Top-Level-Domains
Im Netz mit feiner Adresse
Voraussichtlich zum Jahreswechsel können
Unternehmen ihre Marke oder ihren Unternehmensnamen als sogenannte
Top-Level-Domain registrieren.
Derzeit gibt es im Internet ungefähr 240 Länderendungen wie
„.de“ oder „.uk“ sowie 21 beschreibende
Endungen wie „.com“ oder „.travel“. Diese
Endungen werden auch als Top-Level-Domains (TLDs) bezeichnet. Die
zuständige Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned
Names and Numbers (ICANN) wird wahrscheinlich Anfang 2010 Bewerbungen
für neue Homepage-Endungen annehmen. In einem mehrjährigen
Entwicklungsprozess wurden Richtlinien für die Vergabe entwickelt,
nach denen erstmals auch Unternehmen ihre Namen und Marken nach dem
Muster „.firma“ oder „.marke“ als
Top-Level-Domain regis-trieren könnten.
Eine eigene Top-Level-Domain dient dem Schutz und Ausbau der Marke und
kann damit die Markenstrategie von Unternehmen sinnvoll
unterstützen. Die eigene Endung verhilft zur Unabhängigkeit
von existierenden Top-Level-Domains.
„Unter strategischen Gesichtspunkten wie Markenschutz,
Markenausbau und Sicherheit der Online-Kommunikation müssen sich
Unternehmen jetzt mit der Frage beschäftigen, ob eine eigene
Top-Level-Domain sinnvoll ist“, so Dirk Krischenowski,
Geschäftsführer der Dotberlin GmbH & Co. KG. und
Gesellschafter der Dotzon GmbH. „Wer zuerst ‚.marke‘
oder ‚.firma‘ beantragt, erhält mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch den Zuschlag.“
Allerdings sind die Kosten beträchtlich: Bereits für die
Bewerbung bei ICANN sind etwa 185 000 US-Dollar einzuplanen –
Geld, das im Fall einer Ablehnung nicht erstattet wird. Hinzu kommen
weitere Kosten für Berater, Technik und Betrieb, sodass mit etwa
300 000 Euro Gesamtkosten gerechnet werden sollte. ICANN ist für
die Stabilität des Namensraumes verantwortlich und muss
sicherstellen, dass nur auf Langfristigkeit, Seriosität und
wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtete Top-Level-Domains dem Namensraum
hinzugefügt werden. Daher müssen die Bewerber über die
Kosten hinaus weitere umfangreiche Bewerbungsbedingungen erfüllen,
die beispielsweise den Businessplan für den Betrieb der
Top-Level-Domain ebenso betreffen wie das technische Konzept.
Aufgrund der hohen Anforderungen kommt die Beantragung einer eigenen
TLD besonders für Großunternehmen infrage. Für Hamburgs
kleine und mittlere Unternehmen mit lokalem Bezug hingegen kann die
geplante Registrierung von „.hamburg“ interessant sein, die
von der Initiative Dothamburg e.V. angestrebt wird.
Hamburger Unternehmen bietet die Initiative die Möglichkeit,
attraktive Domains, beispielsweise www.firmenname.hamburg,
vorzureservieren. „Unabhängig von den Vorteilen des
Stadtportals Hamburg.de ermöglicht neuer Adressraum im Internet
durch ‚.hamburg’ Tausenden von Unternehmen und Bürgern
die Nutzung einer Internetadresse mit eindeutigem Bezug zum Standort
und schafft neue Optionen für die Kommunikation im
Internet“, erläutert Rechtsanwalt Oliver Süme,
Gründer und Vorstand der Initiative Dothamburg. „Bereits
heute haben 50 Prozent der Suchanfragen bei Google und Co. einen
lokalen Bezug. Eine Domain ‚.hamburg’ ermöglicht daher
Unternehmen mit lokalem Bezug noch bessere
Suchmaschinenplatzierungen.“ Die Marke Hamburg bekäme so
mehr Strahlkraft – zumal Hamburg auf international hohem Niveau
mitspielen könnte und mit Weltstädten wie New York, Paris
oder London genannt würde, wo es ähnliche Initiativen
für TLD-Registrierungen gibt. Auf dem 33. ICANN-Meeting im
November 2008 in Kairo gründete sich eine Interessengruppe der
Bewerber für City-TLDs. Sie besteht bisher aus den Initiativen aus
Hamburg, Berlin, Barcelona, Paris und New York und soll gegenüber
der ICANN die gemeinsamen Interessen vertreten. ICANN nimmt
während eines Zeitraums von 45 Tagen, voraussichtlich Ende 2009
oder spätestens im ersten Quartal 2010, Bewerbungen für eine
Top-Level-Domain entgegen. Am Ende eines erfolgreichen
Bewerbungsverfahrens steht der Abschluss eines Vertrages zwischen dem
Bewerber und ICANN.
hamburger wirtschaft, Ausgabe
August
2009