Bioabfall
Warm duschen mit Biomüll
Was wird aus Hamburgs grünem
Müll? Entweder wertvoller Kompost oder Energie in Form von
Wärme oder Strom.
Täglich fallen in Hamburg Berge von Biomüll an:
Küchen- und Gartenabfälle aus privaten Haushalten,
Grünschnitt von Gärtnereien, Speisereste aus der
Gastronomie und überlagerte Lebensmittel aus dem Handel. In
die graue Restmülltonne schmeißen und über
eine Müllverbrennungsanlage entsorgen, kann nicht der Weisheit
letzter Schluss sein. Als wirtschaftliche und umweltgerechte Entsorgung
des Biomülls bieten sich zwei wesentlich sinnvollere Wege an:
Kompostieren oder Vergären.
Dieser Auffassung ist auch Rüdiger Siechau, Sprecher der
Geschäftsführung der Stadtreinigung:
„Abfälle sollten, wenn dies ökologisch
sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist, möglichst getrennt
gesammelt und verwertet werden. Kommunale Unternehmen wie die
Stadtreinigung Hamburg bieten ihren privaten und gewerblichen Kunden
dafür die unterschiedlichsten Sammelsysteme an.“
Das Kompostwerk Bützberg in Tangstedt vor den Toren Hamburgs
verarbeitet Grünabfälle aus Gärtnereien und
Baumschulen. Den weitaus größeren Anteil bilden
jedoch die Küchen- und Gartenabfälle aus den knapp 50
000 grünen Biotonnen Hamburger Haushalte. Das von der
Stadtreinigung betriebene Kompostwerk verarbeitet jährlich 30
000 Tonnen Bioabfall zu 12 000 Tonnen Kompost.
Der angelieferte Bioabfall wird gesiebt und von Fremdstoffen wie
Plastikfolien und Steinen befreit. Über
Förderbänder gelangen die Bioabfälle in eine
fußballfeldgroße Rottehalle. Hier machen sich
Mikroorganismen, Bakterien und Pilze über den Bioabfall her
und erzeugen innerhalb von zehn Wochen Kompost. Der fertige Kompost
wird verkauft: lose oder in Säcken an Landwirte und
über die 15 Recyclinghöfe der
Stadtreinigung Hamburg an Hobbygärtner. Der Fertigkompost ist
ein organischer Mehrnährstoffdünger. Neben
hohen Gehalten an Phosphor, Kalium und Stickstoff versorgt er den Boden
auch mit wertvollem Humus.
Lebensmittelabfälle und Speisereste dienten lange Zeit als
Futtermittel, seit 2006 ist dies durch das europäische
Verfütterungsverbot nicht mehr erlaubt. Doch es gibt
sinnvolle Alternativen, wie das Beispiel der Biogasanlage der
Hamburger Stadtreinigung zeigt. Auf dem
Gelände der Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor,
unweit der Arenen im Volkspark, produziert die Biogasanlage der Biowerk
Hamburg GmbH aus Biomüll Energie. Lastkraftwagen kippen die
Speise- und Lebensmittelabfälle in einen Bunker. Abgepackte
Wurst und gefüllte Konservenbüchsen gesellen sich
hier zu vergammeltem Obst und Gemüse. Schneidwerkzeug
zerkleinert den Abfall. Metalle, Verpackungsmaterial und andere
Störstoffe werden aussortiert. Anschließend werden
flüssige und feste Abfälle vermischt und gelangen in
einen riesigen Stahltank mit einem Fassungsvermögen von 2 800
Kubikmetern.
In diesem sogenannten Fermenter wandeln Bakterien bei 38 Grad Celsius
das flüssige Abfallgemisch innerhalb von 49 Tagen in Gas um.
Dieses Biogas ist mit einem Methangehalt von 65 Prozent sehr
energiereich und treibt einen Verbrennungsmotor in einem
Blockheizkraftwerk an. Das Blockheizkraftwerk erzeugt Wärme
und die Strommenge, die den Bedarf von 1 700 Privathaushalten deckt.
„Die energetische und stoffliche Verwertung von Bioabfall ist
unter Umweltaspekten immer sinnvoll, unabhängig davon, ob sich
dafür auf dem Markt gerade Gewinne erzielen lassen oder
nicht“, so Siechau. „Deshalb wollen wir unser
Angebot im Bereich der Bioabfallerfassung in Hamburg auch weiter
ausbauen.“
Auch die erzeugte Wärme geht nicht verloren, sondern gelangt
in das Fernwärmenetz der Eon Hanse AG. Daran angeschlossen
sind 13 000 Wohneinheiten und die Sportarenen im Volkspark. Rund 3 600
Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid werden durch diese Form
der Energieerzeugung Jahr für Jahr eingespart. Die
Fernwärme speist die Rasenheizung der Fußballarena
und gewährleistet, dass Schnee und Eis dem Grün
nichts anhaben können. Und wenn die Fußballspieler
vom HSV warm duschen wollen, erwärmt die mit Biomüll
erzeugte Fernwärme das Duschwasser.
hamburger wirtschaft, Ausgabe
August 2009