Handelskammer Hamburg 2009

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Interview: Sabine Hengesbach

Kultur als legale Droge

Sabine Hengesbach, Geschäftsführerin der In Medias Public Relations GmbH, vermittelt kulturelle Ereignisse und Institutionen an die Medien. Mit der
hamburger wirtschaft spricht sie über ihre Arbeit und die Kulturmetropole Hamburg.
hamburger wirtschaft: Sie arbeiten viel für Kulturinstitutionen und Festivals. War das von Anfang an der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Sabine Hengesbach: In Medias hat früher für große Unternehmen und Marken gearbeitet. Heute sind wir zu rund 70 Prozent für Kulturinstitutionen und kulturelle Themen tätig. Diese Entwicklung hat sich zum einen aus meinem persönlichen Interesse ergeben, zum anderen aus der zunehmenden Bereitschaft vieler Kulturinstitutionen, sich den Themen Marketing und PR zu öffnen.

hw: Durch die Hamburg Marketing Gesellschaft sind Sie für Journalisten die Ansprechpartnerin für die Musikmetropole Hamburg geworden. Was können Sie auf diese Weise für die Stadt erreichen?

Hengesbach: Die Hamburg Marketing Ge­sellschaft hat in der Stadt sehr zu dem Bewusstsein beigetragen, dass wir uns in einem Wettbewerb der sogenannten „second citys“ befinden. Wir wissen inzwischen, wohin wir wollen, und wir wissen auch, wie wir da hinkommen. Ein Beispiel ist der regelmäßige Pressedienst von In Medias über alle Bereiche des Hamburger Musiklebens: Klassik, Pop, Jazz. Das Musikgeschehen der Hansestadt kommt dadurch in den Medien sehr vielfältig vor, sowohl in den regionalen als auch in den überregionalen.

hw: Wie hat sich die Wahrnehmung Hamburgs durch das Projekt Elbphilharmonie gewandelt?

Hengesbach: Bislang wurden viele einzelne Aktivitäten aus dem Musikleben Hamburgs wahrgenommen. Man weiß, dass an einem neuen „Ring des Nibelungen“ gearbeitet wird, und kennt die bedeutenden Akteure wie zum Beispiel Jeffrey Tate, Simone Young und Christoph von Dohnányi. Durch das Projekt Elbphilharmonie ist man neugierig geworden, wie Hamburg den Weg zu einer wirklichen Musikmetropole meistern wird.

hw: Was fehlt Hamburg noch zu einer Musikmetropole?

Hengesbach: Wir betreuen auch die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci und haben die Händelfestspiele Göttingen neu positioniert. Meiner Ansicht nach fehlt Hamburg ein großes, überregional bedeutsames Festival. Ein solches Festival müsste an das Vorhandene anknüpfen und Hamburger Traditionen aufgreifen. Das Bespiel Potsdam zeigt, wie das gelingen kann.

hw: Seit Kurzem machen Sie viel mehr als „nur“ PR …

Hengesbach: Ja, ich sehe das als konsequente Weiterentwicklung und Diversifizierung der Marke „In Medias“, um die erworbenen Kompetenzen und Kontakte einsetzen zu können. Zurzeit haben wir vier Projekte in Arbeit, und ich hoffe, dass viele Hamburger Freude daran haben: Die „Spazierklänge“, klassisch ebenso wie modern, sollen im Frühjahr zum Download auf iTunes zu thematischen Spaziergängen durch die Stadt einladen. Seit dem 23. Januar läuft unsere Kulturakademie in der Tesdorpfstraße, und gemeinsam mit dem Koch des Artisan, Thorsten Gillert, haben wir ein Kunstkochbuch in Arbeit. Schließlich bereiten wir auch noch ein Angebot von Kulturreisen nach Hamburg vor.

hw: Greifen wir einmal die Kulturakademie heraus. Was will diese Einrichtung vermitteln? Wer soll was von wem lernen?

Hengesbach: Während meiner Arbeit im Kulturbereich habe ich immer wieder gedacht, wie sehr Unternehmen und Führungskräfte aus der Wirtschaft vom Wissen der Kulturschaffenden lernen und profitieren könnten. In unserer Kulturakademie haben wir Re­ferenten aus allen Kultursparten, die künst­lerische Prozesse offenlegen. Künstler arbeiten oft unter Extrembedingungen sehr kreativ und profitabel, davon kann man viel lernen. Im Februar zum Beispiel hat Christian Gansch die Analogien der Kommunikations- und Führungsstrukturen von Unternehmen und Sinfonieorchestern analysiert und gezeigt, welche Lösungsstrategien sich auf Betriebe übertragen lassen. Im April wird unter anderem Heather Jurgensen, ehemalige Primaballerina des Hamburg Balletts, über Kommunikation sprechen. Ich denke, wir haben mit der Kulturakademie ein interessantes und hochwertiges Angebot geschaffen, das in dieser Form bislang noch nicht existiert hat. Hier kann man die Kommunikationsstärke und die bewusstseinserweiternde Wirkung von Kultur unmittelbar erfahren – für mich ist Kultur die einzige vollkommen legale und legitime Droge.
Jörn Schüßler
joern.schuessler@hk24.de
Telefon 36 13 8 508

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2009