Simone
Young und Christoph von Dohnányi. Durch das Projekt
Elbphilharmonie
ist man neugierig geworden, wie Hamburg den Weg zu einer wirklichen
Musikmetropole meistern wird.
hw: Was fehlt Hamburg noch zu einer
Musikmetropole?
Hengesbach: Wir betreuen auch die
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci und
haben die Händelfestspiele Göttingen neu
positioniert. Meiner Ansicht nach fehlt Hamburg ein großes,
überregional bedeutsames Festival. Ein solches Festival
müsste an das Vorhandene anknüpfen und Hamburger
Traditionen aufgreifen. Das Bespiel Potsdam zeigt, wie das gelingen
kann.
hw: Seit Kurzem machen Sie viel mehr als
„nur“ PR
…
Hengesbach: Ja, ich sehe das als
konsequente Weiterentwicklung und
Diversifizierung der Marke „In Medias“, um die
erworbenen Kompetenzen und Kontakte einsetzen zu können.
Zurzeit haben wir vier Projekte in Arbeit, und ich hoffe, dass viele
Hamburger Freude daran haben: Die
„Spazierklänge“, klassisch ebenso wie
modern, sollen im Frühjahr zum Download auf iTunes zu
thematischen Spaziergängen durch die Stadt einladen. Seit
dem 23. Januar läuft unsere Kulturakademie in der
Tesdorpfstraße, und gemeinsam mit dem Koch des Artisan,
Thorsten Gillert, haben wir ein Kunstkochbuch in Arbeit.
Schließlich bereiten wir auch noch ein Angebot von
Kulturreisen nach Hamburg vor.
hw: Greifen wir einmal die Kulturakademie
heraus. Was will diese
Einrichtung vermitteln? Wer soll was von wem lernen?
Hengesbach: Während meiner Arbeit
im Kulturbereich habe ich
immer wieder gedacht, wie sehr Unternehmen und
Führungskräfte aus
der Wirtschaft vom Wissen der Kulturschaffenden lernen und profitieren
könnten. In unserer Kulturakademie haben wir
Referenten aus allen Kultursparten, die
künstlerische Prozesse offenlegen. Künstler
arbeiten oft unter Extrembedingungen sehr kreativ und profitabel, davon
kann man viel lernen. Im Februar zum Beispiel hat Christian Gansch die
Analogien der Kommunikations- und Führungsstrukturen von
Unternehmen und Sinfonieorchestern analysiert und gezeigt, welche
Lösungsstrategien sich auf Betriebe übertragen
lassen. Im April wird unter anderem Heather Jurgensen, ehemalige
Primaballerina des Hamburg Balletts, über Kommunikation
sprechen. Ich denke, wir haben mit der Kulturakademie ein interessantes
und hochwertiges Angebot geschaffen, das in dieser Form bislang noch
nicht existiert hat. Hier kann man die
Kommunikationsstärke und die bewusstseinserweiternde Wirkung
von Kultur unmittelbar erfahren – für mich ist
Kultur die einzige vollkommen legale und legitime Droge.
hamburger wirtschaft, Ausgabe
März 2009