Handelskammer Hamburg 2009

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Wirtschaftspolitik

Sollte es eine Obergrenze für Managergehälter geben?

Managergehälter und Bonuszahlungen in Millionenhöhe sorgen derzeit für Empörung. Ist die Kritik gerechtfertigt, oder haben solche Gehälter ihre Berechtigung?

„Die Aufregung um die Managergehälter drückt einfach das gefühlte Missverhältnis zwischen Leistung und Vergütung aus. Die Gehälter müssen an drei Kriterien geknüpft sein: den Unternehmenserfolg als Gewinn, die Nachhaltigkeit der Entscheidungen und die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Damit ist auch eine Obergrenze definierbar. Diese Kriterien sind beste mittelständische Tradition, entstanden aus umfassender unternehmerischer Verantwortung für das Unternehmen und die Gesellschaft.“
Dr. Frank Langer (54), Inhaber von IBB, Ingenieurbüro für Baustoffanwendungen

„Managergehälter stehen nicht in Relation zur geleisteten Arbeit. Zwar ist es gerechtfertigt, dass Manager durch ihren Mehraufwand durchschnittlich ein höheres Gehalt verdienen, doch die heutigen Gehälter sind absurd. Das gilt zum Beispiel für die Managerebene der Dresdner Bank. Trotz Milliardenverlusten und Massenkündigungen haben die Manager Millionen kassiert. Ein gerechtfertigtes Verfahren wäre, die Manager nach ihrer Leistung zu bezahlen. Macht das Unternehmen also aufgrund des Managements Gewinn oder Verlust, dann sollte der Manager auch dementsprechend vergütet werden.“
Sakir Büjükodabasi (26), Juniorchef Kiosk 2000

„In einer freien Marktwirtschaft stehen die Unternehmen im globalen Wettbewerb. Um kompetente Führungskräfte zu gewinnen, müssen die Unternehmen marktgerecht entlohnen. Erfolgsabhängige Komponenten sind hierbei ein wichtiger, der Position angemessener Faktor. Die Ziele, nach denen der Erfolg bemessen wird, sollten jedoch nicht auf kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Ergebnissen beruhen. Vielmehr müssen die mittel- bis langfristigen Unternehmenserfolge als Bewertungsgrundlage hinzugezogen werden.“
Marcus Mencke-Haan (43), Geschäftsführender Gesellschafter der Next Move Unternehmensberatung GmbH

„Generell bin ich gegen die Festlegung einer Obergrenze für Managergehälter. Die Vergütungshöhe sollte immer im Zusammenhang mit dem betrieblichen Erfolg einhergehen. Derjenige, der eine gute Leistung erbringt, sollte auch Anspruch auf eine hohe Vergütung haben. Bei persönlichem Versagen darf dann aber auch eine Haftung nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sind überhöhte Managergehälter und Abfindungen bei Misserfolg abzulehnen.“
Inge Wehling (59), Geschäftsführende Gesellschafterin der Elementar GmbH und Vorsitzende des Verbandes deutscher Unternehmerinnen e. V. (VdU)

„Wie so viele Fragen im Leben, lässt sich auch diese Frage mit einem klaren ‚Jein‘ beantworten: Gehälter zu begrenzen ist nicht Aufgabe des Staates. Bonuszahlungen allerdings sollten eine Obergrenze bekommen. Deswegen sollten Managern von ihren Boni 120 000 Euro überlassen werden, nach Steuern. Der Rest der Extrazuwendungen sollte in soziale Projekte investiert werden: zweckgebunden, gemeinnützig und dem Fiskus entzogen.“
Marco Scheffler (41), Inhaber der Cosy Bar, der Null-Vier-Null Bar und der Magdschänke in Eimsbüttel

„Ich bin gegen eine fixierte Grenze für Managergehälter. Allerdings sollten die Gehälter eng und deutlich an die wirtschaftlichen und sozialen Ergebnisse des Unternehmens gebunden sein. Tantiemen bei Verlusten und betriebsbedingten Kündigungen sollten im Normalfall ausgeschlossen sein. Transparente Unternehmensziele und eine gelebte Corporate Governance sind zur Wiedergewinnung des Vertrauens der Mitarbeiter in Unternehmensführungen und Gesellschafterinteressen unabdingbar.“
Michael Beckereit (58), Geschäftsführer Hamburg Wasser

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2009