Klimaschutz
Grüner TEE
Die Erneuerbaren Energien haben ihr
Nischendasein
längst verlassen. In Hamburg wurden jetzt das
„Cluster
Erneuerbare Energien“ und der „Treffpunkt
Erneuerbare
Energien“ ins Leben gerufen.
Viele
Norddeutsche denken bei
TEE schnell an Ostfriesland, Kluntjes und Sahne, nur wenige bislang
auch an „grüne“ Energiegewinnung,
Windräder,
Solarpanelen und Biogasanlagen. Dabei sind für den Standort
Hamburg die Erneuerbaren Energien und die Unternehmen, die sich auf
diesem windigen, aber sonnigen Feld betätigen, von hoher
Bedeutung. Um die Interessen und Bedürfnisse der Akteure zu
bündeln, hat die Stadt mit der Handelskammer und anderen
Interessierten vor wenigen Monaten ein „Cluster Erneuerbare
Energien“ ins Leben gerufen.
Mit dem branchenübergreifenden „Treffpunkt
Erneuerbare
Energien“ (TEE) in Hamburg schafft das Cluster eine Grundlage
für intensive Gespräche und Kontaktaufnahmen zwischen
Wirtschafts- und Wissenschaftsakteuren. Erste erfolgreiche neue
Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen sowie der rege
Erfahrungsaustausch, gerade auch über einzelne Themenfelder
wie
Wind, Solar und Biomasse hinweg, machen deutlich, wie groß
der
Markt und die Interessen an Erneuerbaren Energien sind.
Denn diese sind zweifelsohne auf dem Vormarsch, und ihre Bedeutung
wächst stetig. Von 1998 bis 2008 hat sich der Anteil der
Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland
von
4,8 auf 15,1 Prozent mehr als verdreifacht. Regenerative
Energieträger haben in den Bereichen Strom, Wärme und
Kraftstoff im Jahr 2008 rund 233 Terrawattstunden Energie erzeugt und
so dazu beigetragen, insgesamt etwa 109 Millionen Tonnen Kohlendioxid
einzusparen. Diese Entwicklung ist durch die gesetzlichen Regelungen
zur Förderung von Erzeugung und Einspeisung Erneuerbarer
Energien
maßgeblich beeinflusst worden.
Die Europäische Union hat sich mit der
Erneuerbare-Energien-Richtlinie zum Ziel gesetzt, 20 Prozent des
gesamten Endenergiebedarfs der EU bis 2020 durch regenerative Energien
zu decken. Der Anteil Deutschlands daran beträgt 18 Prozent.
Um
dieses Ziel zu erreichen, muss der Anteil der Erneuerbaren Energien im
Jahr 2020 im Vergleich zu 2008 um 8,5 Prozentpunkte steigen. Allein im
Bereich des Bruttostromverbrauchs beabsichtigt die Bundesregierung
daher, den Anteil der regenerativen Energien bis 2020 von 15,1 auf
mindestens 25 bis 30 Prozent zu steigern. Mit diesem Ziel geht ein
besonderes Beschäftigungs- und Umsatzwachstum einher.
Norddeutschland weist im Bereich Erneuerbarer Energien einige
Besonderheiten auf, beispielsweise seinen großen
Windreichtum,
der sich aus der Küstennähe und der relativen
Waldarmut
ergibt. So liegt der Anteil des mit Windenergie erzeugten Stroms am
Nettostromverbrauch in den nördlichen Bundesländern
mit 19,1
Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt von etwa 8,25
Prozent.
Durch den in Nord- und Ostsee geplanten Bau von
Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von bis zu 25 000
Megawatt wird sich dieser Anteil noch deutlich
erhöhen.
In Hamburg sind zurzeit mehr als 2 000 Arbeitsplätze in
über
100 Unternehmen dem Bereich der regenerativen Energien zuzuordnen. Sie
sorgen dabei für zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Aufgrund
der
hervorragenden Logistik-Infrastruktur erkennen immer mehr international
tätige Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien
die
Standortqualität der Hansestadt und verlegen vielfach ihre
Europazentralen nach Hamburg.
Um die große Nachfrage an Forschungs- und
Entwicklungsleistungen
im Bereich der Erneuerbaren Energien decken zu können, hat die
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erst vor
wenigen
Monaten das „CC4E – Competence Center für
Erneuerbare
Energien und Energieeffizienz“ gegründet, dessen
Ziel es
ist, die Aktivitäten in der Ausbildung, in der angewandten
Forschung und im Wissenstransfer zu Unternehmen zu bündeln.
Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für bestehende und
neu zu
gründende Unternehmen sind derzeit und in den
nächsten Jahren
vielfältig und zukunftsträchtig, wie die ersten
TEE-Treffen
gezeigt haben. Das Motto „Abwarten und Tee trinken“
gilt in
diesem Bereich in Hamburg also nicht.
Informationen
Welche Potenziale die Erneuerbaren Energien haben, wird auf einem
Symposium am 10. November zwischen 10 und 14 Uhr in der Handelskammer
diskutiert. Die IHK Nord, der Zusammenschluss der 13 norddeutschen
Industrie- und Handelskammern, stellt auf diesem Symposium ihr
aktuelles Positionspapier zur wirtschaftlichen Bedeutung der
Erneuerbaren Energien
in Norddeutschland vor. Die Teilnahme ist kostenlos. Nähere
Informationen sowie ein Anmeldefaxformular unter
www.hk24.de.
hamburger wirtschaft, Ausgabe
November 2009