Handelskammer Hamburg 2009

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Top-Level-Domains

Im Netz mit feiner Adresse

Voraussichtlich zum Jahreswechsel können Unternehmen ihre Marke oder ihren Unternehmensnamen als sogenannte Top-Level-Domain registrieren.
Derzeit gibt es im Internet ungefähr 240 Länderendungen wie „.de“ oder „.uk“ sowie 21 beschreibende Endungen wie „.com“ oder „.travel“. Diese Endungen werden auch als Top-Level-Domains (TLDs) bezeichnet. Die zuständige Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) wird wahrscheinlich Anfang 2010 Bewerbungen für neue Homepage-Endungen annehmen. In einem mehrjährigen Entwicklungsprozess wurden Richtlinien für die Vergabe entwickelt, nach denen erstmals auch Unternehmen ihre Namen und Marken nach dem Muster „.firma“ oder „.marke“ als Top-Level-Domain regis-trieren könnten.

Eine eigene Top-Level-Domain dient dem Schutz und Ausbau der Marke und kann damit die Markenstrategie von Unternehmen sinnvoll unterstützen. Die eigene Endung verhilft zur Unabhängigkeit von existierenden Top-Level-Domains.

„Unter strategischen Gesichtspunkten wie Markenschutz, Markenausbau und Sicherheit der Online-Kommunikation müssen sich Unternehmen jetzt mit der Frage beschäftigen, ob eine eigene Top-­Level-Domain sinnvoll ist“, so Dirk Krischenowski, Geschäftsführer der Dotberlin GmbH & Co. KG. und Gesellschafter der Dotzon GmbH. „Wer zuerst ‚.marke‘ oder ‚.firma‘ ­beantragt, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Zuschlag.“

Allerdings sind die Kosten beträchtlich: Bereits für die Bewerbung bei ICANN sind etwa 185 000 US-Dollar einzuplanen – Geld, das im Fall einer Ablehnung nicht erstattet wird. Hinzu kommen weitere Kosten für Berater, Technik und Betrieb, sodass mit etwa 300 000 Euro Gesamtkosten gerechnet werden sollte. ICANN ist für die Stabilität des Namensraumes verantwortlich und muss sicherstellen, dass nur auf Langfristigkeit, Seriosität und wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtete Top-Level-Domains dem Namensraum hinzugefügt werden. Daher müssen die Bewerber über die Kosten hinaus weitere umfangreiche Bewerbungsbedingungen erfüllen, die beispielsweise den Businessplan für den Betrieb der Top-Level-Domain ebenso betreffen wie das technische Konzept.

Aufgrund der hohen Anforderungen kommt die Beantragung einer eigenen TLD besonders für Großunternehmen infrage. Für Hamburgs kleine und mittlere Unternehmen mit lokalem Bezug hingegen kann die geplante Registrierung von „.hamburg“ interessant sein, die von der Initiative Dothamburg e.V. angestrebt wird.

Hamburger Unternehmen bietet die Initiative die Möglichkeit, attraktive Domains, beispielsweise www.firmenname.hamburg, vorzureservieren. „Unabhängig von den Vorteilen des Stadtportals Hamburg.de ermöglicht neuer Adressraum im Internet durch ‚.hamburg’ Tausenden von Unternehmen und Bürgern die Nutzung einer Internetadresse mit eindeutigem Bezug zum Standort und schafft neue Optionen für die Kommunikation im Internet“, erläutert Rechtsanwalt Oliver Süme, Gründer und Vorstand der Initiative Dothamburg. „Bereits heute haben 50 Prozent der Suchan­fragen bei Google und Co. einen lokalen Bezug. Eine Domain ‚.hamburg’ ermöglicht daher Unternehmen mit lokalem Bezug noch bessere Suchmaschinenplatzierungen.“ Die Marke Hamburg bekäme so mehr Strahlkraft – zumal Hamburg auf international hohem Niveau mitspielen könnte und mit Weltstädten wie New York, Paris oder London genannt würde, wo es ähnliche Initiativen für TLD-Registrierungen gibt. Auf dem 33. ICANN-Meeting im November 2008 in Kairo gründete sich eine Interessengruppe der Bewerber für City-TLDs. Sie besteht bisher aus den Initiativen aus Hamburg, Berlin, Barcelona, Paris und New York und soll gegenüber der ICANN die gemeinsamen Interessen vertreten. ICANN nimmt während eines Zeitraums von 45 Tagen, voraussichtlich Ende 2009 oder spätestens im ersten Quartal 2010, Bewerbungen für eine Top-Level-Domain entgegen. Am Ende eines erfolgreichen Bewerbungsverfahrens steht der Abschluss eines Vertrages zwischen dem Bewerber und ICANN.
Claudia Sye
claudia.sye@hk24.de
Telefon 36138-250
hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2009