Handelskammer Hamburg 2009

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Klimaschutz 

Grüner TEE

Die Erneuerbaren Energien haben ihr Nischendasein längst verlassen. In Hamburg wurden jetzt das „Cluster Erneuerbare Energien“ und der „Treffpunkt Erneuerbare Energien“ ins Leben gerufen.
Viele Norddeutsche denken bei TEE schnell an Ostfriesland, Kluntjes und Sahne, nur wenige bislang auch an „grüne“ Energiegewinnung, Windräder, Solarpanelen und Biogasanlagen. Dabei sind für den Standort Hamburg die Erneuerbaren Energien und die Unternehmen, die sich auf diesem windigen, aber sonnigen Feld betätigen, von hoher Bedeutung. Um die Interessen und Bedürfnisse der Akteure zu bündeln, hat die Stadt mit der Handelskammer und anderen Interessierten vor wenigen Monaten ein „Cluster Erneuerbare Energien“ ins Leben gerufen.

Mit dem branchenübergreifenden „Treffpunkt Erneuerbare Energien“ (TEE) in Hamburg schafft das Cluster eine Grundlage für intensive Gespräche und Kontaktaufnahmen zwischen Wirtschafts- und Wissenschaftsakteuren. Erste erfolgreiche neue Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen sowie der rege Erfahrungsaustausch, gerade auch über einzelne Themenfelder wie Wind, Solar und Biomasse hinweg, machen deutlich, wie groß der Markt und die Interessen an Erneuerbaren Energien sind.

Denn diese sind zweifelsohne auf dem Vormarsch, und ihre Bedeutung wächst stetig. Von 1998 bis 2008 hat sich der Anteil der Erneuer­baren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland von 4,8 auf 15,1 Prozent mehr als verdreifacht. Regenerative Energieträger haben in den Bereichen Strom, Wärme und Kraftstoff im Jahr 2008 rund 233 Terrawattstunden Energie erzeugt und so dazu beigetragen, insgesamt etwa 109 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Diese Entwicklung ist durch die gesetzlichen Regelungen zur Förderung von Erzeugung und Einspeisung Erneuerbarer Energien maßgeblich beeinflusst worden.

Die Europäische Union hat sich mit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie zum Ziel gesetzt, 20 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs der EU bis 2020 durch regenerative Energien zu decken. Der Anteil Deutschlands daran beträgt 18 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Anteil der Erneuerbaren Energien im Jahr 2020 im Vergleich zu 2008 um 8,5 Prozentpunkte steigen. Allein im Bereich des Bruttostromverbrauchs beabsichtigt die Bundesregierung daher, den Anteil der regenerativen Energien bis 2020 von 15,1 auf mindestens 25 bis 30 Prozent zu steigern. Mit diesem Ziel geht ein besonderes Beschäftigungs- und Umsatzwachstum einher.

Norddeutschland weist im Bereich Erneuerbarer Energien einige Besonderheiten auf, beispielsweise seinen großen Windreichtum, der sich aus der Küstennähe und der relativen Waldarmut ergibt. So liegt der Anteil des mit Windenergie erzeugten Stroms am Nettostromverbrauch in den nördlichen Bundesländern mit 19,1 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt von etwa 8,25 Prozent. Durch den in Nord- und Ostsee geplanten Bau von Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von bis zu 25 000 Me­gawatt wird sich dieser Anteil noch deutlich erhöhen.

In Hamburg sind zurzeit mehr als 2 000 Arbeitsplätze in über 100 Unternehmen dem Bereich der regenerativen Energien zuzuordnen. Sie sorgen dabei für zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Aufgrund der hervorragenden Logistik-Infrastruktur erkennen immer mehr international tätige Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien die Standortqualität der Hansestadt und verlegen vielfach ihre Europazentralen nach Hamburg.

Um die große Nachfrage an Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Bereich der Erneuerbaren Energien decken zu können, hat die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erst vor wenigen Monaten das „CC4E – Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ gegründet, dessen Ziel es ist, die Aktivitäten in der Ausbildung, in der angewandten Forschung und im Wissenstransfer zu Unternehmen zu bündeln.

Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für bestehende und neu zu gründende Unternehmen sind derzeit und in den nächsten Jahren vielfältig und zukunftsträchtig, wie die ersten TEE-Treffen gezeigt haben. Das Motto „Abwarten und Tee trinken“ gilt in diesem Bereich in Hamburg also nicht.

Adrian Ulrich
adrian.ulrich@hk24.de
Telefon 36138-214

Informationen


Welche Potenziale die Erneuerbaren Energien haben, wird auf einem Symposium am 10. November zwischen 10 und 14 Uhr in der Handelskammer diskutiert. Die IHK Nord, der Zusammenschluss der 13 norddeutschen Industrie- und Handelskammern, stellt auf diesem Symposium ihr aktuelles Positionspapier zur wirtschaftlichen Bedeutung der Erneuerbaren Energien
in Norddeutschland vor. Die Teilnahme ist kostenlos. Nähere Informationen sowie ein Anmeldefaxformular unter www.hk24.de.

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2009